Was deine Photovoltaik einbringt und wann sie amortisiert ist
Die Rechnung hängt an vier Grössen: Investition, Einmalvergütung, Eigenverbrauchsanteil und Rückliefertarif. Mit belegten Schweizer Zahlen und Rechenbeispiel.

Die Offerte liegt auf dem Tisch, darunter steht eine Zahl für die Rückzahldauer: acht Jahre. Der Nachbar sagt fünfzehn. Beide rechnen mit denselben Modulen — sie setzen nur andere Werte für Eigenverbrauch, Ertrag und Einspeisetarif ein. Die Rentabilität einer Photovoltaikanlage entscheidet sich an vier Grössen, und drei davon stehen in keiner Offerte.
Kurzantwort
- Vier Grössen bestimmen alles: Investition abzüglich Einmalvergütung, Jahresertrag, Eigenverbrauchsanteil und Rückliefertarif. Alles andere ist Beiwerk.
- Die Investition ist belegbar: EnergieSchweiz gibt für Aufdachanlagen 2024 eine Kostenformel an — für 10 bis 30 kW sind es 1’177 Franken je kW plus 14’762 Franken Fixanteil, ohne Mehrwertsteuer.
- Der Ertrag ist statistisch fassbar: Das BFE weist für 2025 im Mittel 900 kWh je kW und Jahr aus.
- Der Eigenverbrauchsanteil ist der grösste Hebel. Ohne Massnahmen liegt er laut EnergieSchweiz bei 15 bis 30 Prozent, mit Optimierung bei 30 bis 70 Prozent. Jeder Prozentpunkt ist bares Geld, weil selbst verbrauchter Strom rund 27,7 Rappen ersetzt und eingespeister nur 6.
- Rechne mit der Minimalvergütung, nicht mit dem Wunschtarif. Seit dem 1. Januar 2026 garantiert der Bund für Anlagen unter 30 kW 6 Rappen je Kilowattstunde. Mehr ist möglich, aber Verhandlungssache.
Welche vier Grössen die Rentabilität bestimmen
Die Nettoinvestition. Die Preisbeobachtungsstudie von EnergieSchweiz und BFE hat für 2024 die Kosten realisierter Aufdachanlagen erhoben und daraus eine stückweise lineare Regression gebildet (alle Beträge ohne Mehrwertsteuer):
| Leistungsbereich | Kostenformel 2024 | Beispiel |
|---|---|---|
| unter 10 kW | 2’034 Fr. je kW + 6’191 Fr. | 8 kW: 22’463 Fr. |
| 10 bis 30 kW | 1’177 Fr. je kW + 14’762 Fr. | 12 kW: 28’886 Fr. |
| 30 bis 100 kW | 1’464 Fr. je kW + 6’148 Fr. | 40 kW: 64’708 Fr. |
| 100 bis 300 kW | 758 Fr. je kW + 76’754 Fr. | 150 kW: 190’454 Fr. |
Der Fixanteil erklärt, weshalb sich die spezifischen Kosten mit der Anlagengrösse verbessern: Administration, Baustellensicherung und Anfahrt fallen unabhängig von der Modulzahl an. Die Studie hält für 2024 zudem einen Rückgang der Mediankosten zwischen 12 und 26 Prozent fest — das Preisniveau von 2021 ist wieder erreicht.
⚠ Nicht enthalten sind Zusatzkosten. Die Studie beziffert davon drei: eine Verbrauchssteuerung kostet im Median 1’722 Franken (in 90 Prozent der Fälle unter 3’000), die Planung durch ein externes Büro folgt der Näherung 111 Franken je kW plus 6’917 Franken, und die Einrichtung eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch liegt im Median bei 5’900 Franken. Dachertüchtigung, statische Verstärkung und Anpassungen am Elektrokasten kommen dazu.
Die Einmalvergütung. Sie steht auf den Franken genau in Anhang 2.1 der Energieförderungsverordnung. Für Anlagen mit Inbetriebnahme ab dem 1. April 2025 gilt: angebaute und freistehende Anlagen unter 30 kW 360 Franken je kW, integrierte Anlagen 400 Franken je kW. Einen Grundbeitrag gibt es nicht mehr, er steht in der Verordnung bei null.
Der Jahresertrag. Die Statistik Sonnenenergie des BFE nennt für das Referenzjahr 2025 einen mittleren spezifischen Energieertrag von 900 kWh je kW für Netzverbundanlagen. Im Vorjahr waren es 820 kWh je kW. Diese Schwankung von rund 10 Prozent zwischen zwei Jahren ist selbst schon eine Warnung: Wer mit einer einzigen Ertragszahl auf zwanzig Jahre rechnet, rechnet ungenau.
Der Wert je Kilowattstunde. Hier trennt sich die Anlage in zwei Ströme. Selbst verbrauchter Strom ersetzt Netzbezug, und der kostet einen typischen Haushalt 2026 laut ElCom 27,7 Rappen je Kilowattstunde. Eingespeister Strom bringt die Rückliefervergütung, und die liegt seit dem 1. Januar 2026 für Anlagen unter 30 kW bei mindestens 6 Rappen (Art. 12 Abs. 1bis EnV). Der Unterschied ist der Faktor 4,6 — deshalb ist der Eigenverbrauchsanteil die wichtigste Zahl der ganzen Rechnung.
Wie du den Eigenverbrauchsanteil abschätzt
Das Handbuch «Solarstrom-Eigenverbrauch optimieren» von EnergieSchweiz nennt die Grössenordnung nüchtern: Ohne Energiespeicher erreicht ein Haushalt etwa 15 bis 30 Prozent. Durch Optimierung sind rund 30 bis 70 Prozent erreichbar. Optimierung heisst dabei nicht Maximierung — das Faktenblatt «Photovoltaik Eigenverbrauch» hält ausdrücklich fest, dass eine Erhöhung des Eigenverbrauchs nur dann sinnvoll ist, wenn sie den Netzbezug tatsächlich senkt.
Praktisch entscheiden zwei Verbraucher: die Wärmepumpe und das Elektroauto. Beide ziehen Strom in Grössenordnungen, die eine Dachanlage bedienen kann, und beide lassen sich zeitlich verschieben. Waschmaschine und Geschirrspüler bewegen die Bilanz kaum. EnergieSchweiz beziffert die Ersparnis im Einfamilienhaus je nach erreichtem Anteil auf 300 bis 700 Franken im Jahr.
Für die Rechnung heisst das: Setze nicht den Wert aus der Offerte ein, sondern deinen eigenen. Hast du eine Wärmepumpe und lädst du zu Hause, sind 40 bis 50 Prozent plausibel. Bist du tagsüber ausser Haus und heizt fossil, liegst du eher bei 20.
Die Rechnung über zwanzig Jahre
Ein Einfamilienhaus, angebaute Anlage mit 12 kW, Inbetriebnahme 2026. Alle Beträge ohne Mehrwertsteuer.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Investition nach Kostenformel 10–30 kW | 28’886 Fr. |
| Einmalvergütung 12 × 360 Fr. | – 4’320 Fr. |
| Nettoinvestition | 24’566 Fr. |
| Jahresertrag 12 × 900 kWh | 10’800 kWh |
Und daraus der Jahresertrag in Franken, je nach Eigenverbrauchsanteil:
| Eigenverbrauchsanteil | Eigenverbrauch zu 27,7 Rp. | Einspeisung zu 6 Rp. | Ertrag je Jahr | Statische Rückzahldauer |
|---|---|---|---|---|
| 20 Prozent | 2’160 kWh = 598 Fr. | 8’640 kWh = 518 Fr. | 1’116 Fr. | 22,0 Jahre |
| 30 Prozent | 3’240 kWh = 897 Fr. | 7’560 kWh = 454 Fr. | 1’351 Fr. | 18,2 Jahre |
| 50 Prozent | 5’400 kWh = 1’496 Fr. | 5’400 kWh = 324 Fr. | 1’820 Fr. | 13,5 Jahre |
| 30 Prozent, aber Rückliefertarif 12 Rp. | 3’240 kWh = 897 Fr. | 7’560 kWh = 907 Fr. | 1’804 Fr. | 13,6 Jahre |
Zwei Ablesungen. Erstens: Eigenverbrauch von 20 auf 50 Prozent zu heben, verkürzt die Rückzahldauer um achteinhalb Jahre — mehr als jede Preisverhandlung über die Module. Zweitens: Ein Netzbetreiber, der statt der Minimalvergütung 12 Rappen zahlt, wirkt fast gleich stark wie eine Verdoppelung des Eigenverbrauchs. Wer die Anlage plant, sollte deshalb den Tarif seines Netzbetreibers kennen, bevor er die Grösse festlegt.
Welche Kosten über die Laufzeit dazukommen
Zwei Positionen fehlen in der Tabelle oben, weil es für sie keine amtliche Schweizer Statistik gibt: der laufende Unterhalt und der Ersatz des Wechselrichters. Die Preisbeobachtungsstudie erhebt Investitions-, nicht Betriebskosten. Verlang diese beiden Zahlen deshalb schriftlich in der Offerte — die Garantiedauer des Wechselrichters und den Preis eines Ersatzgeräts.
Was der Effekt ist, lässt sich zeigen. Legst du 250 Franken im Jahr für Unterhalt und Rücklage zurück, sinkt der Nettoertrag im 30-Prozent-Fall von 1’351 auf 1’101 Franken, und die Rückzahldauer steigt von 18,2 auf 22,3 Jahre. Rechnest du zusätzlich mit Mehrwertsteuer auf der Investition, verschiebt sich der Zeitpunkt nochmals um rund zwei Jahre nach hinten.
Was in dieser Rechnung bewusst fehlt: Kapitalkosten, Teuerung und eine Annahme über steigende Strompreise. Der Strompreis ist 2026 gegenüber 2025 um 1,3 Rappen gesunken — eine Fortschreibung nach oben wäre eine Wette, keine Rechnung.
Wie du deine Offerte damit prüfst
- Lass die Leistung in Kilowatt und den erwarteten Jahresertrag in Kilowattstunden getrennt ausweisen. Aus beidem ergibt sich der spezifische Ertrag; liegt er deutlich über 1’000 kWh je kW, frag nach der Begründung.
- Verlang die Kategorie schriftlich — angebaut oder integriert. Der Unterschied sind 40 Franken je Kilowatt Einmalvergütung.
- Frag nach dem Rückliefertarif deines Netzbetreibers, nicht nach einem Durchschnittswert.
- Lass Zusatzkosten einzeln aufführen: Steuerung, externe Planung, Dacharbeiten, Anpassungen am Elektrokasten.
- Setz deinen eigenen Eigenverbrauchsanteil ein, abgeleitet aus deinem Stromverbrauch und deinen steuerbaren Verbrauchern.
Was heisst das für dich
Rechne die Anlage selbst, mit vier Zahlen: Nettoinvestition, Jahresertrag, dein Eigenverbrauchsanteil und der Tarif deines Netzbetreibers. Die Kostenformel von EnergieSchweiz gibt dir einen Massstab, ob die Offerte im Markt liegt. Wenn du an einer Stelle drehen willst, dann am Eigenverbrauch — Wärmepumpe und Ladestation zeitlich zu steuern kostet im Median 1’722 Franken und wirkt stärker als jeder Rabatt. Und behandle jede Rückzahldauer unter zwölf Jahren als Rechnung, die du nachprüfen musst: Sie setzt entweder einen hohen Eigenverbrauch oder einen Tarif deutlich über der Minimalvergütung voraus, und beides gehört belegt.
Weiterlesen
- Einmalvergütung beantragen: der Weg und die Fristen — die Ansätze, die Unterlagenliste und die Betriebspflicht
- Was du für eingespeisten Solarstrom bekommst — weshalb die Vergütung je Netzbetreiber anders ausfällt
- Zusammenschluss zum Eigenverbrauch — der Weg, den Eigenverbrauchsanteil über mehrere Parteien zu heben
- Im Forum: Amortisation PV-Anlage — und der Systemvergleich Solaranlagen: Kosten, Nutzen, Lebensdauer, Wirkungsgrad
Quellen
- EnergieSchweiz und BFE, Photovoltaikmarkt: Preisbeobachtungsstudie 2024 — Kostenregression je Leistungsbereich, Rückgang der Mediankosten 2024, Zusatzkosten für Steuerung, Planung und Zusammenschluss
- BFE, Statistik Sonnenenergie, Referenzjahr 2025 — spezifischer Energieertrag 900 kWh je kW, Vorjahr 820
- EnFV (SR 730.03), Anhang 2.1 Ziff. 2.8–2.10 — Ansätze der Einmalvergütung ab 1. April 2025, Grundbeitrag null
- EnV (SR 730.01), Art. 12 Abs. 1bis — Minimalvergütung 6 Rappen für Photovoltaikanlagen unter 30 kW
- ElCom, Leicht sinkende Strompreise 2026 — Medianhaushalt 27,7 Rappen je Kilowattstunde
- EnergieSchweiz, Handbuch Solarstrom-Eigenverbrauch optimieren — Eigenverbrauchsanteil 15 bis 30 Prozent ohne, 30 bis 70 Prozent mit Optimierung
- EnergieSchweiz, Eigenverbrauch und ZEV — Ersparnis im Einfamilienhaus von 300 bis 700 Franken im Jahr


