Wie gross deine Photovoltaikanlage sein soll
Von der Dachfläche zur Anlagenleistung, vom Verbrauch zum Eigenverbrauchsanteil — und warum ab 30 Kilowatt Vergütung und Förderbeitrag gleichzeitig fallen.

Auf dem Tisch liegt eine Offerte über 14 Kilowatt, das Dach würde noch mehr hergeben, und der Haushalt verbraucht 4’800 Kilowattstunden im Jahr. Der Verkäufer sagt, je grösser desto besser, weil das Dach ohnehin nur einmal eingerüstet wird. Er hat halb recht — und die andere Hälfte kostet dich bei der Vergütung und beim Förderbeitrag gleichzeitig Geld.
Kurzantwort
- Rechne mit 6 bis 7 Quadratmetern Modulfläche je Kilowatt und mit rund 1’000 Kilowattstunden Jahresertrag je Kilowatt im Mittelland.
- Die passende Grösse folgt aus deinem Lastprofil, nicht aus der Dachfläche. Eine Anlage, die so viel produziert wie das Haus verbraucht, erreicht rund 40 Prozent Eigenverbrauch; eine halb so grosse rund 60.
- Bei 30 Kilowatt liegt eine harte Kante. Darüber fällt die Minimalvergütung für den überschiessenden Anteil auf null und der Leistungsbeitrag der Einmalvergütung von 360 auf 300 Franken je Kilowatt.
- Wärmepumpe und Ladestation verschieben die Rechnung nach oben — sie sind der einzige seriöse Grund, deutlich grösser zu bauen.
- Für Neubauten gibt es eine Untergrenze: Art. 45a des Energiegesetzes verlangt ab 300 m² anrechenbarer Gebäudefläche eine Solaranlage.
Welche vier Grössen die Anlage bestimmen
Die Dimensionierung hat vier Eingangsgrössen, und sie hängen in dieser Reihenfolge zusammen.
- Die nutzbare Dachfläche in Quadratmetern. Nicht die Dachfläche, sondern der Teil ohne Kamin, Dachfenster, Lukarne und Verschattung, mit den Abständen zum Rand, die das Meldeverfahren verlangt.
- Die Leistung in Kilowatt. Die Planungsgrundlagen von EnergieSchweiz und Swissolar halten fest: «Zur Erzeugung von 1 kWp Nennleistung werden ca. 6 – 7 m2 Modulfläche benötigt.»
- Der Jahresertrag in Kilowattstunden. Dieselbe Quelle: «Im Mittelland lassen sich damit im Durchschnitt jährlich rund 1’000 kWh Strom erzeugen.» Ausrichtung, Neigung und Höhenlage verändern das, nach oben wie nach unten.
- Dein Verbrauch und sein zeitlicher Verlauf. Erst er entscheidet, welcher Teil des Ertrags im Haus bleibt.
Wie du deinen Verbrauch erhebst
Der Jahresverbrauch steht auf der Stromrechnung, Position Energie, über zwölf Monate summiert. Als Vergleich dient das Verbrauchsprofil H4 der ElCom — ein typischer Schweizer Haushalt mit 4’500 Kilowattstunden im Jahr, der 2026 im Median 27,7 Rappen je Kilowattstunde bezahlt, was einer Jahresrechnung von 1’247 Franken entspricht.
Wichtiger als die Jahressumme ist der Tagesverlauf. Wer ein intelligentes Messsystem hat, kann beim Netzbetreiber die Viertelstundenwerte anfordern; sie zeigen, wie viel Grundlast rund um die Uhr läuft und wie viel Verbrauch zwischen zehn und sechzehn Uhr anfällt. Diese Mittagslast ist die Zahl, die deine Anlagengrösse trägt — alles darüber wandert ins Netz.
Drei Faustgrössen helfen beim Lesen des Profils: Die Grundlast eines Einfamilienhauses läuft rund um die Uhr weiter, Kochen und Waschen fallen zu festen Zeiten an, und Wärmepumpe, Boiler und Ladestation sind verschiebbar. Nur die dritte Gruppe lässt sich der Sonne anpassen.
Welche Dachfläche welche Leistung ergibt
| Nutzbare Modulfläche | Leistung bei 6,5 m² je kW | Jahresertrag im Mittelland | Deckt den Jahresverbrauch eines Haushalts von 4’500 kWh |
|---|---|---|---|
| 20 m² | rund 3,1 kW | rund 3’100 kWh | zu rund 69 Prozent |
| 30 m² | rund 4,6 kW | rund 4’600 kWh | vollständig |
| 40 m² | rund 6,2 kW | rund 6’200 kWh | mit Reserve für eine Wärmepumpe |
| 60 m² | rund 9,2 kW | rund 9’200 kWh | mit Reserve für Wärmepumpe und Ladestation |
| 80 m² | rund 12,3 kW | rund 12’300 kWh | deutlich mehr als der Haushalt braucht |
⚠ Die Spalte «deckt» sagt nur etwas über die Jahressumme, nicht über die Gleichzeitigkeit. Eine Anlage, die im Jahr genau so viel produziert wie das Haus verbraucht, liefert im Juni um die Mittagszeit ein Vielfaches des Bedarfs und im Dezember ein Bruchteil. Deshalb ist die Jahresdeckung eine schlechte Zielgrösse und der Eigenverbrauchsanteil eine gute.
Warum die grösste Anlage nicht die wirtschaftlichste ist
Der Leitfaden Eigenverbrauch von EnergieSchweiz rechnet zwei Fälle durch, die genau diesen Punkt zeigen. Im ersten produziert die Anlage eines Einfamilienhauses «im Mittel gleich viel Energie wie pro Jahr verbraucht wird», die Wärmepumpe läuft nach dem Sonnenangebot — der Eigenverbrauch im Jahresmittel liegt bei 40 Prozent. Im zweiten deckt die Anlage «nur» 50 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs, «das hat zur Folge, dass der Eigenverbrauch auf 60 % ansteigt und somit eine wirtschaftlich attraktive Situation entsteht».
Der Grund liegt im Preisunterschied zwischen den beiden Verwendungen deiner Kilowattstunde:
| Verwendung | Wert je Kilowattstunde |
|---|---|
| Selbst verbraucht, ersetzt Netzbezug | 27,7 Rappen (Median 2026) |
| Ins Netz eingespeist, Minimalvergütung nach Art. 12 EnV | 6 Rappen bei Anlagen unter 30 kW |
Jede Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst, ist damit rund viereinhalb Mal so viel wert wie eine eingespeiste. Einzelne Netzbetreiber vergüten mehr als das gesetzliche Minimum — nachfragen lohnt sich, aber die Grössenordnung des Unterschieds ändert sich dadurch nicht.
Und bei 30 Kilowatt greifen zwei Schwellen gleichzeitig. Art. 12 Abs. 1bis der Energieverordnung setzt die Minimalvergütung für Photovoltaikanlagen mit Eigenverbrauch «für die Leistung ab 30 kW» auf 0 Rappen je Kilowattstunde. Und Anhang 2.1 der Energieförderungsverordnung senkt den Leistungsbeitrag der Einmalvergütung für angebaute Anlagen ab Inbetriebnahme 1. April 2025 von 360 Franken je Kilowatt unter 30 kW auf 300 Franken für die Klasse 30 bis unter 100 kW; bei integrierten Anlagen von 400 auf 330 Franken. Für ein Einfamilienhaus ist diese Kante selten erreichbar — für ein Bauernhaus mit grosser Scheune oder ein Mehrfamilienhaus sehr wohl.
Was Wärmepumpe und Ladestation verändern
Sie sind der Grund, aus dem eine grössere Anlage tatsächlich besser wird — nicht die Dachfläche.
Eine Wärmepumpe erhöht den Stromverbrauch des Hauses erheblich und ist zugleich zeitlich verschiebbar. Die Planungsgrundlagen von EnergieSchweiz halten fest, dass sich mit intelligenten Optimierungen die solaren Deckungsgrade der Wärmepumpe «ca. verdoppelt» werden konnten, und zwar in mehr als 50 realen Installationen zwischen 2016 und 2021. Wichtig ist die Warnung derselben Quelle: Von einer «einseitigen Maximierung des Eigenverbrauchsgrades ist dringend abzuraten, da sonst ineffiziente Systeme resultieren.» Wer Überschuss in einen Elektroeinsatz schiebt, verschlechtert die Jahresarbeitszahl.
Bei der Ladestation kommt es auf das Nutzungsmuster an. Ein Fahrzeug, das tagsüber am Haus steht, ist der beste Verbraucher überhaupt; eines, das nur abends lädt, verschiebt nichts. Plan die Anlage nach dem realistischen Ladefenster, nicht nach der Batteriegrösse.
Die Dimensionierung in fünf Schritten
- Jahresverbrauch aus der Stromrechnung ablesen und den Zuwachs durch geplante Wärmepumpe oder Ladestation dazurechnen.
- Nutzbare Modulfläche bestimmen — nach Abzug von Kamin, Dachfenstern, Verschattung und den Randabständen aus dem Meldeverfahren.
- Fläche durch 6,5 teilen, das ergibt die Leistung in Kilowatt. Zur Kontrolle: mal 1’000 ergibt den Jahresertrag im Mittelland.
- Prüfen, ob die 30-Kilowatt-Schwelle überschritten wird. Wenn ja, den Anteil darüber gegen die entfallende Minimalvergütung und den tieferen Leistungsbeitrag rechnen.
- Bei Neubau die gesetzliche Untergrenze gegenrechnen: Art. 45a EnG ab 300 m² anrechenbarer Gebäudefläche, in Kantonen mit MuKEn-Eigenstromvorschrift zusätzlich 20 Watt je Quadratmeter Energiebezugsfläche, bei einer Dachsanierung ab 50 Quadratmetern betroffener Fläche 10 Watt.
Was heisst das für dich
Bestimme zuerst deinen Verbrauch und dein Mittagsprofil, erst danach die Fläche — eine Anlage, die zum Lastprofil passt, schlägt eine grössere, die zum Dach passt. Für ein Einfamilienhaus ohne Wärmepumpe reichen in der Regel 20 bis 30 Quadratmeter Module; kommt eine Wärmepumpe dazu, sind 40 bis 60 sinnvoll. Verlang in der Offerte den erwarteten Jahresertrag in Kilowattstunden und den geschätzten Eigenverbrauchsanteil getrennt ausgewiesen, und rechne die Einspeisung mit dem Tarif deines Netzbetreibers, nicht mit einer Wunschzahl. Wenn dein Dach die 30 Kilowatt hergibt, lass dir die Variante knapp darunter zusätzlich rechnen. Und plan die verschiebbaren Verbraucher gleich mit — sie sind der Hebel, der aus einer grossen Anlage eine gute macht.
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Quellen
- EnergieSchweiz und Swissolar, Wärmepumpen und PV — Planungsgrundlagen für Wohnbauten — 6 bis 7 m² Modulfläche je kW, rund 1’000 kWh je kW im Mittelland, Verdoppelung des solaren Deckungsgrads, Warnung vor einseitiger Maximierung
- EnergieSchweiz, Leitfaden Eigenverbrauch 2.2 — Einfamilienhaus mit 40 Prozent Eigenverbrauch bei voller Jahresdeckung, 60 Prozent bei halber
- Energieverordnung (EnV, SR 730.01), Art. 12 — Minimalvergütung 6 Rappen unter 30 kW, 0 Rappen für den Anteil ab 30 kW bei Eigenverbrauch
- Energieförderungsverordnung (EnFV, SR 730.03), Anhang 2.1 — Leistungsbeitrag 360 und 400 Franken je kW unter 30 kW, 300 und 330 Franken ab 30 kW
- Energiegesetz (EnG, SR 730.0), Art. 45a — Solaranlagenpflicht bei Neubauten über 300 m² anrechenbarer Gebäudefläche
- EnDK, MuKEn 2025, Art. 1.24 bis 1.26 — 20 Watt je m² Energiebezugsfläche bei Neubauten, 10 Watt bei Dachsanierungen ab 50 m²
- ElCom, Leicht sinkende Strompreise 2026 — Verbrauchsprofil H4 mit 4’500 kWh, Median 27,7 Rappen je kWh, Jahresrechnung 1’247 Franken


