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Energie & Haustechnik

Wie du den Eigenverbrauch deiner Solaranlage erhöhst

Was eine selbst verbrauchte Kilowattstunde gegenüber der Einspeisung wert ist, welche Verbraucher sich verschieben lassen und wann sich ein Speicher trägt.

Ein Solarwechselrichter an einer Holzwand mit einem Verbrauchszähler und einem kompakten Heimspeicher-Schrank daneben.

Die Jahresabrechnung des Netzbetreibers zeigt 6’200 Kilowattstunden Produktion und 3’900 Kilowattstunden Einspeisung. Für den eingespeisten Teil steht ein Betrag da, der kaum ein Fünftel dessen ausmacht, was dieselbe Menge beim Bezug gekostet hätte. Die Anlage arbeitet einwandfrei; falsch ist nur der Zeitpunkt, zu dem im Haus Strom gebraucht wird. Genau daran hängt der Eigenverbrauch, und an ihm hängt heute die ganze Rendite der Photovoltaik.

Kurzantwort

  • Der Unterschied beträgt rund 21,7 Rappen je Kilowattstunde: 27,7 Rappen Bezugspreis im Median 2026 gegen 6 Rappen gesetzliche Minimalvergütung für Anlagen unter 30 Kilowatt.
  • Seit dem 1. Januar 2026 folgt die Einspeisevergütung dem vierteljährlichen Marktpreis. Die 6 Rappen sind die Untergrenze, nicht der Normalfall — und sie sind gesetzlich, nicht verhandelbar.
  • Verschieben kostet nichts, Speichern kostet Geld. Der wirksamste Hebel ist die Betriebszeit von Boiler, Wärmepumpe, Waschmaschine und Ladestation.
  • Eine PV-Steuerung der Wärmepumpe verdoppelt den solaren Deckungsgrad — belegt an über 50 realen Anlagen.
  • Ein Batteriespeicher trägt sich bei heutigen Tarifen noch nicht und löst das Winterproblem ohnehin nicht.

Warum die selbst verbrauchte Kilowattstunde so viel mehr wert ist

Zwei Zahlen aus zwei Erlassen erklären die ganze Rechnung.

Auf der Bezugsseite steht die ElCom-Erhebung für 2026: Ein typischer Haushalt mit dem Verbrauchsprofil H4 und 4’500 Kilowattstunden bezahlt im Median 27,7 Rappen je Kilowattstunde. Darin enthalten sind Energie, Netznutzung, Messtarif, Netzzuschlag, Stromreserve und die Abgaben an die Gemeinwesen. Wer eine Kilowattstunde selbst verbraucht, spart alle diese Bestandteile auf einmal.

Auf der Einspeiseseite hat sich am 1. Januar 2026 die Rechtslage geändert. Art. 15 Abs. 1bis des Energiegesetzes bestimmt seither: «Die Vergütung für Elektrizität aus erneuerbaren Energien richtet sich nach dem vierteljährlich gemittelten Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung. Der Bundesrat legt für Anlagen mit einer Leistung von weniger als 150 kW Minimalvergütungen fest.» Diese Minimalvergütung steht in Art. 12 Abs. 1bis der Energieverordnung und beträgt «für sämtliche Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von weniger als 30 kW: 6 Rp./kWh».

Verwendung einer KilowattstundeWert 2026
Selbst verbraucht, ersetzt Netzbezug27,7 Rappen (Median)
Eingespeist, gesetzliche Minimalvergütung unter 30 kW6 Rappen
Differenz je verschobener Kilowattstunde21,7 Rappen

⚠ Zwei Einschränkungen. Der Bezugstarif variiert zwischen den rund 590 Netzbetreibern erheblich; setz deinen eigenen ein. Und einzelne Netzbetreiber vergüten mehr als das gesetzliche Minimum — dann sinkt die Differenz, verschwindet aber nicht.

Welche Verbraucher sich in den Eigenverbrauch verschieben lassen

Die Rechnung darunter zeigt, was aus der Differenz von 21,7 Rappen wird. Die Mengen in der zweiten und dritten Spalte sind Annahmen für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe — setz deine eigenen Zahlen ein. Belegt und für alle gleich ist nur der Wert je Kilowattstunde.

Massnahmeverschobene Menge je TagTage im Jahrverschobene kWhWert bei 21,7 Rp.
Warmwasserladung in die Mittagsstunden legen4 kWh Strom2501’000217 Fr.
Heizbetrieb in die Tagesstunden anheben (Übergangszeit)6 kWh Strom120720156 Fr.
Waschmaschine, Tumbler und Geschirrspüler auf Mittag stellen1,5 kWh30045098 Fr.
Elektroauto tagsüber statt abends laden8 kWh1501’200260 Fr.
Zusammen3’370 kWh731 Fr. im Jahr

Der Reihe nach, mit dem, was tatsächlich dahintersteckt:

Das Warmwasser ist der einfachste Fall. Die Planungsgrundlagen von EnergieSchweiz und Swissolar halten fest, dass die Warmwassererwärmung im Sommer zu hundert Prozent aus Solarstrom erfolgen kann. Ein Warmwasser- oder Pufferspeicher in normaler Grösse fasst 10 bis 20 Kilowattstunden thermisch — und verursacht dabei «keine zusätzlichen Investitionskosten», weil er ohnehin dasteht.

Die Gebäudemasse ist der grösste Speicher im Haus. Dieselbe Quelle: Bei einem Massivbau mit hohem Beton- oder Steinanteil lassen sich bis zu 60 Kilowattstunden thermischer Energie speichern, wenn die Speichermasse um 3 °C ansteigt; allgemein rund 20 Kilowattstunden je Grad Temperaturerhöhung. Auch das kostet nichts. In der Fachsprache heisst die Massnahme Taganhebung — der Heizbetrieb wandert in die Sonnenstunden statt in die Nacht.

Haushaltgeräte bringen wenig, aber sofort. Sie sind der einzige Posten, den du ohne jede Technik verschiebst.

Die Ladestation ist der grösste Einzelhebel, sofern das Fahrzeug tagsüber am Haus steht. Steht es das nicht, bringt sie nichts — und eine Anlage, die auf ein abends ladendes Auto ausgelegt wurde, ist zu gross gebaut.

Wie viel eine Steuerung wirklich bringt

Hier liegt der Unterschied zwischen einer Zeitschaltuhr und einem Energiemanagement.

Die Planungsgrundlagen von EnergieSchweiz berichten aus einem Forschungsprojekt und mehr als 50 Installationen zwischen 2016 und 2021: Mit intelligenten Optimierungen «konnten die solaren Deckungsgrade der Wärmepumpen ca. verdoppelt werden». Die vorausgesagte Verdoppelung «unter Einbezug der thermischen Masse des Gebäudes konnte in realen Installationen ohne Komfortverluste realisiert werden». Mit der einfachen SG-Ready-Schnittstelle stiegen die Deckungsgrade ebenfalls, «aber es war zwingend eine Nachjustierung der Parameter notwendig».

⛔ Eine Warnung derselben Quelle gehört dazu, weil sie in Verkaufsgesprächen selten fällt: «Von einer einseitigen Maximierung des Eigenverbrauchsgrades ist dringend abzuraten, da sonst ineffiziente Systeme resultieren. So macht es beispielsweise keinen Sinn, den überschüssigen Strom in einem Elektroeinsatz auf ineffiziente Weise zu verbrauchen.» Der Eigenverbrauchsgrad steigt dann zwar, die Jahresarbeitszahl sinkt — und die Rechnung wird schlechter, nicht besser. Wie stark die Vorlauftemperatur auf die Jahresarbeitszahl wirkt, steht in unserem Artikel zum Senken der Vorlauftemperatur.

Wann sich ein Speicher rechnet

Die Frage wird meistens als Batteriefrage gestellt und ist eigentlich eine Speicherfrage.

Thermische Speicher gewinnen. Warmwasser- und Pufferspeicher lassen sich «beliebig oft geladen und entladen werden ohne Einfluss auf deren Lebensdauer», die Gebäudemasse erst recht. Beide sind bereits bezahlt.

Elektrische Speicher verlieren derzeit. Die Planungsgrundlagen sind deutlich: «Diese sind mit zusätzlichen Investitionskosten verbunden und haben eine begrenzte Lebensdauer. Die Wirtschaftlichkeit ist bei heutigen Stromtarifen noch nicht gegeben und die Ökobilanz ist schlechter als bei thermischen Speichern.» Dazu kommt die strukturelle Grenze: «Die Batteriespeicher dienen zur kurzfristigen Pufferung über den Tagesverlauf bei vorhandenem Überschuss, der Netzbezug im Winter kann damit nicht wesentlich reduziert werden.» Wer im Dezember unabhängiger werden will, löst das nicht mit einer Batterie.

Das Elektrofahrzeug ist der Sonderfall. Sein Speicher ist bereits verbaut, «heute sind hohe Speicherkapazität bis 80 kWh oder mehr möglich», und die Zusatzkosten am Gebäude beschränken sich auf die Ladestation.

Welche Massnahme zuerst kommt

  1. Den eigenen Tagesverlauf ansehen. Viertelstundenwerte beim Netzbetreiber anfordern und die Fläche zwischen Produktion und Verbrauch zwischen zehn und sechzehn Uhr abschätzen. Ohne diese Zahl ist jede Massnahme geraten.
  2. Warmwasser auf Mittag legen. Zeitfenster im Wärmepumpenregler, keine Investition.
  3. Haushaltgeräte umstellen. Vorwahltaste statt Abendprogramm.
  4. Heizbetrieb anheben statt absenken. In der Übergangszeit die Gebäudemasse tagsüber laden.
  5. Wärmepumpe an die Anlage koppeln. SG-Ready oder Energiemanagement — mit der Auflage, die Parameter nach der Inbetriebnahme nachzujustieren.
  6. Ladestation nach dem realen Ladefenster planen.
  7. Batteriespeicher zuletzt — und nur, wenn die Schritte eins bis sechs ausgeschöpft sind.

Was heisst das für dich

Rechne zuerst deine eigene Differenz aus: Bezugstarif deines Netzbetreibers minus die Vergütung, die er dir tatsächlich zahlt. Diese Zahl ist der Preis, den jede verschobene Kilowattstunde wert ist, und sie liegt beim Median 2026 bei rund 21,7 Rappen. Setz sie in die Tabelle oben mit deinen eigenen Mengen ein, dann siehst du, welche Massnahme sich lohnt und welche nicht. Fang bei den Verschiebungen an, die nichts kosten — Warmwasser, Haushaltgeräte, Taganhebung —, und koppel danach die Wärmepumpe an die Anlage. Verlang beim Angebot für eine Steuerung, dass die Parameter nach der Inbetriebnahme kontrolliert und nachjustiert werden; ohne diesen Schritt bleibt die Hälfte der Wirkung liegen. Und wenn dein Dach mehr produziert, als dein Haus je verbrauchen kann, ist nicht der Speicher die Antwort, sondern die Frage, wer den Strom sonst noch brauchen könnte.

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