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Energie & Haustechnik

Heizkörper behalten oder Bodenheizung einbauen?

Was die Vorlauftemperatur über die Stromrechnung entscheidet, wie du deine Heizkörper prüfst und was der Ersatz der Wärmeabgabe wirklich kostet.

Ein alter Gussradiator an einer Holzverkleidungswand, daneben der sichtbare Verteiler und freigelegte Fussbodenheizungsrohre.

Die Offerte für die Wärmepumpe liegt vor, und darunter steht ein zweiter Posten: Ersatz sämtlicher Heizkörper. Der Installateur sagt, mit den alten Radiatoren laufe das nicht. Der Nachbar sagt, bei ihm laufe es seit vier Jahren. Beide haben recht — die Frage ist nicht, ob die Wärmepumpe mit Heizkörpern funktioniert, sondern zu welcher Vorlauftemperatur, und was diese Temperatur über zwanzig Jahre kostet.

Kurzantwort

  • Die Vorlauftemperatur entscheidet, nicht die Bauart. Ein grosser Heizkörper bei 40 Grad ist besser als eine Bodenheizung, die nie abgeglichen wurde.
  • Der Bestand liegt typischerweise bei 60 Grad, neue Flächenheizungen bei 30 bis 35 Grad — das ist die Spanne, um die es geht.
  • Bei 60 Grad Vorlauf erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe an kalten Tagen einen COP von 1,6 bis 1,8; mit einem Niedertemperatursystem steigt er laut BFE um 50 Prozent auf 2,5.
  • Vorschriften begrenzen nur Neues: Nach Art. 1.17 MuKEn 2025 gelten für neue oder ersetzte Wärmeabgabesysteme höchstens 50 Grad, bei Flächenheizungen höchstens 35 Grad.
  • Vor jedem Ersatz kommt der Test. Heizkurve schrittweise senken, kritische Räume protokollieren — erst dann weisst du, welche Heizkörper wirklich zu klein sind.

Welche Vorlauftemperatur zu welchem System passt

Das Bundesamt für Energie beschreibt die Ausgangslage in einem Fachbeitrag von September 2025 nüchtern: «Moderne, gut gedämmte Neubauten sind oft mit Fussbodenheizungen ausgestattet, die im Heizungsvorlauf mit einer Temperatur von 30 bis 35 °C auskommen. Ältere Gebäude werden hingegen in den meisten Fällen über Radiatoren beheizt, die von rund 60-grädigem Wasser durchströmt werden.»

Die physikalische Grundregel dahinter steht im selben Text: «Will man einen Raum heizen, kann man dafür einen kleinen Heizkörper mit einer hohen Temperatur verwenden oder einen grösseren Heizkörper mit einer tieferen Temperatur.» Die Wahl zwischen Heizkörper und Bodenheizung ist also in Wahrheit eine Wahl der Fläche.

Regulatorisch greift das nur beim Neubau und beim Ersatz. Art. 1.17 Abs. 1 der MuKEn 2025 lautet: «Die Vorlauftemperaturen für neue oder ersetzte Wärmeabgabesysteme dürfen bei der massgebenden Auslegetemperatur höchstens 50 °C, bei Flächenheizungen höchstens 35 °C betragen.» ⚠ Die Mustervorschriften gelten nicht direkt — verbindlich wird der Wert erst mit der Übernahme ins kantonale Energiegesetz. Ein bestehendes System, das du unangetastet lässt, ist davon ohnehin nicht betroffen.

Was die hohe Temperatur die Wärmepumpe kostet

Hier liegt die eigentliche Rechnung. Das BFE zitiert den Projektleiter der Studie EffiWag mit konkreten Zahlen: Luft-Wasser-Wärmepumpen laufen an kalten Wintertagen in Bestandsbauten mit klassischen Radiatoren, also bei Vorlauf von 60 Grad und mehr, «mit einem COP von lediglich 1.6 bis 1.8». Ein Niedertemperatursystem verbessere die Effizienz «in diesem Fall um 50%, was zu einem COP von 2.5 führt».

Über das Jahr gerechnet: Der Endenergie- und Leistungsbedarf der Wärmepumpe sinkt beim Einsatz von Niedertemperatur-Heizkörpern «um rund einen Drittel». Und die Jahresarbeitszahl lässt sich durch den Ersatz des Wärmeabgabesystems «selbst bei unsanierten Gebäuden auf einen Wert von 3.5» anheben.

Bemerkenswert ist die Reihenfolge, die aus der Studie folgt: Wird zusätzlich zum Ersatz der Wärmeabgabe eine Teilsanierung realisiert, bringt das «in Bezug auf die Endenergie kaum einen Zusatznutzen, verursacht jedoch Mehrkosten». Erst eine Vollsanierung einschliesslich Fassade senkt den Endenergieverbrauch nochmals markant. Wer also zwischen neuen Fenstern und einer besseren Wärmeabgabe wählen muss, hat mit der Wärmeabgabe den grösseren Hebel auf die Stromrechnung.

Wie du prüfst, ob deine Heizkörper reichen

Das lässt sich vor jeder Investition selbst messen, und zwar noch mit der alten Heizung. Den vollständigen Ablauf beschreibt der Beitrag Vorlauftemperatur senken; für die Frage «Heizkörper oder Bodenheizung» zählen daraus drei Punkte, die im Massnahmenblatt von suissetec und EnergieSchweiz festgehalten sind:

  • Bei kalter Witterung messen, etwas unter 0 Grad — nur dann sagt das Ergebnis etwas über den Auslegefall.
  • Kritische Räume vorher benennen. Das Merkblatt nennt sie ausdrücklich: «Aussen- und Nordseiten, das oberste Geschoss und Ecklagen.» Diese Räume entscheiden über den Ersatzumfang, nicht der Durchschnitt.
  • Zwischen zwei Schritten zwei Wochen warten. Das Merkblatt verlangt, die Raumtemperatur «jeweils während zwei Wochen» zu beobachten; die Ausrüstung kostet 20 bis 30 Franken für ein Thermometer, rund 100 Franken für einen USB-Datenlogger.

Der Raum, der als erster nicht mehr warm wird, ist dein begrenzender Raum — und die Liste dieser Räume ist die Antwort auf die Frage, ob zwei Heizkörper genügen oder das ganze System weichen muss.

⚠ Bevor du aus diesem Test einen Ersatzentscheid ableitest, muss die Anlage abgeglichen sein. Ein Raum, der nur deshalb kalt bleibt, weil er zu wenig Wasser bekommt, sieht im Protokoll aus wie ein zu kleiner Heizkörper. Was dabei einzustellen ist und wie du die Position in der Offerte verlangst, steht im Beitrag zum hydraulischen Abgleich.

Drei Wege im Vergleich

Für Einfamilienhäuser gibt es in der Schweiz keine amtlich publizierte Kostenreihe für den Ersatz der Wärmeabgabe, und wir erfinden hier keine. Belegt ist ein durchgerechnetes Objekt aus der BFE-Studie: ein vierstöckiges Wohnhaus von 1926 mit acht Wohnungen im Raum Zürich. Dort wird die Ölheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt (Investition 125’000 Franken) und das bestehende Wärmeabgabesystem mit maximal 65 Grad Vorlauf durch ein Niedertemperatursystem mit maximal 40 Grad.

WegEingriffstiefeWirkung auf die EffizienzBelegte Zahlen
Heizkörper belassenkeine; nur Heizkurve und AbgleichVorlauf bleibt bei 60 Grad und mehr, COP an kalten Tagen 1,6 bis 1,8BFE-Fachbeitrag 2025
Einzelne Heizkörper ersetzen oder vergrössernHeizkörper und lokale Anschlüsse, Räume bewohnbarsenkt den begrenzenden Raum ab, Vorlauf sinkt nur so weit wie der schlechteste Raum zulässtkeine publizierte Schweizer Kostenreihe
Wärmeabgabesystem vollständig ersetzenneue Heizkörper und neue HeizverteilungEndenergie- und Leistungsbedarf rund ein Drittel tiefer, JAZ bis 3,5Objekt A: Heizkörper 77’000, Heizverteilung 58’000, zusammen 135’000 Franken

Zur Wirtschaftlichkeit dieses Objekts: Die Betriebskosten der Wärmepumpe sinken um jährlich 2’200 Franken. Über den 30-jährigen Lebenszyklus der Heizanlage erwartet das Projektteam einen Pay-back von rund 66’000 Franken aus eingesparten Stromkosten — «was der Hälfte der Kosten des neuen Wärmeabgabesystems entspricht».

⚠ Das ist ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen, kein Einfamilienhaus. Übertrag die Beträge nicht, sondern das Verhältnis: Der Ersatz der Wärmeabgabe amortisiert sich über die Lebensdauer etwa zur Hälfte und rechnet sich erst zusammen mit den Vorteilen bei Komfort und Netzbelastung.

Welche Eingriffe die Bodenheizung im Bestand verlangt

Das BFE nennt die Hürden präzise. Der Einbau grossflächiger Heizkörper «kann am fehlenden Platz scheitern», und der Einbau von Fussbodenheizungen ist «im bewohnten Zustand kaum möglich». Dazu kommt ein Punkt, den Offerten regelmässig unterschlagen: Oft müssen «auch die Heizverteilleitungen ersetzt werden, um die grösseren Durchflussmengen infolge der tieferen Vorlauftemperaturen zu bewältigen». Und bei bestehenden Erdwärmesonden kann die Umstellung zu einer Unterkühlung der Sonde führen, weil die effizientere Wärmepumpe dem Erdreich mehr Energie entzieht — dagegen braucht es Zusatzmassnahmen wie Regeneration oder zusätzliche Sonden.

Auch im Betrieb hat die Bodenheizung Eigenheiten, die suissetec offen benennt. Bei den maximal möglichen 35 Grad Vorlauf ist der Boden «nicht spürbar warm, insbesondere in der Übergangszeit»; die Wärmeabgabeleistung ist «bei Räumen mit kleinen Grundflächen und grossen Aussenflächen» begrenzt, sodass unter Umständen ein zusätzliches Wärmeabgabesystem nötig wird. Und bei Anlagen ohne Einzelraumregelung — nach Art. 1.17 Abs. 6 MuKEn 2025 zulässig bei trägen Flächenheizungen mit höchstens 30 Grad Vorlauf — ist die individuelle Einstellung der Raumtemperatur schwierig.

Welche Zwischenlösungen es gibt

Zwischen «alles behalten» und «alles ersetzen» liegen drei Wege, die das BFE als marktverfügbar beschreibt: Heizkörper mit besonders grosser Fläche, Heizkörper mit Gebläse, die die Wärmeverteilung über Konvektion unterstützen, und Flächenheizungen als Wand- oder Deckenheizung. Wand- und Deckenheizungen umgehen dabei genau das Problem, an dem die Bodenheizung im Bestand scheitert — den Bodenaufbau im bewohnten Haus.

Praktisch heisst das für die meisten Häuser: erst abgleichen und die Heizkurve absenken, dann die zwei oder drei Räume ersetzen, die den Vorlauf hochhalten, und die Vollsanierung der Wärmeabgabe nur planen, wenn ohnehin Böden heraus müssen.

Was heisst das für dich

Miss zuerst, bevor du kaufst: Senk die Heizkurve über zwei kalte Wochen schrittweise ab und schreib auf, welcher Raum zuerst nicht mehr warm wird. Verlang danach von jedem Anbieter, dass er die geplante Auslegevorlauftemperatur in die Offerte schreibt — dieser eine Wert bestimmt deine Stromrechnung über die nächsten zwanzig Jahre stärker als das Fabrikat. Lass dir die Position «Ersatz Heizverteilleitungen» ausdrücklich bestätigen oder ausschliessen, denn sie ist der häufigste Nachtrag bei diesem Umbau. Und wenn nur zwei Zimmer zu kalt werden, ersetz zwei Heizkörper und nicht das ganze Haus.

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