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Energie & Haustechnik

Der hydraulische Abgleich: die Position, die in Offerten fehlt

Warum einzelne Räume kalt bleiben, weshalb eine stärkere Pumpe nichts bringt und mit welchem Satz du den Abgleich in der Offerte einzeln verlangst.

Ein Heizkreisverteiler mit drei angeschraubten Durchflussmessern, zwei Abgleichsventilen und einem Schraubenschlüssel auf der Schiene.

Das Schlafzimmer im Obergeschoss wird nicht warm, im Wohnzimmer darunter pfeift das Ventil. Der Heizungsmonteur schlägt eine stärkere Pumpe vor statt eines hydraulischen Abgleichs. Die kostet 1’800 Franken, macht das Pfeifen lauter und das Schlafzimmer kaum wärmer — die Ursache liegt nicht bei der Pumpe, sondern bei der Verteilung. Für dieses Problem gibt es in der Schweiz eine Norm, ein Verbandsmerkblatt und einen Ausschreibungstext. Nur steht die Position fast nie in der Offerte.

Kurzantwort

  • Der hydraulische Abgleich ist das Einregulieren der Anlage anhand der Berechnungsdaten des Planers — jeder Heizkreis bekommt die Wassermenge, für die er ausgelegt wurde.
  • Die Norm verlangt ihn. Nach SIA 384/1 müssen die Volumenströme und Druckverluste berechnet werden, und «um sicherzustellen, dass jeder Verbraucher den benötigten Volumenstrom erhält, sind Abgleicheinrichtungen erforderlich».
  • Mehr Pumpe hilft nicht. Wer den Volumenstrom in einer Fussbodenheizung verdoppelt, gewinnt 6 Prozent Mehrleistung und 1 Kelvin Raumtemperatur — und zahlt dafür mit Strom und Geräusch.
  • Fehleinstellungen kosten bis zu 15 Prozent Mehrverbrauch, weil die Temperaturspreizung zwischen Vor- und Rücklauf schrumpft und der Erzeuger schlechter arbeitet.
  • Verlang die Position einzeln. suissetec schreibt vor, dass der Aufwand in allen Angeboten und Werkverträgen ausdrücklich zu beschreiben und zu beziffern ist.

Was beim hydraulischen Abgleich eingestellt wird

suissetec definiert ihn im Merkblatt 8/2020 nüchtern: «Unter dem hydraulischen Abgleich versteht man das Einregulieren der Anlage anhand der Berechnungsdaten des Anlageplaners. Wird die Anlage nicht einreguliert, so erhalten hydraulisch günstig gelegene Wärmebezüger eine überhöhte Wassermenge und alle anderen (z. B. Heizkörper) werden entsprechend mit weniger Heizungswasser versorgt.»

Der Ort der Einstellung sind die Ventile: Voreinstellung an den Heizkörper-Thermostatventilen, Voreinstellung an den Strangregulierventilen, an Fussboden-Heizkreisverteilern die Einstellung der Wassermenge in Litern pro Minute. Die Werte kommen nicht aus dem Gefühl, sondern aus der Rohrnetzberechnung — sie «müssen bei jeder neuen Anlage in den Planunterlagen vorhanden sein». Der Abgleich beginnt, wie es im Merkblatt heisst, «schon am Schreibtisch und endet auf der Anlage».

Ein Detail, das viele Anlagen betrifft: Das Thermostatventil darf nicht einfach auf die voll geöffnete Position gestellt werden. Es braucht einen angemessenen Druckverlust, um überhaupt regeln zu können. Und die obere Temperaturbegrenzung am Thermostaten — etwa Position 3 für rund 20 Grad — gehört ebenfalls eingestellt, «da ansonsten der Einbau der Thermostatventile, bzw. deren Funktion, infrage gestellt wird».

⚠ Das Merkblatt gilt seinem Titel nach für neue Heizungsanlagen. Die Physik dahinter ist im Bestand dieselbe, aber die Berechnungsdaten fehlen dort oft — bei einer Altanlage geht dem Abgleich deshalb eine Aufnahme der Heizkörper und eine neue Rohrnetzberechnung voraus. Das ist der Grund, weshalb der Abgleich im Bestand mehr kostet als im Neubau.

Woran du erkennst, dass er fehlt

Befund im HausWas hydraulisch passiertWas der falsche Reflex ist
Strömungs- und Pfeifgeräusche in den Ventilenhydraulisch günstig gelegene Heizkörper erhalten eine überhöhte WassermengeVentil weiter aufdrehen
Entfernte Räume werden nicht warm, obwohl das Ventil offen istungünstig gelegene Heizkörper erhalten zu wenig Wasserstärkere Umwälzpumpe
Nach dem Pumpentausch pfeift es lauter, das kalte Zimmer bleibt kühlmehr Wasser landet dort, wo ohnehin zu viel ankamHeizkurve anheben
Nach dem Anheben der Heizkurve sind die überversorgten Räume zu warmalle Heizkörper geben mehr ab, die Verteilverluste steigenFenster kippen
Wärmepumpe taktet, Rücklauf ist warmÜberversorgung führt zu hohen Rücklauftemperaturen und verschlechtert die Effizienz der WärmeerzeugungPufferspeicher nachrüsten
Fussbodenheizung: einzelne Kreise deutlich wärmer als andereWassermengen an den Heizkreisen nie eingestelltVorlauftemperatur erhöhen

Das Merkblatt beziffert, weshalb die üblichen Reflexe scheitern. Wird der Volumenstrom in einer Fussbodenheizung um 50 Prozent unter den Sollwert gedrosselt, steht immer noch 85 Prozent der Wärmeleistung zur Verfügung; bei einer Verdoppelung des Volumenstroms erhöht sich die Mehrleistung um lediglich 6 Prozent. Auf die Raumtemperatur bezogen: Eine Reduktion um 45 Prozent unter den Sollwert bewirkt 1,5 Kelvin weniger, eine Verdoppelung 1 Kelvin mehr. Der Wasserdurchsatz ist also ein sehr stumpfes Werkzeug — und deshalb bringt die stärkere Pumpe nichts.

Was sie dagegen kostet, steht ebenfalls dort: Einstellungsveränderungen an Regelgerät oder Umwälzpumpe führen «im Endeffekt … zu einem Energiemehrverbrauch um bis zu 15 % durch eine falsche Pumpeneinstellung und die Effizienzverschlechterung am Erzeuger (reduzierte Temperaturspreizung Vor-/Rücklauf)».

Wie viel er einspart

Für den Abgleich allein gibt es in der Schweiz keine amtlich publizierte Einsparzahl, und wir schreiben hier keine hin. Belegt ist die grössere Klammer: EnergieSchweiz beziffert die energetische Betriebsoptimierung — Analyse und Anpassung der Anlageneinstellungen — mit «10 bis 15 % der Energiekosten» ohne Investitionskosten oder Komfortverlust, und hält fest, dass sich die umgesetzten Massnahmen «in der Regel in weniger als zwei Jahren» auszahlen. Der hydraulische Abgleich ist der grösste einzelne Posten in diesem Paket, weil er auf die Rücklauftemperatur wirkt und damit auf die Arbeitszahl der Wärmepumpe oder den Brennwertnutzen des Kessels.

Eine Pflicht dazu hast du nicht. Die MuKEn 2025, von der Energiedirektorenkonferenz am 29. August 2025 verabschiedet, führen in Modul 7 zwar Vorschriften zur Betriebsoptimierung ein — aber ausdrücklich für bestehende Gebäude «ausgenommen sind Wohnbauten», und betroffen sind Betriebsstätten ab 200’000 kWh Elektrizitätsverbrauch, mit einer Wiederholung alle fünf Jahre und einer Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren. Für dein Haus ist der Abgleich also eine Rechnung, keine Auflage.

Was du nach dem Abgleich in der Hand haben musst

Das ist der Teil, den man vorher vereinbaren muss, weil er sich nachher nicht mehr nachholen lässt. suissetec verlangt: Die Einstellwerte «müssen vom Heizungsinstallateur eingestellt und protokolliert werden. Das Protokoll muss vom Unternehmer und der Bauherrschaft bzw. deren Vertreter unterschrieben werden.»

Deine Abnahmedokumentation besteht aus:

  • dem Protokoll je Heizkreis mit Verteiler-Nummer, Raum-Nummer, Bezeichnung, Soll-Wert und Ist-Wert in Litern pro Minute sowie Bemerkungen,
  • der Bestätigung, dass die Voreinstellungen gemäss Rohrnetzberechnung erfolgt sind — im suissetec-Formular ein Ankreuzfeld «Ja / Nein»,
  • den Unterschriften beider Seiten mit Ort und Datum,
  • den dauerhaft markierten Voreinstellungen: An Heizkreisverteilern, Strangregulierventilen, Differenzdruck- und Durchflussreglern sollen die protokollierten Werte dauerhaft vermerkt werden, etwa mit wasserfesten Stiften; bei Strangregulierventilen sind Einstellung und Volumenstrom auf einem Bezeichnungsschild festzuhalten.

Ein Hinweis für die spätere Wartung: Der Abgleich soll nicht an der absperrbaren Rücklaufverschraubung am Heizkörper vorgenommen werden, weil dort die Markierung fehlt — ist sie einmal verstellt, ist der ursprüngliche Wert nicht mehr erkennbar.

Wie du die Position in der Offerte einzeln verlangst

suissetec schreibt es dem Gewerbe vor: «Der Aufwand für den hydraulischen Abgleich ist in allen Angeboten, Ausschreibungen, Bestellungen und Werkverträgen explizit zu beschreiben und mit den zugehörigen Kosten einzufügen.» Das Merkblatt liefert dafür den Ausschreibungstext gleich mit. Du kannst ihn wörtlich in deine Anfrage kopieren:

R 910.1 — Hydraulischer Abgleich der Heizkreise sowie korrekte Einstellung der Pumpenförderhöhe gemäss Rohrnetzberechnung von … (Unternehmer oder Planer). ____ CHF

Ergänz zwei Sätze: dass die Rohrnetzberechnung, auf die sich der Abgleich stützt, mit der Offerte zu benennen ist, und dass das unterzeichnete Protokoll Bestandteil der Abnahme ist. Damit hast du den Abgleich aus dem Bereich der guten Absichten in den Werkvertrag geholt — und können bei zwei Offerten erstmals denselben Leistungsumfang vergleichen.

Was heisst das für dich

Nimm den Ausschreibungstext R 910.1 in jede Heizungsanfrage auf, auch wenn du nur den Wärmeerzeuger ersetzt — beim Systemwechsel auf eine Wärmepumpe entscheidet die Rücklauftemperatur über die Betriebskosten der nächsten zwanzig Jahre. Verlang die Rohrnetzberechnung als Beilage, nicht als Zusage. Und wenn du heute schon Pfeifen und kalte Zimmer hast: Bestell den Abgleich als eigenständigen Auftrag, bevor du eine Pumpe, einen Puffer oder eine höhere Heizkurve kaufst. Diese drei Wege kosten Geld und beheben die Ursache nicht.

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