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Energie & Haustechnik

Lohnt sich ein Batteriespeicher für dein Haus?

Was eine gespeicherte Kilowattstunde kostet, warum die Zyklenzahl aus dem Prospekt nie erreicht wird und wo du deinen eigenen Rückliefertarif nachschlägst.

Eine wandmontierte 10 kWh Heim‑Batterie, ihr Wechselrichter und zum Dach führende Kabelkanäle.

Die Offerte für die Photovoltaikanlage liegt vor, und darunter steht eine zweite Zahl: 9’800 Franken Aufpreis für einen Speicher mit 10 Kilowattstunden. Der Verkäufer rechnet mit 6’000 Ladezyklen. Ob sich ein Batteriespeicher lohnt, entscheidet sich genau an dieser Zahl — und daran, wie viele dieser Zyklen in deinem Haus überhaupt zusammenkommen. Diese zweite Rechnung steht in keiner Offerte.

Kurzantwort

  • Die Kostenrechnung ist einfach: Investition geteilt durch die Kilowattstunden, die der Speicher über seine Lebensdauer bewegt.
  • Swissolar rechnet mit 14,5 Rappen je gespeicherter Kilowattstunde — bei 7’700 Franken für 10 kWh, 6’000 Zyklen, 90 Prozent Entladetiefe und 98 Prozent Wirkungsgrad.
  • Diese 6’000 Zyklen erreichst du im Einfamilienhaus nicht. Bei realistischem Durchsatz sind es rund 180 Vollzyklen im Jahr — die Batterie altert vorher am Kalender, nicht an den Zyklen.
  • Der Ertrag ist die Differenz zwischen Bezugs- und Rückliefertarif. Der Bezug liegt im Median bei 27,7 Rappen, die gesetzliche Minimalvergütung bei 6 Rappen. Was dein Werk zahlt, liegt dazwischen und ist bei rund 590 Netzbetreibern jedes Mal anders.
  • Der Speicher rechnet sich dort, wo viel durchläuft: Wärmepumpe, Elektroauto, hoher Abendverbrauch — und wo der Rückliefertarif tief ist.

Welche Grösse zu welchem Verbrauch passt

Bevor gerechnet wird, muss die Kapazität stehen, denn sie bestimmt beide Seiten der Rechnung. Swissolar nennt eine Voraussetzung und zwei Faustregeln. Die Voraussetzung: Ein Speicher ist erst sinnvoll, wenn genug Überschuss anfällt, also bei mindestens 0,5 kW Photovoltaikleistung je 1’000 kWh Jahresstromverbrauch.

  • Faustregel über die Produktion: Der Speicher soll ein bis zwei Stunden Nennleistung der Anlage oder ein Tausendstel der Jahresproduktion aufnehmen können.
  • Faustregel über den Bedarf: Er soll einen halben Tagesverbrauch oder ein Tausendstel des Jahresbedarfs speichern können.
  • Obergrenze: Die nutzbare Kapazität soll 1,5 kWh je kW Photovoltaikleistung nicht überschreiten. Der kleinere Wert aus den beiden Faustregeln ist die sinnvolle Grösse.

Die Praxis geht in die andere Richtung: Die durchschnittliche Speichergrösse in der Schweiz stieg von 8,8 kWh im Jahr 2017 auf 13,5 kWh im Jahr 2023. 2023 wurden rund 42 Prozent der neu installierten Anlagen in Einfamilienhäusern mit einem Speicher kombiniert.

Wie viele Kilowattstunden der Speicher über die Lebensdauer bewegt

Das ist die Rechnung, um die es geht, und sie lässt sich mit vier Zahlen aus dem Datenblatt fahren. Swissolar führt sie im Bericht 2025 exemplarisch vor: Bei einem Anschaffungspreis von 6’400 Franken und Einbaukosten von 1’300 Franken für eine Batterie mit 10 kWh Speicherkapazität, 6’000 Ladezyklen, einer Entladetiefe von 90 Prozent und einem Wirkungsgrad von 98 Prozent kostet eine gespeicherte Kilowattstunde 14,5 Rappen.

RechenschrittWert
Investition inklusive Einbau7’700 Fr.
Nennkapazität10 kWh
Nutzbare Kapazität je Zyklus (90 Prozent Entladetiefe)9,0 kWh
Garantierte Vollzyklen6’000
Durchsatz brutto54’000 kWh
Durchsatz nach Wirkungsgrad (98 Prozent)52’920 kWh
Kosten je gespeicherte Kilowattstunde14,5 Rp.

⚠ Und jetzt die Zahl, die in der Offerte fehlt: Wie viele dieser 6’000 Zyklen laufen in deinem Haus tatsächlich durch? Eine Befragung unter Swissolar-Mitgliedern ergab für Anlagen ohne Speicher eine durchschnittliche Eigenverbrauchsquote von 30 Prozent, mit Speicher rund 50 Prozent. Der Speicher holt also etwa ein Fünftel der Jahresproduktion zusätzlich in den Eigenverbrauch.

Als Rechenvariante eine Anlage, die 8’000 kWh im Jahr produziert: Ein Fünftel davon sind 1’600 kWh, die durch die Batterie laufen. Bei 9,0 kWh nutzbarer Kapazität sind das 178 Vollzyklen im Jahr. Um 6’000 Zyklen zu erreichen, bräuchte diese Batterie 34 Jahre. So lange lebt sie nicht.

Was eine gespeicherte Kilowattstunde tatsächlich kostet

Die ehrliche Rechnung setzt deshalb nicht die Zyklenzahl aus dem Prospekt ein, sondern die Jahre, für die dir jemand geradesteht — und den Durchsatz, den du wirklich hast.

NutzungsdauerDurchsatz bei 1’600 kWh je JahrKosten je gespeicherte kWh bei 7’700 Fr.bei 4’000 Fr.
10 Jahre16’000 kWh48 Rp.25 Rp.
15 Jahre24’000 kWh32 Rp.17 Rp.
20 Jahre32’000 kWh24 Rp.13 Rp.

Die 4’000 Franken in der rechten Spalte sind kein Wunschdenken: Die meisten von Swissolar befragten Fachbetriebe halten 300 bis 600 Franken je Kilowattstunde für wirtschaftlich sinnvoll, während der durchschnittliche Endkundenpreis im Dezember 2024 bei rund 800 Franken lag. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt der ganze Unterschied zwischen einer Anlage, die aufgeht, und einer, die nicht aufgeht.

Wann sich ein Batteriespeicher rechnet: der Wert einer gespeicherten Kilowattstunde

Der Ertrag ist die Differenz zwischen dem, was du für Strom bezahlst, und dem, was du für eingespeisten Strom bekämst. Beide Enden sind belegbar.

Oben: Für 2026 zahlt ein typischer Haushalt mit 4’500 kWh Jahresverbrauch nach der ElCom-Erhebung im Median 27,7 Rappen je Kilowattstunde. Die ElCom weist ausdrücklich darauf hin, dass die Tarife innerhalb der Schweiz zwischen den Netzbetreibern zum Teil erheblich variieren.

Unten: Seit dem 1. Januar 2026 richtet sich die Vergütung für Elektrizität aus erneuerbaren Energien nach Art. 15 Abs. 1bis des Energiegesetzes «nach dem vierteljährlich gemittelten Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung». Für Anlagen unter 150 kW legt der Bundesrat Minimalvergütungen fest, die sich «an der Amortisation von Referenzanlagen über ihre Lebensdauer» orientieren. Art. 12 Abs. 1bis der Energieverordnung beziffert sie: 6 Rappen je Kilowattstunde für sämtliche Photovoltaikanlagen unter 30 kW.

⛔ Das ist der Boden, nicht der Preis. Was dein Werk zahlt, legt es selbst fest, und rund 590 Netzbetreiber tun das unterschiedlich. Eine schweizweite Durchschnittsrendite für Batteriespeicher gibt es deshalb nicht — wer dir eine nennt, hat sie erfunden. Deinen eigenen Tarif findest du auf pvtarif.ch, der von VESE mit Unterstützung von EnergieSchweiz geführten Erhebung, die die Abnahmevergütungen aller Werke jährlich erhebt und vergleicht.

Dein RückliefertarifWert einer gespeicherten kWh bei 27,7 Rp. BezugLohnt sich der Speicher zu 7’700 Fr. über 15 Jahre (32 Rp.)?zu 4’000 Fr. über 15 Jahre (17 Rp.)?
6 Rp. (gesetzliches Minimum)21,7 Rp.⛔ nein✅ ja
10 Rp.17,7 Rp.⛔ neinknapp
14 Rp.13,7 Rp.⛔ nein⛔ nein
18 Rp.9,7 Rp.⛔ nein⛔ nein

Die Tabelle sagt zwei Dinge. Erstens: Je grosszügiger dein Werk einspeisenden Strom vergütet, desto weniger lohnt sich der Speicher — das ist kontraintuitiv und trotzdem richtig, weil der Speicher nur die Differenz verdient. Zweitens: Der Preis der Anlage entscheidet mehr als alles andere. Zwei Offerten mit demselben Gerät und 3’000 Franken Unterschied kippen das Ergebnis.

Was Notstromfähigkeit zusätzlich kostet

Für knapp 30 Prozent der Käuferschaft ist die Notstromversorgung laut Swissolar oft oder fast immer ein relevantes Kaufmotiv, und 18 Prozent der befragten Fachbetriebe bieten ausschliesslich Speicher mit Notstromfunktion an. Einen publizierten Schweizer Aufpreis für diese Funktion gibt es nicht — verlang die Position deshalb einzeln in der Offerte, zusammen mit zwei Antworten: Schaltet die Anlage bei einem Netzausfall automatisch um, und welche Stromkreise versorgt sie danach? Eine Notstromfunktion, die nur eine Steckdose im Keller speist, ist etwas anderes als eine, die das Haus weiterlaufen lässt.

Was du dabei nicht rechnen solltest: Notstrom als Teil der Wirtschaftlichkeit. Er ist ein Komfort- und Sicherheitsargument, kein Ertragsposten.

Welche Alternativen denselben Effekt haben

Bevor 8’000 Franken in eine Batterie gehen, lohnt sich der Blick auf die Verbraucher, die ohnehin im Haus stehen und Energie zeitlich verschieben können:

  • Der Warmwasserspeicher. Ein Boiler, der mittags aufheizt, speichert Solarstrom als Wärme — zu einem Bruchteil der Kosten je Kilowattstunde und ohne Alterung durch Zyklen.
  • Die Wärmepumpe. Sie ist der grösste steuerbare Verbraucher im Haus. Vorziehen des Heizbetriebs in die Mittagsstunden hebt den Eigenverbrauch, ohne dass eine einzige Zelle gekauft wird.
  • Das Elektroauto. Wer tagsüber zu Hause lädt, nutzt eine Batterie, die bereits bezahlt ist.
  • Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch. Nach Art. 17 EnG können sich mehrere Grundeigentümer am Ort der Produktion zum gemeinsamen Eigenverbrauch zusammenschliessen — mehr Verbraucher unter derselben Anlage heben den Eigenverbrauch stärker als jeder Speicher.
  • Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft. Seit dem 1. Januar 2026 erlauben Art. 17d und 17e StromVG, selbst erzeugte Elektrizität über das Verteilnetz innerhalb einer Gemeinschaft im gleichen Netzgebiet abzusetzen, mit einem Abschlag auf dem Netznutzungstarif von maximal 60 Prozent. Voraussetzung sind örtliche Nähe, intelligente Messsysteme bei allen Teilnehmern und eine vom Bundesrat festgelegte Mindestgrösse an Erzeugung.

Was heisst das für dich

Rechne, bevor du bestellst, und rechne mit deinen eigenen zwei Zahlen: dem Rückliefertarif deines Werks von pvtarif.ch und dem Preis je Kilowattstunde Speicherkapazität aus der Offerte. Liegt der Preis bei 800 Franken je Kilowattstunde und dein Rückliefertarif über 10 Rappen, geht die Rechnung im Einfamilienhaus nicht auf. Verlang vom Anbieter nicht die Zyklenzahl, sondern den garantierten Energiedurchsatz in Kilowattstunden und die Garantiedauer in Jahren — das sind die beiden Grössen, durch die du teilst. Und wenn der Speicher heute nicht aufgeht: Die Photovoltaikanlage geht trotzdem auf, und ein Speicher lässt sich später nachrüsten, wenn eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto dazukommt und der Durchsatz steigt.

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