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Energie & Haustechnik

Heizkosten senken, ohne etwas zu investieren

Welche Einstellungen an der Heizung sofort wirken, wie viel jedes Grad Raumtemperatur ausmacht und welche verbreiteten Spartipps kaum etwas bringen.

Ein digitaler Heizungsregler mit Heizkurvenanzeige auf einem Regal beim Kessel, mit sichtbaren Steuerleitungen zum Kessel.

Der Winter steht vor der Tür, die letzte Abrechnung war unangenehm, und für eine Sanierung ist kein Geld da. Die gute Nachricht: Der grösste Teil dessen, was ein Einfamilienhaus zu viel verbraucht, steckt nicht in der Bausubstanz, sondern in Einstellungen. Heizkosten senken heisst deshalb zuerst: in den Keller gehen, nicht in den Baumarkt.

Kurzantwort

  • Einstellungen zuerst. EnergieSchweiz beziffert die energetische Betriebsoptimierung mit 10 bis 15 Prozent der Energiekosten — «ohne Investitionskosten oder Komfortverlust».
  • Die Heizkurve ist der grösste einzelne Posten unter den Einstellungen: vier bis sechs Prozent laut dem Massnahmenblatt von suissetec und EnergieSchweiz.
  • Jedes Grad Raumtemperatur kostet sechs bis zehn Prozent. Richtwerte: 23 Grad im Bad, 20 im Wohnbereich, 17 in Schlafräumen und Fluren.
  • Nie über das Fenster regulieren. Dreimal täglich fünf bis zehn Minuten querlüften statt Kippstellung.
  • Nachts die Fensterläden schliessen und bei offenem Schlafzimmerfenster das Ventil auf Frostschutzstellung drehen.

Welche Einstellungen die Heizkosten sofort senken

Die Heizkurve beschreibt den Zusammenhang zwischen Aussentemperatur und Vorlauftemperatur. Steht sie zu hoch, produziert die Anlage bei jedem Wetter mehr Wärme als nötig, und die Thermostatventile drosseln den Überschuss weg — teuer und unbemerkt. Das Massnahmenblatt von suissetec und EnergieSchweiz ist eindeutig: «Die richtige Einstellung der Heizkurve bewirkt Einsparungen von vier bis sechs Prozent.»

Das Vorgehen dauert zwei Wochen und kostet nichts ausser Aufmerksamkeit:

  1. Bei kalter Witterung beginnen, etwas unter 0 Grad, und die Massnahme später bei etwas über 10 Grad wiederholen.
  2. Soll-Raumtemperatur festlegen und die schwierigen Räume bestimmen — Aussen- und Nordseiten, oberstes Geschoss, Ecklagen.
  3. Heizkurve während der Heizperiode um 3 Grad senken.
  4. Heizgrenze während der Übergangszeit um 1 Grad senken.
  5. Zwei Wochen beobachten, dann wiederholen, bis die Raumtemperatur nicht mehr erreicht wird, und den letzten Schritt zurücknehmen.
  6. Alte und neue Sollwerte im Logbuch festhalten.

Zwei Kontrollen aus demselben Merkblatt lohnen sich vorher: ob die Aussentemperatur-Anzeige der Steuerung stimmt — «oft wird eine falsche Temperatur angezeigt (defekter Aussenfühler oder Sonneneinstrahlung)» — und ob die eingestellte Uhrzeit korrekt ist. Beides verstellt die Regelung dauerhaft, ohne dass jemand es merkt.

Bei längerer Abwesenheit gehört das Ferienprogramm dazu. EnergieSchweiz empfiehlt, es rund eine Stunde vor der Abreise zu aktivieren; hat die Anlage keines, tut es der Reduzierbetrieb. Schon «bei einer Abwesenheit von nur ein bis zwei Tagen» lohnt sich der Sparbetrieb.

Wie viel jedes Grad Raumtemperatur ausmacht

Die Zahl steht unverändert auf beiden EnergieSchweiz-Seiten: «Mit jedem Grad Raumtemperatur erhöhen sich die Heizkosten um 6-10 %.» Das ist der stärkste Hebel, den du ohne Werkzeug hast — und der einzige, der wirklich am Komfort kratzt, wenn man es übertreibt.

Die Richtwerte je Raum, mit den Positionen am Thermostatventil:

RaumRichtwertPosition am Thermostatventil
Badezimmer23 Grad4
Wohn- und Aufenthaltsräume20 Grad3
Schlafräume, Flur17 Grad2
wenig genutzte RäumetieferStern

EnergieSchweiz stellt der Tabelle einen wichtigen Satz voran: «Die genannten Temperaturen sind Richtgrössen. Eine ‹korrekte› Raumtemperatur gibt es nicht. Die Behaglichkeit ist individuell.» Der Wert ist also ein Ausgangspunkt zum Ausprobieren, keine Vorschrift.

Die Massnahmen nach belegter Wirkung

MassnahmeAufwandKostenBelegte Wirkung
Raumtemperatur je Raum bedarfsgerecht einstellen15 Minutenkeine6 bis 10 Prozent je Grad (EnergieSchweiz)
Heizkurve und Heizgrenze korrekt einstellenrund ein Arbeitstag, verteilt auf zwei WochenThermometer 20 bis 30 Franken, USB-Datenlogger rund 100 Franken4 bis 6 Prozent (suissetec und EnergieSchweiz)
Gesamte energetische Betriebsoptimierung der Anlagemehrere Termine, meist mit Fachpersonkeine Investition in die Anlage10 bis 15 Prozent der Energiekosten (EnergieSchweiz)
Reduzierbetrieb und Ferienprogramm nutzen10 Minutenkeinelohnt sich bereits ab ein bis zwei Tagen Abwesenheit (EnergieSchweiz)
Querlüften statt Kippfenstertäglich 3 mal 5 bis 10 MinutenkeineKippfenster verschwenden viel Energie und verbessern die Luftqualität kaum (EnergieSchweiz)
Fensterläden und Rollläden nachts schliessen5 Minuten täglichkeinemindert Wärmeverluste (EnergieSchweiz)
Heizkörper von Möbeln und Vorhängen freistelleneinmaligkeineWärme muss ungehindert zirkulieren können (EnergieSchweiz)
Cheminéeklappe schliessen, Haube herunterlassen2 Minutenkeineverhindert unnötige Wärmeverluste (EnergieSchweiz)
Heizungsrohre in unbeheizten Räumen dämmenhalber TagMaterialkostenamortisiert sich laut EnergieSchweiz in rund zwei Jahren
Thermostatventile nachrüstenHandwerkerterminInvestitionsenkt den Energieverbrauch um bis zu 20 Prozent, macht sich nach ein bis zwei Jahren bezahlt (EnergieSchweiz)

Die letzten beiden Zeilen sind streng genommen Investitionen. Sie stehen trotzdem hier, weil ihre Amortisationszeit unter der Dauer einer Heizperiode plus einer zweiten liegt — und weil ein Haus ohne Thermostatventile alle darüberliegenden Massnahmen gar nicht umsetzen kann.

Welche Räume du anders behandelst

Die Räume mit dem grössten Potenzial sind die, in denen niemand nachschaut: Gästezimmer, Réduit, Estrichtreppe, Waschraum. Dort genügt oft die Frostschutzstellung. Zwei Regeln dazu von EnergieSchweiz: Wenn du bei offenem Fenster schläfst, müssen die Ventile am Heizkörper zugedreht und die Zimmertür geschlossen sein — sonst heizt die Anlage die Nachtluft. Und die Wärme wird nie über das Öffnen der Fenster reguliert, sondern über das Ventil.

Bei trägen Flächenheizungen funktioniert das Absenken einzelner Räume schlechter. suissetec hält fest, dass die Bodentemperatur «mit einer gewissen Verzögerung auf Veränderungen der Aussentemperaturen reagiert» — was schnell geschaltet wird, kommt langsam an. Für die Wirkung einer Nachtabsenkung bei solchen Systemen gibt es keine publizierte Schweizer Zahl; belegt ist nur der umgekehrte Befund aus dem Massnahmenblatt: Bleibt die Raumtemperatur nachts trotz Absenkung hoch, steht die Heizkurve zu hoch.

Welche verbreiteten Ratschläge kaum etwas bringen

  • Fenster kippen für frische Luft. Ständig geöffnete Kippfenster verschwenden laut EnergieSchweiz viel Energie und verbessern die Luftqualität nur wenig.
  • Temperatur über das Fenster regulieren. Wer so vorgeht, könnte «das Geld genauso gut direkt zum Fenster hinauswerfen».
  • Die Heizung im Winter ganz abschalten. EnergieSchweiz empfiehlt auch bei längerer Abwesenheit den Reduzierbetrieb — «selbst bei längerer Abwesenheit wird Ihr Haus nicht zu kalt und nach einem halben Tag ist die gewünschte Temperatur wieder erreicht».
  • Eine möglichst grosse Frischluftöffnung für den Kessel. Optimal ist laut EnergieSchweiz eine Zufuhr von ein bis zwei Faustgrössen für ein Einfamilienhaus; mehr kühlt den Raum unnötig aus.
  • Die Umwälzpumpe hochdrehen, wenn Räume kalt bleiben. Das ist kein Sparen, sondern ein Symptom: Werden einzelne Heizkörper trotz offenem Ventil nicht warm, empfiehlt EnergieSchweiz den hydraulischen Abgleich und das korrekte Einstellen der Heizkurve.

Was heisst das für dich

Fang mit dem Regler an, nicht mit dem Fenster: Prüf Uhrzeit und Aussenfühler, senk die Heizkurve um 3 Grad und beobachte zwei Wochen lang. Geh danach mit einem einfachen Thermometer durch alle Räume und stell jedes Ventil auf den Wert, den du wirklich brauchst — jedes Grad zählt sechs bis zehn Prozent. Und schreib beide Zustände auf, den alten und den neuen: Ohne Protokoll weisst du im Frühling nicht mehr, welcher Eingriff gewirkt hat.

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