Was eine Smart-Home-Steuerung wirklich an Energie spart
EnergieSchweiz sagt es selbst: ein Smart Home spart nicht automatisch Energie. Welche Funktionen belegt wirken, welche nur verschieben und was sie kosten.

In der Offerte für die Elektroinstallation steht eine Position «Smart-Home-Steuerung», und im Prospekt daneben steht eine Prozentzahl. Für diese Zahl gibt es in der Schweiz keinen Beleg — und die Stelle, die es am ehesten wissen müsste, sagt etwas anderes. EnergieSchweiz schreibt auf der eigenen Seite zur Gebäudeautomation: «Ein Smart Home spart nicht automatisch Energie.»
Kurzantwort
- Es gibt keine belegte Schweizer Einsparzahl für Smart Home im Einfamilienhaus. Wir schreiben deshalb keine hin, und du solltest jede verlangen, die dir jemand vorlegt.
- Die Grössenordnungen entscheiden. 2024 gingen 65,4 Prozent des Energieverbrauchs der Schweizer Haushalte in die Raumwärme, 14,9 Prozent ins Warmwasser und 1,6 Prozent in die Beleuchtung. Wer beim Licht automatisiert, arbeitet am kleinsten Posten.
- Was belegt wirkt, sind Einstellungen, nicht Geräte. EnergieSchweiz beziffert die energetische Betriebsoptimierung — Analyse und Anpassung der Anlageneinstellungen — mit 10 bis 15 Prozent der Energiekosten, ohne Investitionskosten und ohne Komfortverlust.
- Die Steuerung verbraucht selbst Strom. Eine Untersuchung im Auftrag des BFE fand für die Raumautomation 2 bis 5 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr — allerdings in Bürobauten.
- Eine Funktion rechnet sich zuverlässig, und sie spart streng genommen nichts: die Verschiebung des Verbrauchs auf die eigene Solarproduktion. Sie tauscht Netzbezug gegen Eigenstrom, und der Nutzen ist die Preisdifferenz.
Warum die versprochenen Prozente keine Quelle haben
Die Zahlen, die in Verkaufsunterlagen zirkulieren, stammen fast durchwegs aus Rechenmodellen für Zweckbauten, nicht aus Messungen an Wohnhäusern. Sie sind nicht erfunden, aber sie beschreiben ein anderes Gebäude: eines mit mechanischer Kühlung, Grossraumbüros, unregelmässiger Belegung und einem Beleuchtungsanteil, den ein Einfamilienhaus nie erreicht.
Für Schweizer Wohnbauten fehlt eine vergleichbare Messreihe. Auch die einzige einschlägige Untersuchung im Auftrag des Bundesamts für Energie hat ausdrücklich Bürogebäude und ein Schulhaus untersucht. Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern der Grund, weshalb hier keine Prozentzahl steht.
Was du stattdessen tun kannst: die Rechnung selbst aufstellen. Dazu brauchst du nur zwei Angaben — deine Jahresverbräuche und die Anteile, in die sie zerfallen.
Wo im Haushalt die Energie tatsächlich liegt
Das BFE lässt die Verwendungszwecke jährlich modellieren. Die Werte für 2024:
| Verwendungszweck | Anteil am Endenergieverbrauch | Anteil am Stromverbrauch | was eine Steuerung dort bewirken kann |
|---|---|---|---|
| Raumwärme | 65,4 % | 26,1 % | viel — aber über Vorlauftemperatur, Abgleich und Heizkurve, nicht über die App |
| Warmwasser | 14,9 % | 14,3 % | Zeitpunkt der Ladung verschieben, Temperatur nicht unter das Legionellenregime senken |
| Kochen | unter 5 % | 11,8 % | nichts Nennenswertes |
| Unterhaltung, Information, Kommunikation | unter 5 % | 8,1 % | Standby abschalten, in kleinem Rahmen |
| Beleuchtung | 1,6 % | 4,8 % | Rest eines Postens, der seit 2000 von 11,1 auf 4,8 Prozent des Stroms gefallen ist |
| sonstige Elektrogeräte | 4,2 % | 12,8 % | wächst seit Jahren; hier sitzt auch die Automation selbst |
Zwei Schlüsse daraus. Erstens: Zwei Drittel deiner Energie hängen an einer einzigen Frage, nämlich wie warm das Heizungswasser sein muss. Zweitens: Der Posten «sonstige Elektrogeräte» ist der einzige, der über die Jahre deutlich gewachsen ist — von 1,9 auf 4,2 Prozent des Endenergieverbrauchs und von 8,0 auf 12,8 Prozent des Stroms. Eine Steuerung, die aus zwanzig dauerhaft aktiven Komponenten besteht, landet in genau dieser Zeile.
Welche Funktionen sparen und welche nur verschieben
| Funktion | wirkt auf | belegt? | spart oder verschiebt |
|---|---|---|---|
| Heizkurve und Vorlauftemperatur richtig einstellen | 65,4 % des Verbrauchs | ja — Betriebsoptimierung 10 bis 15 % der Energiekosten | spart |
| Hydraulischer Abgleich vor jeder Steuerung | dieselbe Zeile | ja — ohne Abgleich misst die Steuerung das falsche Problem | spart |
| Einzelraumregelung mit Ventilantrieben | Raumwärme | keine Schweizer Messung für Wohnbauten | unklar, verbraucht selbst Strom |
| Fenster- und Türkontakte, die den Heizkörper herunterregeln | Raumwärme | von EnergieSchweiz als hilfreich genannt | spart, in kleinem Rahmen |
| Automatischer Sonnenschutz | sommerliche Überhitzung | von EnergieSchweiz ausdrücklich genannt | spart Kühlbedarf, schafft Komfort |
| Eigenverbrauchssteuerung für Boiler, Wärmepumpe und Ladestation | Strombezug | ja, in der Systemlogik | verschiebt — der Gewinn ist die Preisdifferenz |
| Fernsteuerung der Heizung im Ferienhaus | Raumwärme im Zweitobjekt | von EnergieSchweiz über das Programm MakeHeatSimple unterstützt | spart |
| Beleuchtungsautomation | 1,6 % des Verbrauchs | Anteil bekannt, Wirkung marginal | Komfort |
| Sprachassistenz, Szenen, App-Bedienung | nichts | — | Komfort |
| Monitoring des Verbrauchs | alle Zeilen indirekt | die Wirkung entsteht durch deine Reaktion | macht Fehler sichtbar |
Der ehrlichste Satz zu dieser Tabelle stammt wieder von EnergieSchweiz: Eine intelligente Steuerung lohnt sich vor allem, «wenn Sie möglichst viel Ihres selbst produzierten Solarstroms selbst verbrauchen möchten». Das ist keine Einsparung im physikalischen Sinn — die Kilowattstunde wird trotzdem verbraucht. Sie wird nur billiger bezogen. Rechne den Nutzen deshalb mit deiner eigenen Preisdifferenz: Bezugspreis in der Hochtarifzeit minus Rückliefertarif, mal die Kilowattstunden, die du tatsächlich verschieben kannst.
Die letzte Zeile ist die unterschätzte. Monitoring spart selbst nichts, aber es findet den Elektroeinsatz, der jeden Winter unbemerkt mitläuft, und die Zirkulationspumpe, die seit dem Umbau rund um die Uhr fördert. Solche Fehler sind teurer als alles, was eine Automation an Optimierung herausholt.
Was die Steuerung selbst verbraucht
Bis vor wenigen Jahren galt der Eigenverbrauch der Gebäudeautomation als vernachlässigbar. Die BFE-Untersuchung von 2016 kam zum gegenteiligen Schluss: Bei durchschnittlich energieeffizienten Gebäuden beläuft sich der jährliche Stromverbrauch der Gebäudeautomation auf ein- bis zweistellige Prozentzahlen des jährlichen Endenergiebedarfs der Haustechnik. Absolut ergaben sich für die Raumautomation 2 bis 5 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr.
Der für dich wichtigere Befund derselben Untersuchung ist ein anderer: Die Funktionalität der Automation und der Stromverbrauch der Geräte korrelieren kaum miteinander. Massgebend sind die konkrete Produktewahl und die Systemgestaltung. Anders gesagt: Mehr Funktionen bedeuten nicht automatisch mehr Verbrauch, und weniger Funktionen bedeuten nicht automatisch weniger. Es kommt darauf an, welche Netzteile, Vorschaltgeräte, Stellantriebe und Busgeräte verbaut werden.
Deshalb gehört in die Offerte eine Frage, die kaum je gestellt wird: Wie hoch ist die Dauerleistungsaufnahme aller ständig aktiven Komponenten, in Watt, in Summe? Multipliziere sie mit 8’760 Stunden, und du hast den Jahresverbrauch der Steuerung. Diese Zahl gehört neben jede versprochene Einsparung.
Was in die Offerte gehört
- Reihenfolge festhalten. Hydraulischer Abgleich und Vorlauftemperatur zuerst, Automation danach. Eine Steuerung auf einem unabgeglichenen System optimiert einen Fehler.
- Dauerleistungsaufnahme in Watt aller ständig aktiven Komponenten, als Summenzahl.
- Offene Schnittstellen benennen lassen. Welche genormte Kommunikation nutzt das System, und welche Komponenten anderer Hersteller lassen sich nachweislich einbinden?
- Betriebsfall ohne Cloud. Was funktioniert weiter, wenn der Anbieter den Dienst einstellt oder das Internet ausfällt — Heizung, Storen, Licht?
- Update-Zusage. Wie lange liefert der Hersteller Sicherheitsaktualisierungen, und was kostet der Zugang danach?
- Datenfluss dokumentieren. EnergieSchweiz empfiehlt ausdrücklich, sich eine Übersicht zu verschaffen, wo welche Daten übertragen werden, jede Verbindung zu verschlüsseln, sichere Passwörter für Komponenten, WLAN, Router und Smartphone zu wählen und die Software aktuell zu halten.
- Monitoring separat kalkulieren. Es ist der Teil mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung und braucht keine Vollautomation.
Was heisst das für dich
Verlang für jede versprochene Prozentzahl die Quelle, und akzeptiere kein Rechenmodell aus dem Bürobau als Beleg für dein Haus. Investier das Geld zuerst dort, wo zwei Drittel deines Verbrauchs liegen: in den hydraulischen Abgleich und in eine belegte, gemessene Vorlauftemperatur — beides kostet einen Bruchteil einer Automation und wirkt in jeder Betriebsstunde. Wenn du danach automatisierst, dann mit einem klaren Ziel: den eigenen Solarstrom im Haus behalten, den Sonnenschutz führen, den Verbrauch sichtbar machen. Und lass dir die Dauerleistungsaufnahme der Steuerung in Watt geben, bevor du unterschreibst — sie steht auf der falschen Seite deiner Rechnung und taucht in keinem Prospekt auf.
Weiterlesen
- Vorlauftemperatur senken — der Selbsttest über eine kalte Woche, mit gemessenen Prüfwerten
- Hydraulischer Abgleich — weshalb er vor jeder Steuerung kommt
- Eigenverbrauch erhöhen — wo die Verschiebung von Verbrauch tatsächlich Geld bringt
- Heizkosten senken ohne Investition — was ohne einen einzigen Franken Material geht
- Im Forum: Smart Home direkt ins neue Haus einplanen: Preis? Erfahrungen? — und zur Systemwahl Hausautomation Systeme, ich habe den Überblick verloren
Quellen
- EnergieSchweiz, Gebäudeautomation — «Ein Smart Home spart nicht automatisch Energie», Sonnenschutz, Fenster- und Türkontakte, Eigenverbrauch, fehlender herstellerübergreifender Standard, Empfehlungen zur Datensicherheit
- BFE, Der Energieverbrauch der Privaten Haushalte 2000–2024 — Anteile 2024: Raumwärme 65,4 Prozent, Warmwasser 14,9 Prozent, Beleuchtung 1,6 Prozent; Stromanteile: Raumwärme 26,1, Warmwasser 14,3, Kochen 11,8, Beleuchtung 4,8 gegenüber 11,1 Prozent im Jahr 2000, sonstige Elektrogeräte 12,8 Prozent
- BFE, Eigenenergieverbrauch der Gebäudeautomation (EEV-GA), Ergebnisbericht 2016 — 2 bis 5 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr für die Raumautomation, untersucht an fünf Bürogebäuden und einem Schulhaus; Produktewahl und Systemgestaltung sind massgebend, nicht der Funktionsumfang
- EnergieSchweiz, Energetische Betriebsoptimierung von Gebäuden — 10 bis 15 Prozent der Energiekosten ohne Investition


