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Energie & Haustechnik

Wie viel Energie dein Haus verbraucht und was normal ist

Wie du Liter Heizöl, Kubikmeter Gas und Kilowattstunden Strom auf eine vergleichbare Kennzahl bringst und woran du erkennst, ob dein Haus zu viel braucht.

Ein gefüllter Öltank im Keller mit einer zusammengefalteten Energierechnung auf dem Deckel und einem angelehnten Peilstab.

Der Öltank ist gefüllt, die Rechnung liegt auf dem Tisch: 2’400 Liter. Ist das viel? Der Nachbar sagt, er brauche weniger — aber sein Haus ist kleiner, hat eine andere Heizung und andere Bewohner. Ohne eine gemeinsame Einheit ist der Vergleich wertlos. Die Einheit heisst Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr, und du kannst sie aus deiner eigenen Rechnung ausrechnen, bevor du auch nur eine Offerte einholst.

Kurzantwort

  • Alles in Kilowattstunden umrechnen. Rund 10 kWh je Liter Heizöl, rund 11,2 kWh je Norm-Kubikmeter Erdgas, 5,0 kWh je Kilogramm Pellets.
  • Durch die Energiebezugsfläche teilen — die beheizten Geschossflächen, aussen gemessen. Nicht durch die Wohnfläche im Verkaufsinserat.
  • Vergleichsband von EnergieSchweiz: 40 bis 50 kWh/m²a ist energetisch gut, 60 bis 100 durchschnittlich, 120 bis 150 typisch für unsanierte Häuser vor 1970.
  • Strom getrennt zählen. Ein Einfamilienhaus mit drei und mehr Personen liegt bei rund 3’500 kWh im Jahr — mit Elektroboiler bei 7’000.
  • Ein einzelnes Jahr sagt wenig. Nimm zwei bis drei Jahre und berücksichtige, dass Raumtemperatur und Wetter den Verbrauch stark verschieben.

Wie du deinen Verbrauch auf eine vergleichbare Zahl bringst

Die Heizwerte der Energieträger stehen im Anhang der Schweizerischen Gesamtenergiestatistik des Bundesamts für Energie. Sie sind dort in Megajoule je Kilogramm oder je Norm-Kubikmeter angegeben; eine Kilowattstunde entspricht 3,6 Megajoule.

EnergieträgerHeizwert laut BFEgerundet in Kilowattstunden
Heizöl extra-leicht42,9 MJ/kgrund 10 kWh je Liter
Erdgas, oberer Heizwert (Brennwert)40,3 MJ je Norm-m³rund 11,2 kWh je Norm-m³
Pellets18,0 MJ/kg5,0 kWh je Kilogramm
Stückholz, lufttrocken15,0 MJ/kgrund 4,2 kWh je Kilogramm
Holzschnitzel11,6 MJ/kgrund 3,2 kWh je Kilogramm

Zwei Punkte dazu. Beim Heizöl geht die Umrechnung von Kilogramm auf Liter über die Dichte; die Grössenordnung bestätigt EnergieSchweiz in seiner Vergleichstabelle direkt, indem es 4 bis 5 Liter je Quadratmeter mit 40 bis 50 Kilowattstunden je Quadratmeter gleichsetzt. Beim Gas hält das BFE ausdrücklich fest, dass in der Gasindustrie der obere Heizwert als Rechnungseinheit verwendet wird — steht auf deiner Rechnung ein netzspezifischer Wert, nimm diesen.

Bei einer Wärmepumpe misst du nicht den Brennstoff, sondern den Strom. Der Zähler der Wärmepumpe ist die einzige belastbare Grösse; wie viel Wärme daraus wird, hängt von der Jahresarbeitszahl ab. Wer nur den Hausanschluss abliest, mischt Heizung und Haushalt und kann nichts einordnen.

Was die Fläche ist, durch die du teilst

Nicht die Wohnfläche und nicht die Nettogrundfläche, sondern die Energiebezugsfläche. Die Vollzugshilfe EN-102 der Konferenz Kantonaler Energiefachstellen definiert sie so: die Summe aller ober- und unterirdischen Geschossflächen, für deren Nutzung ein Beheizen oder Klimatisieren nötig ist, gemessen brutto mit den äusseren Abmessungen. Räume unter 1,0 Meter lichter Höhe zählen nicht.

Dazu gehören auch Räume, die nicht aktiv beheizt sind, aber innerhalb der thermischen Gebäudehülle liegen — etwa ein gegen die Aussenluft abgeschlossenes Treppenhaus. Nicht dazu gehören Fahrzeugabstellflächen und Schutzräume, auch wenn sie warm sind. Wer den unbeheizten Keller mitrechnet, macht sein Haus rechnerisch besser, als es ist.

Die Rechnung an einem Beispiel

Einfamilienhaus, Baujahr 1968, Energiebezugsfläche 180 m², Ölheizung, Verbrauch im Mittel der letzten drei Jahre 2’400 Liter.

SchrittRechnungErgebnis
Heizöl in Kilowattstunden2’400 × 1024’000 kWh
durch die Energiebezugsfläche24’000 ÷ 180133 kWh/m²a
Einordnung nach EnergieSchweizBand 120 bis 150Wohngebäude vor 1970, unsaniert

Dasselbe Haus nach einer Fassaden- und Dachdämmung mit 1’200 Litern: 12’000 kWh, geteilt durch 180 ergibt 67 kWh/m²a — das Band der durchschnittlichen Wohnbauten. Die Zahl bewegt sich also nicht in Prozenten der Rechnung, sondern in einer Klasse, und genau das macht sie zum Entscheidungswert.

Welche Werte für welches Haus normal sind

EnergieSchweiz veröffentlicht drei Vergleichsbänder für Heizung und Warmwasser, jeweils bezogen auf die beheizte Fläche:

GebäudeLiter je m² und JahrKilowattstunden je m² und Jahrgrobe GEAK-Klasse
energetisch gute Wohnbauten4 bis 540 bis 50B
durchschnittliche Wohnbauten6 bis 1060 bis 100D
Wohngebäude gebaut vor 197012 bis 15120 bis 150F

Der Gebäudeenergieausweis der Kantone staffelt den typischen Heizwärmebedarf feiner: bis 25 kWh/m²a Klasse A, bis 50 Klasse B, bis 75 Klasse C, bis 100 Klasse D, bis 125 Klasse E, bis 150 Klasse F und darüber Klasse G. Neubauten erreichen laut EnergieSchweiz aufgrund der gesetzlichen Anforderungen die Klasse B.

⚠ Diese Einordnung aus dem Verbrauch ist eine Näherung, keine Bewertung. EnergieSchweiz schreibt selbst: «Weil der Einfluss des Verhaltens von Benutzerinnen und Benutzern sehr gross ist, ist eine Beurteilung mit den effektiven Verbrauchswerten nur sehr bedingt möglich.» Der GEAK bewertet dagegen die Gebäudehülle, die Gesamtenergieeffizienz und die direkten CO2-Emissionen rechnerisch in sieben Klassen von A bis G — unabhängig davon, wie warm du es magst.

Wie du Heizung, Warmwasser und Haushaltstrom trennst

Der Stromzähler gehört in eine eigene Zeile. EnergieSchweiz nennt für Einfamilienhäuser diese Durchschnittswerte:

Einfamilienhausohne Elektroboilermit Elektroboiler
1 bis 2 Personen2’500 kWh4’500 kWh
3 und mehr Personen3’500 kWh7’000 kWh

Der Elektroboiler verbraucht damit rund die Hälfte der gesamten Strommenge. Wer deutlich über der Tabelle liegt und keinen Elektroboiler hat, sucht die Ursache im Haushalt, nicht in der Gebäudehülle. Zum Ersatz des Boilers steht ein eigener Artikel bereit: Elektroheizung und Elektroboiler ersetzen.

Was eine Abweichung nach oben bedeutet

Liegt dein Wert über dem Band, das zu deinem Baujahr passt, hilft die Verlustverteilung, die EnergieSchweiz für ein bisher nicht erneuertes Einfamilienhaus angibt. Sie bezieht sich auf die insgesamt zugeführte Energie für Heizung, Warmwasser und Elektrizität:

VerlustwegAnteil
Aussenwände25 %
Estrichboden und Dach17 %
Fenster13 %
Undichtigkeiten und Lüften10 %
Boden9 %
Heizungsverluste9 %
Warmwasser9 %
Elektrizität8 %

Zwei Ursachen liegen ausserhalb der Bausubstanz und sind sofort prüfbar. Erstens die Raumtemperatur: für jedes zusätzliche Grad steigen die Energiekosten laut EnergieSchweiz um sechs bis zehn Prozent. Zweitens das Wetter. Der Verbrauch ist klimaabhängig, und der Einfluss lässt sich mit den Heizgradtagen ausdrücken, die das BFE in seiner Gesamtenergiestatistik publiziert. Ein kalter Winter verschiebt die Kennzahl ohne jede bauliche Ursache.

Der dritte Grund liegt in der Anlage selbst und ist der billigste: eine Heizung, deren Wassermengen nie eingestellt wurden. Wie das geprüft wird, steht im Artikel zum hydraulischen Abgleich.

Welchen Zielwert du dir setzt

Setz den Zielwert nicht auf eine Klasse, sondern auf das nächste Band. Von 133 auf unter 100 kWh/m²a ist ein realistisches Ziel für eine Hüllensanierung in zwei Etappen; von 133 auf 45 ist ein Ersatzneubau-Anspruch an einen Altbau. EnergieSchweiz beziffert das Sparpotenzial bei energetisch nicht erneuerten Gebäuden auf 50 Prozent und mehr — bezogen auf Heizung, Warmwasser und Elektrizität zusammen.

Im Forum wird die Frage seit Jahren mit echten Zahlen diskutiert: der Thread jährlicher Energieverbrauch kWh Einfamilienhaus sammelt Werte, die sich mit der obigen Rechnung direkt vergleichen lassen.

Was heisst das für dich

Leg eine Tabelle mit drei Spalten an — Jahr, Brennstoffmenge, Stromzähler — und trag die letzten drei Jahre ein; ohne diese drei Zeilen ist jede Offerte eine Wette. Rechne die Menge mit den Faktoren oben in Kilowattstunden um und teil sie durch die Energiebezugsfläche, nicht durch die Wohnfläche. Vergleich das Ergebnis mit dem Band, das zu deinem Baujahr passt, und prüf zuerst die zwei kostenlosen Ursachen: Raumtemperatur und Einstellung der Heizung. Bleibt danach eine Lücke zum Band, lohnt sich ein GEAK Plus, bevor du eine einzelne Massnahme vergibst — er sagt dir, welcher der Verlustwege in deinem Haus der grösste ist.

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Quellen

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3. September 20268 Min.