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Energie & Haustechnik

Wärmepumpe: Aufstellort für das Aussengerät, damit es leise und effizient läuft

Warum eine Innenecke die Wärmepumpe um 6 Dezibel lauter macht, welcher Planungswert nachts gilt und welche Standortfehler sich später nicht mehr beheben lassen.

Ein Aussen-Luft-Wärmepumpen-Aussengerät in einer schmalen Nische zwischen Wand und Garage auf Betonplatte mit isolierten Kältemittelleitungen.

Zwei identische Geräte, dieselbe Marke, derselbe Abstand zum Nachbarhaus. Das eine steht frei im Garten, das andere in der Nische zwischen Hauswand und Garagenvorbau. Auf dem Papier sind sie gleich laut. In der Beurteilung liegen sechs Dezibel dazwischen — und sechs Dezibel entscheiden darüber, ob die Anlage den Planungswert einhält oder nicht. Der Aufstellort der Wärmepumpe ist keine Geschmacksfrage, er ist die grösste Stellschraube im ganzen Projekt.

Kurzantwort

  • Beurteilt wird nach Anhang 6 der Lärmschutz-Verordnung. Massgebend ist die Nacht von 19 bis 07 Uhr, weil dort der strengere Wert gilt.
  • Planungswert am Empfangsort: Empfindlichkeitsstufe II (Wohnzone) 45 dB(A) nachts, Stufe III (Mischzone) 50 dB(A).
  • Der Standort schlägt direkt auf den Pegel durch: frei stehend +3 dB, an der Fassade +6 dB, in der einspringenden Ecke +9 dB.
  • Gemessen wird in der Mitte des offenen Fensters lärmempfindlicher Räume — bei einer noch leeren Nachbarparzelle an deren Baulinie.
  • Der Standort ist laut Cercle Bruit mit bis zu −25 dB die wirksamste aller Massnahmen. Alles andere korrigiert nur.

Was gilt, bevor du über Nachbarn redest

Eine neue Wärmepumpe ist eine neue ortsfeste Anlage. Nach Art. 7 Abs. 1 LSV müssen ihre Emissionen so weit begrenzt werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist — und die von der Anlage allein erzeugten Immissionen dürfen die Planungswerte nicht überschreiten. Dazu kommt unabhängig davon das Vorsorgeprinzip nach Art. 11 Abs. 2 USG. Die Vollzugshilfe 6.21 des Cercle Bruit fasst es knapp zusammen: «Das Vorsorgeprinzip und die Einhaltung der Planungswerte sind gleichwertig. Bei der Beurteilung sind beide zu berücksichtigen.»

Welcher Planungswert gilt, ergibt sich aus der Empfindlichkeitsstufe der Zone am Empfangsort. Art. 43 LSV ordnet sie zu: Stufe II in Zonen, in denen keine störenden Betriebe zugelassen sind, namentlich Wohnzonen; Stufe III in Wohn- und Gewerbezonen sowie Landwirtschaftszonen.

EmpfindlichkeitsstufePlanungswert TagPlanungswert Nacht
I50 dB(A)40 dB(A)
II — Wohnzonen55 dB(A)45 dB(A)
III — Mischzonen, Landwirtschaftszone60 dB(A)50 dB(A)
IV — Industriezonen65 dB(A)55 dB(A)

Weshalb der Aufstellort in Ecken und Nischen den Pegel anhebt

Schall breitet sich kugelförmig aus. Steht das Gerät frei, verteilt sich die Energie in alle Richtungen. Steht es an einer Wand, fällt die Hälfte des Raums weg und der Rest wird lauter. In einer einspringenden Ecke fallen zwei Richtungen weg. Die Vollzugshilfe bildet das im Richtwirkungsmass DC ab:

Standort des Geräts oder des SchachtsRichtwirkungsmass DC
frei stehend, mindestens 5 Meter Abstand zur Wand+3 dB
aussen an der Fassade+6 dB
an einer einspringenden Fassadenecke+9 dB

Der Rest der Rechnung ist Geometrie. Der Mittelungspegel am Empfangsort berechnet sich nach der Vollzugshilfe als Leq = LWAmax,Nacht − 11 dB + DC − 20·log(s), wobei s der Abstand in Metern ist. Daraus wird der Beurteilungspegel Lr, indem die Pegelkorrekturen dazukommen: K1 beträgt in der Nacht 10 dB, K2 für schwach hörbaren Tongehalt 2 dB, K3 0 dB, und die Betriebszeitkorrektur ist bei Dauerbetrieb 0.

Die Rechnung an einem Gerät

Annahmen: Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einem maximalen Schallleistungspegel im Nachtbetrieb von 55 dB(A), Abstand 8 Meter bis zum nächsten Fenster eines Schlafzimmers beim Nachbarn, Wohnzone mit Empfindlichkeitsstufe II, also Planungswert 45 dB(A) in der Nacht.

AufstellortDCBeurteilungspegel Lrgegen Planungswert 45 dB(A)
frei stehend im Garten+3 dB40,9 dB(A)eingehalten, 4,1 dB Reserve
an der Fassade+6 dB43,9 dB(A)knapp eingehalten
in der einspringenden Ecke+9 dB46,9 dB(A)⛔ überschritten

Gleiches Gerät, gleicher Abstand, nur ein anderer Platz — und im dritten Fall ist die Anlage nicht bewilligungsfähig. Damit dieselbe Ecke den Wert einhielte, müsste der Abstand von 8 auf 10 Meter wachsen. Umgekehrt gilt die Faustregel aus der Abstandsdämpfung: doppelter Abstand bringt 6 dB. Genau deshalb ist ein Standortentscheid mehr wert als jedes Zubehör.

Wo gemessen wird — und weshalb die leere Nachbarparzelle zählt

Art. 39 Abs. 1 LSV bestimmt den Ort der Ermittlung: in der Mitte der offenen Fenster lärmempfindlicher Räume. Absatz 3 ist der Satz, den Bauherrschaften übersehen: In noch nicht überbauten Bauzonen werden die Immissionen dort ermittelt, wo nach dem Bau- und Planungsrecht Gebäude mit lärmempfindlichen Räumen erstellt werden dürfen. Die Wiese nebenan ist also kein Freipass — massgebend ist die Baulinie beziehungsweise der gesetzliche Grenzabstand.

Für das eigene Einfamilienhaus gilt der Grenzwert grundsätzlich ebenfalls, doch die Web-Applikation «Lärmschutznachweis» kann ihn dort nicht berechnen, weil die Abstrahl- und Abschirmverhältnisse im Nahbereich unbekannt sind. Die Vollzugshilfe gibt deshalb drei qualitative Regeln: Platziere Gerät oder Schacht dort, wo keine Fenster lärmempfindlicher Räume sind, halte möglichst grossen Abstand zu diesen Fenstern, oder sorge dafür, dass die betroffenen Räume ein zweites Fenster auf der abgewandten Seite haben. Ist eine dieser Bedingungen erfüllt, darf von höchstens geringfügiger Belastung ausgegangen werden.

Was hilft, wenn der ideale Standort nicht möglich ist

Die Vollzugshilfe beziffert die Wirkung der gängigen Massnahmen als Richtwerte:

MassnahmeWirkung
Wahl des Aufstellungsortesbis −25 dB
Wahl einer lärmarmen Wärmepumpebis −10 dB
Lärmschutzwand mit R’w ≥ 25 dBbis −8 dB
Schalldämmhaube (aussen aufgestellt)bis −8 dB
Kulissenschalldämpfer im Lichtschacht−3 bis −15 dB
Hutzen−2 bis −6 dB
schalldämpfendes Wetterschutzgitter0 bis −3 dB

Der Text darüber ist deutlicher als jede Tabelle: «Die wirkungsvollste Massnahme ist der Einsatz einer möglichst leisen Wärmepumpe und ein guter Standort.» Und ein Hinweis, der bei Beschwerden immer wieder auftaucht: Je stärker die tieffrequenten Anteile, desto schwächer wirken Wände und Hauben — für tiefe Frequenzen wären wesentlich massivere Konstruktionen nötig.

Kondensat, Abtauwasser und der Zugang für den Service

Ein Aussengerät produziert im Heizbetrieb Kondensat, und beim Abtauen kommt eine Wassermenge auf einmal. Das ist nicht verschmutztes Abwasser, und Art. 7 Abs. 2 GSchG verlangt, es nach den Anordnungen der kantonalen Behörde versickern zu lassen; erst wenn die örtlichen Verhältnisse das nicht zulassen, kommt eine Einleitung in ein oberirdisches Gewässer in Betracht. Wie tief die Versickerung frostfrei ausgeführt sein muss und ob eine Kiespackung genügt, regeln die Gemeinden unterschiedlich — dafür gibt es keine gesamtschweizerische Zahl, und wir schreiben hier keine hin. Frag vor der Montage.

Zwei bauliche Punkte gehören in denselben Entscheid: Der Platz muss so bemessen sein, dass Ansaug- und Ausblasseite nicht in einen Kurzschluss geraten, und der Servicemonteur muss ohne Demontage an die Anlage kommen. Beides kostet nichts, solange es geplant ist, und viel, sobald der Sockel betoniert ist.

Welche Standortfehler nachträglich unheilbar sind

  • [ ] Ecke oder Nische statt frei stehend: kostet 6 dB, die keine Haube zurückholt.
  • [ ] Ausblasrichtung zum Nachbarfenster: der Weg ist kurz, und kurze Wege dämpfen nicht.
  • [ ] Zu nah an der Grundstücksgrenze, wenn dahinter eine unüberbaute Bauparzelle liegt — dort zählt die künftige Baulinie.
  • [ ] Reflexionsflächen wie eine gegenüberliegende Stützmauer oder eine Glasfassade, die den Schall zurückwerfen.
  • [ ] Aufstellungsraum bei Innenaufstellung neben Wohn- oder Schlafzimmer: die Vollzugshilfe verlangt ausdrücklich einen Raum ausserhalb dieses Bereichs.
  • [ ] Keine Kondensatableitung geplant oder nicht frostfrei ausgeführt.
  • [ ] Kein Serviceweg rund um das Gerät.

Wie unangenehm der erste Punkt in der Nachbarschaft wird, zeigt der Thread Lärmbelästigung durch Nachbars Wärmepumpe: Dort geht es nicht um Technik, sondern um einen Standort, den niemand vor der Montage hinterfragt hat.

Was heisst das für dich

Lass dir vom Installateur den Lärmschutznachweis als PDF geben, bevor du die Offerte unterschreibst — er enthält Schallleistungspegel, Aufstellungsart, Richtwirkung, Abstand und den Beurteilungspegel, und er wird ohnehin für das Baugesuch gebraucht. Prüf darin drei Felder selbst: den maximalen Schallleistungspegel im Nachtbetrieb, das Richtwirkungsmass und den eingesetzten Abstand zum nächsten Fenster. Lass zusätzlich eine Variante mit frei stehendem Gerät rechnen, auch wenn der Fassadenplatz bequemer wäre; die 3 bis 6 dB Reserve sind das billigste Zubehör, das du kaufen kannst. Und klär die Versickerung des Kondensats mit der Gemeinde, bevor der Sockel steht.

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