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Energie & Haustechnik

Luft-Wasser oder Erdsonde: welche Wärmepumpe zu deinem Haus passt

Gemessene Jahresarbeitszahlen, Lärmgrenzwerte und Förderdifferenz je Kanton — womit du ausrechnest, wie viel die Erdsonde bei dir mehr kosten darf.

Eine Erdsonden-Wärmetauscher-Sonde neben einer innenstehenden Wärmepumpe mit isolierter Soleleitungsverbindung.

Zwei Offerten für dasselbe Haus, und dazwischen liegt die Bohrung. Die Erdsonde kostet deutlich mehr, verspricht aber weniger Strom über zwanzig Jahre. Die Frage ist nicht, welches System besser ist — sondern wie viel Mehrpreis sich bei deinem Haus rechnet. Diese Zahl lässt sich vor der Unterschrift ausrechnen, und zwar aus gemessenen Schweizer Werten.

Kurzantwort

  • Der gemessene Effizienzunterschied ist rund ein Punkt. In der Heizsaison 2022/23 lag der durchschnittliche Wärmenutzungsgrad bei 3,19 (Luft/Wasser) gegen 4,26 (Sole/Wasser mit Erdwärmesonde).
  • Das sind bei 20’000 kWh Wärmebedarf rund 440 Franken Stromkosten je Jahr oder gut 8’700 Franken über zwanzig Jahre, gerechnet mit dem ElCom-Medianpreis 2026 von 27,7 Rappen.
  • Die Förderdifferenz zugunsten der Erdsonde ist oft grösser als der Betriebskostenvorteil — sie reicht 2026 von rund 3’900 Franken in Zürich bis 15’500 Franken in Zug.
  • Die Erdsonde hat kein Lärmproblem, die Luft-Wasser-Wärmepumpe schon. Erdsonden-Wärmepumpen stehen im Gebäude und brauchen laut Cercle Bruit gar keine Lärmbeurteilung.
  • Entscheidend ist nicht die Bauart, sondern die Vorlauftemperatur. Je höher sie ist, desto stärker fällt die Effizienz — und desto eher lohnt die bessere Wärmequelle.

Was die beiden Bauarten technisch trennt

Beide Systeme machen dasselbe: Sie heben Wärme von einem tiefen auf ein nutzbares Temperaturniveau. Der Unterschied liegt in der Quelle. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nimmt Aussenluft — im Januar also die kälteste Quelle des Jahres genau dann, wenn du am meisten Wärme brauchst. Die Erdwärmesonde nimmt Erdreich in mehreren hundert Metern Tiefe, dessen Temperatur über das Jahr fast konstant bleibt.

Daraus folgt alles Weitere. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht ein Aussengerät mit Ventilator, also einen Standort, Platz und eine Lärmbeurteilung. Die Erdsonde braucht eine Bohrung, also eine Bewilligung, eine befahrbare Zufahrt für das Bohrgerät und einen Untergrund, in dem gebohrt werden darf.

Welche Jahresarbeitszahl im Feld tatsächlich gemessen wird

Für die Schweiz gibt es dazu eine laufende Messreihe. EnergieSchweiz misst seit 2015 Wärmepumpenanlagen im realen Betrieb; für den Jahresbericht zur Heizsaison 2022/23 lagen die Daten von 28 Anlagen über insgesamt 91 Heizperioden vor, zwölf mit Erdwärmesonde und 13 mit Umgebungsluft.

Das Ergebnis in den Worten des Berichts: Bei Luft/Wasser-Wärmepumpen wurde ein durchschnittlicher Wärmenutzungsgrad «für Heizen und Aufladung des Trinkwarmwassers von 3.19 (WNG-Bereich von 2.47 bei Objekt F025 bis 4.04 bei Objekt F015) gemessen». Und: «Sole/Wasser-Wärmepumpen mit Erdwärmesonden überbieten diese Werte mit durchschnittlich 4.26 (WNG-Bereich von 2.89 bei Objekt F026 bis 5.26 bei Objekt F021).»

Zwei Dinge sind daran wichtiger als der Mittelwert.

Erstens die Streuung. Die schlechteste Erdsondenanlage lag mit 2,89 unter der besten Luftanlage mit 4,04. Die Bauart entscheidet also nicht allein. Bei der Anlage mit dem tiefsten Wärmenutzungsgrad hält der Bericht fest: «Die Erdwärmesonde dieser Anlage ist fast 30 Jahre in Betrieb und überbelastet, was zu tiefen Quellentemperaturen führt.» Eine zu knapp ausgelegte Sonde verliert genau den Vorteil, für den du sie bezahlst.

Zweitens die Vorlauftemperatur. Der Bericht dokumentiert zwei Optimierungen mit Zahlen: Bei einer Anlage wurde die Heizkennlinie angepasst, die Heiztemperaturen sanken um 6 K, die Jahresarbeitszahl stieg von rund 3,6 auf 4,0. Bei einer zweiten senkte man die Vorlauftemperaturen um 3 K, und die Jahresarbeitszahl stieg von 5,23 auf 5,90. Das sind je rund 13 Prozent — erreicht ohne neue Maschine.

⚠ Dazu passt der Befund des Sonderkapitels: Bei den untersuchten Anlagen wurde «eine mittlere Überdimensionierung von 45% (Median = 36%) festgestellt». Eine zu grosse Wärmepumpe ist teurer in der Anschaffung und läuft schlechter. Verlang deshalb die Heizlastberechnung, nicht nur die Offerte.

Was der Lärm der Luft-Wasser-Wärmepumpe im Entscheid wiegt

Hier ist der Unterschied eindeutig. Die Vollzugshilfe des Cercle Bruit, der Vereinigung der kantonalen Lärmschutzfachleute, hält zu Erdsonden-Wärmepumpen fest: Sie «werden in Gebäuden installiert und verursachen i.d.R. keine Aussenlärmemissionen. Sie sind lärmmässig unproblematisch und eine Lärmbeurteilung ist somit nicht nötig.»

Für die Luft-Wasser-Wärmepumpe gelten dagegen die Planungswerte nach Anhang 6 der Lärmschutz-Verordnung, gemessen am offenen Fenster des nächsten lärmempfindlichen Raumes:

EmpfindlichkeitsstufePlanungswert TagPlanungswert Nacht
ES I (Erholungszone)50 dB(A)40 dB(A)
ES II (reine Wohnzone)55 dB(A)45 dB(A)
ES III (Misch- und Gewerbezone)60 dB(A)50 dB(A)
ES IV (Industriezone)65 dB(A)55 dB(A)

Der Tag dauert nach Anhang 6 von 07 bis 19 Uhr, die Nacht von 19 bis 07 Uhr — die Nacht beginnt also früher, als man annimmt. Auf den berechneten Pegel kommen Zuschläge: 5 dB am Tag und 10 dB in der Nacht für den Anlagetyp, dazu 2 dB, wenn der Ton schwach hörbar ist.

Das Fallbeispiel der Vollzugshilfe zeigt, wie knapp das wird. Eine Wärmepumpe mit 60 dB(A) Schallleistungspegel bei 2 °C, an der Fassade aufgestellt, 14 Meter zum Nachbargebäude, Empfindlichkeitsstufe II: Der Beurteilungspegel beträgt 44 dB(A) in der Nacht — bei einem Planungswert von 45. Ein Meter näher an der Ecke, und die Rechnung kippt: Für eine einspringende Ecke rechnet die Vollzugshilfe mit +9 dB statt +6 dB.

⛔ Verlang deshalb den Lärmschutznachweis mit dem Standort, an dem das Gerät wirklich stehen soll, bevor du unterschreibst. Ein Nachweis für einen anderen Aufstellort ist wertlos.

Ob auf deiner Parzelle überhaupt gebohrt werden darf

Diese Abklärung geht der ganzen Rechnung voraus, denn sie kann den Entscheid abnehmen. Die Zulässigkeit hängt am Gewässerschutzrecht und an der Zone, in der deine Parzelle liegt; in Grundwasserschutzzonen sind Erdwärmesonden nicht zugelassen. Wie du das in zwanzig Minuten prüfst, steht ausführlich in unserem Beitrag zur Bohrbewilligung für Erdwärmesonden — inklusive Abstandsregeln zur Nachbarparzelle und der Reihenfolge der beiden Bewilligungen.

Die Rechnung, die den Mehrpreis begrenzt

Statt Investitionskosten zu schätzen, für die es keine amtliche Schweizer Preisstatistik gibt, rechnest du besser andersherum: Wie viel darf die Erdsonde mehr kosten, damit sie sich über zwanzig Jahre trägt?

Angenommen wird ein Einfamilienhaus mit 20’000 kWh Wärmebedarf im Jahr und der ElCom-Medianpreis 2026 von 27,7 Rappen je Kilowattstunde.

GrösseLuft-WasserErdsonde
Wärmenutzungsgrad (Feldmessung 2022/23)3,194,26
Strombedarf je Jahr6’270 kWh4’695 kWh
Stromkosten je Jahr1’737 Fr.1’301 Fr.
Stromkosten über 20 Jahre34’740 Fr.26’020 Fr.
Vorteil Erdsonde über 20 Jahre8’720 Fr.

Dazu kommt der Förderbeitrag, und der macht in mehreren Kantonen mehr aus als die Stromersparnis. Werte 2026 für eine Anlage bis 15 kWth beziehungsweise, wo die Kantone nach Leistung rechnen, für 10 kWth:

KantonLuft-WasserSole/WasserDifferenz
Zug8’500 Fr.24’000 Fr.15’500 Fr.
Thurgau⛔ keine Förderung bis 70 kWth9’000 Fr. (Einfamilienhaus)9’000 Fr.
Luzern4’000 Fr.8’500 Fr.4’500 Fr.
Aargau3’600 Fr.7’800 Fr.4’200 Fr.
Bern6’000 Fr.10’000 Fr.4’000 Fr.
Zürich2’900 Fr.6’800 Fr.3’900 Fr.

Zusammengezählt ergibt das dein Budget: In Zürich darf die Erdsonde rund 12’600 Franken mehr kosten als die Luft-Wasser-Wärmepumpe, in Zug rund 24’200 Franken. Liegt die Differenz der beiden Offerten darunter, rechnet sich die Bohrung. Liegt sie darüber, nicht.

⚠ Drei Ehrlichkeiten. Die 3,19 und 4,26 sind Mittelwerte gemessener Anlagen, keine Zusage für deine; massgebend ist die Jahresarbeitszahl in deiner Offerte. Der Strompreis ist der Schweizer Medianwert, viele Netzbetreiber führen für Wärmepumpen einen eigenen Tarif. Und die Beiträge stehen auf dem Stand August 2026; die Kantone passen sie jeweils per 1. Januar an.

Welche Bauart bei welchem Haus gewinnt

  1. Sanierter Altbau mit Radiatoren und 50 °C Vorlauf — hier arbeitet die Erdsonde ihren Vorsprung heraus, weil der Temperaturhub gross ist. Prüfe vorher trotzdem, ob sich der Vorlauf senken lässt.
  2. Neubau oder gedämmter Bau mit Bodenheizung und 35 °C Vorlauf — die Luft-Wasser-Wärmepumpe kommt nahe heran; der Mehrpreis der Bohrung amortisiert sich seltener.
  3. Enge Parzelle, Nachbargebäude unter 15 Metern, Empfindlichkeitsstufe I oder II — die Erdsonde erspart dir die Lärmdiskussion und die Einsprache.
  4. Parzelle in einer Grundwasserschutzzone — die Erdsonde fällt weg, unabhängig von jeder Rechnung.
  5. Kanton mit grosser Förderdifferenz (Zug, Thurgau) — die Bohrung wird rechnerisch attraktiv, selbst wenn die Offerte deutlich höher liegt.

Was heisst das für dich

Klär in dieser Reihenfolge. Erstens: Darf auf deiner Parzelle gebohrt werden? Ohne diese Auskunft ist jede Offerte Makulatur. Zweitens: Welche Vorlauftemperatur braucht dein Haus nach der Sanierung wirklich — das ist die Grösse, die über den Abstand zwischen den beiden Bauarten entscheidet. Drittens: Setz deinen Kanton, deine Kilowattstunden und deinen eigenen Stromtarif in die Rechnung oben ein und schau, wie viel Mehrpreis übrig bleibt. Erst danach vergleichst du die beiden Offerten, und zwar mit ausgewiesener Jahresarbeitszahl und Heizlastberechnung. Und lass dir bei der Luft-Wasser-Variante den Lärmschutznachweis für den geplanten Standort geben, bevor du unterschreibst.

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