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Energie & Haustechnik

Darf man in der Schweiz einfach eine Klimaanlage einbauen?

Was das Energierecht beim Kühlen verlangt, wo eine echte Bewilligungspflicht gilt und weshalb das Aussengerät meist am Lärmschutz scheitert, nicht am Strom.

Ein Außengerät der Klimaanlage an einer holzverkleideten Nordfassade, Wandhalterungen und ein ausgerolltes Massband daneben.

Nach dem dritten Hitzesommer steht der Entscheid an: eine Klimaanlage als Splitgerät ans Haus, Aussengerät an die Nordfassade, in zwei Tagen montiert. Der Installateur sagt, das brauche nichts weiter. Der Nachbar, dessen Schlafzimmerfenster sieben Meter entfernt liegt, sieht das anders. Beide haben halb recht — die energierechtliche Hürde ist bei einem Einfamilienhaus fast immer klein, die lärmrechtliche fast nie.

Kurzantwort

  • Energierechtlich ist Komfortkühlung zulässig, wenn der elektrische Leistungsbedarf 12 Watt pro Quadratmeter nicht überschreitet — so steht es in den Mustervorschriften der Kantone und in den kantonalen Energieverordnungen von ZH, BE, AG, GR, LU und SG.
  • Eine eigenständige Bewilligungspflicht nach Kälteleistung kennen nur wenige Kantone: Basel-Landschaft ab 50 kW pro Gebäude, Basel-Stadt ab 20 kW. Ein Einfamilienhaus liegt weit darunter.
  • Der Lärmschutz gilt immer. Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen sind in Anhang 6 der Lärmschutz-Verordnung ausdrücklich genannt, und sie tragen die höchste Pegelkorrektur der ganzen Verordnung: 5 dB am Tag, 10 dB in der Nacht.
  • Ab 3 kg Kältemittel kommen Meldepflicht ans BAFU, Dichtigkeitskontrolle und Wartungsheft dazu.
  • Bewilligungsfrei bleiben aussenliegender Sonnenschutz, Nachtauskühlung und Free Cooling über eine bestehende Erdsonde.

Was das Energierecht vom Kühlen verlangt

Die Regel ist in allen Kantonen fast wortgleich, weil sie aus derselben Vorlage stammt. Die MuKEn 2025 formulieren sie in Art. 1.21: Neue oder zu ersetzende Klimaanlagen für die Aufrechterhaltung des Komforts sind in bestehenden Bauten so zu erstellen, dass entweder der elektrische Leistungsbedarf für Medienförderung und Medienaufbereitung inklusive Kühlung, Befeuchtung, Entfeuchtung und Wasseraufbereitung 12 W/m² nicht überschreitet, oder die Kaltwassertemperaturen und die Leistungszahlen der Kälteerzeugung nach dem Stand der Technik ausgelegt sind, oder — neu in den MuKEn 2025 — eine Photovoltaikanlage installiert wird, deren elektrische Leistung den Bedarf der Kälteerzeugung abdeckt.

Die Vollzugshilfe EN-110 der Konferenz Kantonaler Energiefachstellen erklärt, was sich dadurch verändert hat: «Viele Kantone haben den Bedarfsnachweis, der früher für die Bewilligung von Kühl-, Be- oder Entfeuchtungsanlagen nötig war, durch technische Anforderungen abgelöst.» Und weiter: «Die Installation neuer Anlagen sowie der Ersatz bestehender Anlagen für Kühlung, Be- und Entfeuchtung ist immer zulässig, wenn der elektrische Leistungsbedarf … 12 W/m2 nicht überschreitet.»

Wo ein Bedarfsnachweis noch verlangt wird, richtet er sich nach SIA 382/1 und den internen Wärmeeinträgen:

Interne Wärmeeinträge pro Tagmit Fensterlüftung Tag und Nachtmit Fensterlüftung bei Belegungohne FensterlüftungKühlung
über 200 Wh/m²über 140über 120über 120notwendig
140–200 Wh/m²100–14080–12080–120erwünscht
unter 140 Wh/m²unter 100unter 80unter 80nicht notwendig

Ein Detail, das oft übersehen wird: Sobald ein Raum gekühlt wird oder eine Kühlung erwünscht ist, greifen die Anforderungen an den Sonnenschutz — g-Wert, Steuerung und Windfestigkeit nach dem Stand der Technik. Wer das Aussengerät bestellt und die Storen weglässt, erfüllt die Vorschrift nicht und zahlt dauerhaft für Kälte, die er sich hätte sparen können.

Wo eine echte Bewilligungspflicht besteht

Hier ist die Schweiz nicht harmonisiert — und die Unterschiede sind gross.

Basel-Landschaft kennt eine ausdrückliche Schwelle. § 12 des kantonalen Energiegesetzes: «Die Erstellung und der Ersatz von Klimaanlagen sind ab einer thermischen Kälteleistung von 50 kW pro Gebäude bewilligungspflichtig.» Die Bewilligung kann erteilt werden, wenn der Bedarf nachgewiesen ist und die Anlage dem Stand der Technik entspricht, oder wenn der elektrische Leistungsbedarf 7 W/m² im Neubau beziehungsweise 12 W/m² im Bestand nicht überschreitet. Die Gebühr beträgt 1’100 Franken — es sei denn, die Bewilligung ergeht im ordentlichen Baubewilligungsverfahren, dann fallen keine zusätzlichen Gebühren an.

Basel-Stadt arbeitet mit einer Haustechnik-Bewilligung des Amts für Umwelt und Energie und einer Freigrenze: Keine Bewilligung und keine Meldung braucht es für «Klima- und Kälteanlagen mit einer gesamten installierten thermischen Kälteleistung von weniger als 20 kW je Gebäude». Darüber gilt: «Mit der Ausführung der Anlagen darf erst begonnen werden, wenn die Haustechnik-Bewilligung rechtskräftig ist.»

Zürich, Bern, Aargau, Graubünden, Luzern und St. Gallen kennen für Komfortkühlung keine eigenständige Bewilligungspflicht, sondern die Zulässigkeitsschwelle von 12 W/m². Zürich behält sich in § 30 der Besonderen Bauverordnung I zusätzlich vor, für baurechtlich notwendige Klima- und Belüftungsanlagen periodische Kontrollen anzuordnen.

⚠ Das heisst nicht «keine Bewilligung nötig». Die Montage eines Aussengeräts an der Fassade ist eine bauliche Veränderung und kann nach kommunalem Baurecht bewilligungs- oder anzeigepflichtig sein — erst recht in Kern- und Schutzzonen. Frag beim Bauamt nach, bevor du bestellst.

Das Abklärungsraster

AnlagenartKälteleistungEnergierechtliche PflichtLärmZuständige Stelle
Monosplit im Einfamilienhaustypisch 2–7 kWNachweis 12 W/m², in den meisten Kantonen ohne VerfahrenPlanungswerte Anhang 6 LSV, Nachweis vor MontageGemeinde (Baurecht), kantonale Lärmfachstelle
Multisplit oder mehrere Innengeräte5–15 kWwie oben; in BS ab 20 kW Haustechnik-Bewilligungwie oben, zusätzlich Summenbetrachtung mehrerer AussengeräteGemeinde, in BS Amt für Umwelt und Energie
Anlage im Mehrfamilienhaus20–50 kWBS bewilligungspflichtig; übrige Kantone NachweisPlanungswerte, meist Gutachten nötigkantonale Energiefachstelle
Anlage über 50 kWüber 50 kWBL bewilligungspflichtig (Gebühr 1’100 Fr.)Gutachten zwingendkantonale Energiefachstelle
jede Anlage mit über 3 kg KältemittelunabhängigMeldung ans BAFU innert drei Monaten, Dichtigkeitskontrolle, WartungsheftBAFU
jede Anlage über 5 t CO2-Äquivalent Füllmengeunabhängigregelmässige DichtigkeitskontrolleBAFU

Weshalb der Lärm häufiger entscheidet als der Strom

Anhang 6 der Lärmschutz-Verordnung nennt in seinem Geltungsbereich ausdrücklich den Lärm «von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen». Für eine neue Anlage gilt Art. 7 LSV: Die Lärmimmissionen müssen so weit begrenzt werden, dass sie allein die Planungswerte nicht überschreiten.

EmpfindlichkeitsstufePlanungswert TagPlanungswert NachtImmissionsgrenzwert TagImmissionsgrenzwert Nacht
I (erhöhtes Schutzbedürfnis, Erholungszonen)50 dB(A)40 dB(A)5545
II (Wohnzonen)55 dB(A)45 dB(A)6050
III (Mischzonen, Landwirtschaftszonen)60 dB(A)50 dB(A)6555
IV (Industriezonen)65 dB(A)55 dB(A)7060

Entscheidend ist nicht der Katalogwert des Geräts, sondern der Beurteilungspegel am offenen Fenster des Nachbarn. Und dort kommen Zuschläge dazu, die es in sich haben: Die Pegelkorrektur K1 beträgt für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen 5 dB am Tag und 10 dB in der Nacht — der höchste Wert der ganzen Verordnung. Dazu kommt K2 für den Tongehalt: 2 dB bei schwach, 4 bei deutlich, 6 bei stark hörbarem Ton. Ein pfeifender Ventilator kostet also 4 bis 6 Dezibel, bevor überhaupt gemessen wird.

Die Vollzugshilfe 6.20 des Cercle Bruit vom 23. September 2025, die für Klimageräte ausdrücklich gilt, liefert die Grösse, die man beim Standortentscheid kennen muss — das Richtwirkungsmass DC: freistehend mit mindestens drei Metern Wandabstand +3 dB, an der Wand +6 dB, in einer einspringenden Ecke +9 dB. Zwischen «frei aufgestellt» und «in der Ecke» liegen also 6 Dezibel, was einer Vervierfachung der Schallenergie entspricht. Der Aufstellungsort ist damit die wirksamste und billigste Massnahme.

Zwei weitere Sätze aus derselben Vollzugshilfe sind für Bauherrschaften nützlich: «Das Vorsorgeprinzip und die Einhaltung der Planungswerte gelten kumulativ.» Und zur Verhältnismässigkeit: Unterhalb der Planungswerte sind erst Pegelreduktionen von 3 dB und mehr als wesentlich zu betrachten; Massnahmen mit geringerer Wirkung müssen nicht umgesetzt werden. Verlang den Lärmschutznachweis mit den primären Massnahmen — Gerätewahl, Aufstellungsort, Schalldämpfung, Betriebszeitbeschränkung, Leistungsreduktion in der Nacht — schriftlich mit der Offerte.

Kältemittel: die Pflichten, die nach der Montage bleiben

Die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung knüpft an die Füllmenge an, nicht an die Leistung:

  • Über 3 kg Kältemittel: Melde die Inbetriebnahme dem BAFU innerhalb von drei Monaten, mit Datum, Namen des Fachunternehmens, Art, Standort und Kälteleistung der Anlage sowie Art und Menge des Kältemittels. Das BAFU stellt eine Identifikationsnummer aus, die «sichtbar, leicht lesbar und dauerhaft auf der Anlage» anzubringen ist. Standort- und Mengenänderungen sind umgehend zu melden.
  • Über 3 kg oder über 5 Tonnen CO2-Äquivalent: regelmässige Dichtigkeitskontrolle, mindestens bei jedem Eingriff und jeder Wartung. Bei einer Leckage muss die Instandstellung umgehend veranlasst werden.
  • Über 3 kg: Wartungsheft mit dem Namen der Inhaberin und Einträgen der Fachperson nach jedem Eingriff.
  • Immer: Der Umgang mit Kältemitteln beim Herstellen, Installieren, Warten oder Entsorgen ist fachbewilligungspflichtig. Kältemittel und vorbefüllte Anlagen, deren Inbetriebnahme einen Eingriff in den Kältekreislauf erfordert, dürfen nur an solche Personen abgegeben werden.
  • Beim Kauf: Monosplit-Klimakälteanlagen mit weniger als 3 kg Füllmenge pro Kältekreislauf dürfen nicht in Verkehr gebracht werden, wenn das Kältemittel ein Treibhauspotenzial von 750 oder mehr aufweist. Das schliesst einen Teil des früheren Marktangebots aus — frag nach dem Kältemittel und seinem Treibhauspotenzial, bevor du unterschreibst.

Welche Alternativen ohne Kältemaschine auskommen

  • Aussenliegender Sonnenschutz. Er hält die Wärme vor dem Glas zurück, ist beim Kühlen ohnehin gefordert und kostet keinen Strom für Kälte.
  • Nachtauskühlung. Die Vollzugshilfe EN-110 rechnet die Fensterlüftung ausdrücklich in die Bedarfsbeurteilung ein: Wer Tag und Nacht über Fenster lüften kann, verschiebt die Schwelle zur «notwendigen» Kühlung von 120 auf über 200 Wattstunden je Quadratmeter und Tag.
  • Free Cooling über eine bestehende Erdsonde. Die Sole kühlt den Boden, die Wärmepumpe läuft dabei nicht als Kältemaschine. ⚠ Das ist nicht folgenlos: Kalte Rohre in feuchter Dämmung können Kondensation und Korrosion auslösen — lass die bauphysikalischen Randbedingungen vorher prüfen.
  • Kühlung über die Fussbodenheizung mit denselben Vorbehalten.

Was heisst das für dich

Ruf zuerst das Bauamt deiner Gemeinde an und frag zwei Dinge: ob die Montage des Aussengeräts an dieser Fassade anzeige- oder bewilligungspflichtig ist, und welche Empfindlichkeitsstufe für deine Parzelle gilt. Verlang dann von der Anbieterin den Schallleistungspegel des Geräts und einen Lärmschutznachweis, der Aufstellungsort, Richtwirkungsmass und die Pegelkorrekturen von 5 dB am Tag und 10 dB in der Nacht enthält — nicht bloss den Prospektwert. Prüf das Kältemittel und seine Füllmenge, bevor du unterschreibst: über 3 Kilogramm folgen Meldung, Kontrolle und Wartungsheft ein Anlagenleben lang. Und stell die Frage, mit der jeder gute Planer beginnt: Was bringt der aussenliegende Sonnenschutz allein? Er ist billiger, leiser und braucht keine Bewilligung.

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