Grüne Flecken an der Fassade: woher Algen kommen und was hilft
Warum die gedämmte Nordfassade grün wird, ob das ein Baumangel ist, was Reinigen bringt und welche baulichen Massnahmen den Bewuchs dauerhaft bremsen.

Drei Jahre nach der Fassadensanierung zieht sich ein grünlicher Schleier über die Nordseite, unter dem Fenstersims am stärksten. Der Maler sagt, das komme von der Dämmung. Der Nachbar mit dem unsanierten Haus hat nichts. Beides stimmt — und die Frage ist jetzt, ob du das reinigen, streichen oder umbauen musst. Die Antwort hängt nicht vom Mittel ab, sondern davon, wie lange die Fassade nass bleibt.
Kurzantwort
- Algen wachsen dort, wo die Fassade lange feucht ist. Die Nährstoffe kommen mit dem Wind, die Energie von der Sonne; die Feuchte ist der einzige Faktor, den du beeinflussen kannst.
- Die gedämmte Fassade ist aussen kälter und kühlt in klaren Nächten unter die Lufttemperatur ab. Dann schlägt sich Tauwasser nieder — jede Nacht neu.
- Ein Funktionsverlust durch oberflächlichen Bewuchs ist nicht bekannt. Es ist ein optisches Thema, kein technisches.
- Ein Vordach schützt etwa die dreifache Höhe seines Überstands bei starkem Schlagregen und reduziert zusätzlich die nächtliche Abstrahlung.
- Biozide wirken, bis sie ausgewaschen sind. In der Schweiz gelangen so schätzungsweise 10 bis 30 Tonnen jährlich in die Umwelt.
Warum gerade die gedämmte Fassade grün wird
Der Mechanismus ist unspektakulär und lässt sich in drei Schritten erzählen. Eine schlecht gedämmte Aussenwand verliert Wärme nach aussen; ihre Oberfläche bleibt dadurch etwas wärmer als die Umgebungsluft und trocknet schneller ab. Eine gut gedämmte Wand tut das nicht mehr. In einer klaren Nacht strahlt ihre Putzoberfläche Wärme gegen den Himmel ab und wird dabei kälter als die Luft davor. Unterschreitet sie die Taupunkttemperatur, kondensiert Wasser aus der Luft direkt auf dem Putz.
Das BAFU beschreibt genau diese Kette: Algen und Pilze gelangen über den Wind an die Fassade und können dort bei ausreichender Feuchtigkeit wachsen; besonders durch einen zu geringen Dachvorsprung und regelmässig anfallendes Kondenswasser, besonders an der gedämmten Fassade, wird die Fassade immer wieder feucht. Algen holen ihre Nährstoffe aus der Luft und nutzen die Energie des Sonnenlichts — sie brauchen von dir nichts als Wasser und Zeit.
Deshalb erscheint der Bewuchs zuerst an den erwartbaren Stellen: an der Nord- und Wetterseite, unter Fenstersimsen und Attiken, hinter Bäumen und Sträuchern, im Sockelbereich mit Spritzwasser und über Fenstern, an denen dauerhaft gekippt gelüftet wird. Das BAFU nennt als Standortfaktoren Höhenlage, Windverhältnisse, Nähe zu Gewässern sowie Luftqualität und Luftfeuchtigkeit. Ein Haus am Waldrand oder an einem Bach hat es schwerer als eines mitten im Dorf, unabhängig vom Anstrich. Welche Dämmvariante an deiner Fassade überhaupt infrage kommt, ist im Artikel Fassadendämmung von aussen oder innen beschrieben.
Ob der Bewuchs die Fassade schädigt und ob er ein Mangel ist
Technisch ist die Antwort deutlich. Der SIA-Normentwurf prSIA 243:2024-11 zur verputzten Aussenwärmedämmung — die Vernehmlassungsfassung, die den heutigen Wissensstand zusammenfasst und noch keine Gültigkeit beansprucht — hält in Ziffer 2.1.1.7 fest: «Ein Verlust der technischen Funktionalität der VAWD durch oberflächlichen Bewuchs mit Algen und Pilzen ist nicht bekannt.» Und Ziffer 2.1.1.8 geht noch weiter: In durch Spritzwasser belasteten Bereichen, etwa Sockelzonen und Anschlüssen an wasserführende Ebenen, ist eine erhöhte Bewuchsbildung zu tolerieren.
Rechtlich wird daraus regelmässig trotzdem ein Streitpunkt bei der Abnahme, weil die Erwartung eine andere war. Zwei Punkte helfen weiter. Erstens: Der Entwurf verknüpft den Verzicht auf Filmschutzmittel ausdrücklich mit einer Bedingung — «Voraussetzung für einen solchen Aufbau ist der konstruktive Witterungsschutz. Ist dies nicht gegeben, muss ein Algen- und Pilzbefall toleriert werden.» Wer ein biozidfreies System bestellt und gleichzeitig auf den Dachüberstand verzichtet, hat die Folge mitbestellt. Zweitens: Ist ein bestimmtes Erscheinungsbild über eine bestimmte Dauer schriftlich vereinbart, ist das eine vertragliche Zusicherung und wird nach den Regeln des Werkvertrags beurteilt — dann laufen Fristen, die im Artikel Baumängel rügen beschrieben sind.
Die praktische Konsequenz für die Abnahme: Schreib vor der Ausführung in den Werkvertrag, welches System eingesetzt wird, ob es Filmschutzmittel enthält und welche konstruktiven Massnahmen dazugehören. Nach der ersten grünen Saison ist diese Diskussion nicht mehr zu gewinnen.
Welche Massnahmen wirken und wie lange
Die folgende Übersicht ordnet die Massnahmen nach dem, was sie an der Ursache ändern. Sie folgt den Vorbeugemassnahmen des BAFU und den konstruktiven Hinweisen des SIA-Normentwurfs.
| Ursache | Massnahme | Was sie bewirkt |
|---|---|---|
| Schlagregen und nächtliche Abstrahlung | Vordach oder grösserer Dachüberstand | schützt bei starkem Schlagregen etwa die dreifache Höhe seines Überstands und hält die Fassade bei vielen Regenereignissen ganz trocken; reduziert zugleich die nächtliche Wärmeabstrahlung und damit das Tauwasser |
| Spritzwasser vom Boden | Spritzwasserschutz im Sockelbereich, Dachrinnen kontrollieren und reinigen, Bewässerung anders ausrichten | nimmt die Dauerfeuchte an der am stärksten befallenen Zone weg |
| Beschattung und Spritzwasser durch Pflanzen | Bäume und Sträucher zurückschneiden | mehr Sonne und Wind auf der Fläche, kürzere Abtrocknungszeit |
| Kondensat aus der Innenluft | nicht dauerhaft gekippt lüften, sondern drei- bis viermal täglich stossweise | verhindert den Streifen über dem Fenster, der sonst zuverlässig zuerst grün wird |
| Träge Rücktrocknung des Putzes | dickere Grundputze mit höherer Wärme- und Feuchtespeicherung, aufeinander abgestimmte Putze und Beschichtungen | die Fläche nimmt Feuchte auf und gibt sie schneller wieder ab |
| Schäden und Ablagerungen | regelmässige Sichtkontrolle, keine Gegenstände an die Kompaktfassade lehnen, Schnee wegräumen | an Beschädigungen sammelt sich Feuchte, und Streusalz schädigt die Oberfläche zusätzlich |
Zwei Details aus derselben Quelle, die im Alltag oft danebengehen: Grillgeräte gehören mit mindestens einem Meter Abstand zur Fassade aufgestellt, weil manche Dämmstoffe temperaturempfindlich sind. Und ein sichtbarer Algenbewuchs sollte rasch entfernt werden, bevor er sich weiter ausbreitet — nicht erst, wenn die ganze Wand grün ist.
Was Reinigen bringt und was es kaputt macht
Reinigen ist kein Ersatz für eine bauliche Massnahme, aber es hält das Bild in Ordnung, solange die Ursache bleibt. Zwei Regeln stehen dazu beim BAFU. Erstens: Verschmutzte oder befallene Stellen wie Fensterbrett und Sockelbereich lassen sich vorsichtig mit heissem Wasser und einer weichen Bürste reinigen. Zweitens: Fassaden sollen nicht mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden, weil der hohe Druck die Beschichtung beschädigt. Eine aufgeraute Putzoberfläche hält Feuchte besser — der Bewuchs kommt danach schneller wieder.
Das Waschwasser ist ein eigenes Thema. Der SIA-Normentwurf hält fest, dass bei der Unterhaltsreinigung und bei einer Reinigung vor einer Neubeschichtung Abwasser anfällt, das mit Reinigungsmitteln, allenfalls bioziden Wirkstoffen und abgelösten Ablagerungen verunreinigt ist; es ist je nach Zusammensetzung aufzufangen und separat zu behandeln. Rechtlich dahinter steht Art. 6 Abs. 1 GSchG, wonach es untersagt ist, Stoffe, die das Wasser verunreinigen können, mittelbar oder unmittelbar in ein Gewässer einzubringen. Das BAFU wird konkret: Farbreste und Reinigungsflüssigkeiten dürfen weder über Toilette und Waschbecken noch über die Kanalisation oder die Strasse entsorgt werden, weil Strassenschächte das Wasser oft direkt ins Gewässer leiten. Farbreste nimmt die Verkaufsstelle zurück.
Wenn du bei der Kontrolle nicht nur Grün, sondern auch Risse findest, gehört das getrennt beurteilt — wie, steht im Artikel Risse in der Fassade beurteilen.
Was du beim nächsten Anstrich entscheidest
Hier fällt die Entscheidung, die zehn bis fünfzehn Jahre trägt. Zwei Wege stehen offen, und beide sind vertretbar.
Der biozidfreie Weg setzt auf rein mineralische Farben und Putze. Sie sind im Gegensatz zu organischen oder teilmineralischen Systemen voll diffusionsoffen und kapillaraktiv: Die Fassade nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie rasch wieder ab. Durch diese schnelle Rücktrocknung und den hohen pH-Wert über 11 schützt sich die Fläche selbst. Die Nachteile benennt das BAFU ebenfalls: anspruchsvollere Verarbeitung als Dickschichtputz, hoch alkalischer pH mit entsprechendem Arbeitsschutz und ein höherer Preis.
Der Weg mit Filmschutz bleibt für Standorte mit sehr hohem Befallsrisiko, an denen ein biozidfreies System den Bewuchs nicht verhindert. Dann gilt: Wirkstoffe bevorzugen, die verkapselt und in der Umwelt leicht abbaubar sind. Verkapselung heisst, dass die Wirkstoffe in 10 bis 20 Mikrometer kleine Polymerkugeln eingebettet sind; Labor- und Feldstudien belegen, dass sie dadurch weniger ausgewaschen werden. Denn ausgewaschen wird immer: Biozide müssen wasserlöslich und an der Oberfläche verfügbar sein, um zu wirken — dieselbe Eigenschaft bringt sie mit dem Regen in Böden, Oberflächengewässer und Grundwasser. Das BAFU schätzt die jährlich auf Schweizer Fassaden eingesetzte Menge auf 10 bis 30 Tonnen.
Für den Vergleich gibt es ein Werkzeug ohne Markennamen: die Umweltetikette der Schweizer Stiftung Farbe. Produkte ohne Biozide gehören zu den Kategorien A und B; optimierte Produkte mit schnell abbaubaren, verkapselten Wirkstoffen gelten als umweltverträglicher als solche mit langsam abbaubaren, frei vorliegenden. Verlang die Etikette in der Offerte, dann vergleichst du zwei Angebote an derselben Skala.
Was heisst das für dich
Geh einmal um das Haus und schreib auf, wo der Bewuchs sitzt — Himmelsrichtung, Höhe, Nähe zu Sims, Sockel oder Pflanzen. Fast immer zeigt diese Liste die Ursache: fehlender Überstand, Spritzwasser, Beschattung oder ein gekipptes Fenster. Nimm dir zuerst diese Ursachen vor, denn sie wirken dauerhaft; ein neuer Anstrich auf unveränderte Bedingungen ist in wenigen Jahren wieder grün. Reinige mit heissem Wasser und weicher Bürste, nie mit Hochdruck, und lass das Waschwasser nicht in den Strassenschacht laufen. Und entscheide beim nächsten Anstrich bewusst zwischen mineralisch und filmgeschützt, statt es dem Malerbetrieb zu überlassen — mit der Umweltetikette als gemeinsamer Skala.
Weiterlesen
- Fassadendämmung von aussen oder innen — welche Variante an deiner Wand möglich ist und was sie für die Oberfläche bedeutet
- Risse in der Fassade beurteilen — was zu tun ist, wenn neben dem Grün auch Risse auftauchen
- Baumängel rügen: Fristen und Reihenfolge — wenn ein Erscheinungsbild vertraglich zugesichert war
- Im Forum: Aussenfassade von Algen und Pilz befallen, Algen, bereits ein Problem und Flecken auf Aussen-Keramikplatten: Flechten, Moos oder Pilz
Quellen
- BAFU, Verputzte Fassaden — Ursachen des Bewuchses, Vorbeugemassnahmen, Wirkung des Vordachs, Reinigungshinweise, 10 bis 30 Tonnen Biozide jährlich, mineralische Systeme mit pH über 11, Verkapselung 10 bis 20 Mikrometer
- prSIA 243:2024-11 «Verputzte Aussenwärmedämmung», Vernehmlassungsentwurf — Ziff. 2.1.1.7 kein bekannter Funktionsverlust, Ziff. 2.1.1.8 Spritzwasserbereiche, Ziff. 2.3.2 Bedingung des konstruktiven Witterungsschutzes, Anhang B.2 Auswaschung und Reinigungsabwasser
- Gewässerschutzgesetz, SR 814.20 — Art. 6, Verbot des Einbringens verunreinigender Stoffe in Gewässer
- Schweizer Stiftung Farbe, Umweltetikette Fassadenfarben — Kategorien und Bewertung der Biozidausrüstung
- SMGV, Fachinfo Nr. 2 «Algen, Pilze und Flechten an Fassaden» — Fachpublikation des Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, kostenpflichtig


