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Energie & Haustechnik

Stromverbrauch im Einfamilienhaus: was normal ist

Wie viel Strom ein Einfamilienhaus mit und ohne Wärmepumpe braucht, woher die amtlichen Vergleichswerte kommen und was eine Abweichung nach oben kostet.

Zwei nebeneinander an der Kellerwand montierte Stromzähler, ein Hauptzähler und ein dedizierter Wärmesubzähler, mit angeschlossenen Kabelrohren.

Die Jahresabrechnung zeigt 11’800 Kilowattstunden. Der Nachbar erzählt beim Gartenhag von 4’200 und schaut mitleidig. Er heizt mit Gas, du mit einer Wärmepumpe — verglichen werden hier zwei völlig verschiedene Dinge. Ob dein Stromverbrauch im Einfamilienhaus zu hoch ist, entscheidet sich erst, wenn Heizung und Warmwasser sauber getrennt sind.

Kurzantwort

  • Der Landesdurchschnitt liegt bei rund 4’800 kWh je Haushalt — unsere

Rechnung aus 70.2 Petajoule Haushaltsstrom und 4’048’000 Haushalten im Jahr

  1. Darin stecken Wohnungen; für ein Haus ist die Zahl zu tief.
  • Die brauchbaren Vergleichswerte sind die ElCom-Profile: 7’500 kWh für ein

Einfamilienhaus ohne Heizstrom, 13’000 kWh mit Wärmepumpe, 25’000 kWh mit elektrischer Widerstandsheizung.

  • Über 40 Prozent des Haushaltsstroms gehen in Raumwärme und Warmwasser.

Ein Vergleich ohne Angabe des Heizsystems ist damit wertlos.

  • Der Unterschied zwischen Wärmepumpe und Widerstandsheizung ist Faktor 3.2

— 5’500 gegen 17’500 Kilowattstunden Heizstrom in denselben Profilen.

  • Der Preis je Kilowattstunde ist Gemeindesache. Erst der eigene Tarif macht

aus Kilowattstunden Franken.

Was der Landesdurchschnitt hergibt und was nicht

Das Bundesamt für Energie lässt den Energieverbrauch der Privaten Haushalte jährlich nach Verwendungszwecken auswerten. Für 2024 weist der Bericht 70.2 Petajoule Elektrizität aus und in derselben Publikation 4’048’000 Haushalte.

Das sind 19.5 Milliarden Kilowattstunden auf 4.048 Millionen Haushalte, also rund 4’800 Kilowattstunden je Haushalt. Die Zahl ist korrekt und für dein Haus trotzdem unbrauchbar: Der weitaus grösste Teil der Schweizer Haushalte lebt in Wohnungen, und eine Wohnung hat weder einen Garten noch eine Wärmepumpe noch eine Werkstatt im Keller. Wer sein Einfamilienhaus am Landesmittel misst, kommt immer zu schlecht weg.

Welcher Stromverbrauch im Einfamilienhaus normal ist

Es gibt amtliche Vergleichsprofile, und sie sind für diesen Zweck gemacht: die Verbrauchskategorien, mit denen die ElCom die Strompreise vergleicht. Sie beschreiben Musterhaushalte mit einer festen Ausstattung. Daneben steht der Medianpreis über alle 2’125 Gemeinden im Tarifjahr 2026 — unsere Auswertung des ElCom-Datensatzes — und die Jahresrechnung, die sich daraus ergibt.

ProfilAusstattungVerbrauchMedianpreis 2026Jahresrechnung
H45-Zimmerwohnung, Elektroherd und Tumbler, ohne Elektroboiler4’500 kWh27.89 Rp.rund 1’255 Fr.
H55-Zimmer-Einfamilienhaus, Elektroherd, Elektroboiler, Tumbler7’500 kWh25.99 Rp.rund 1’950 Fr.
H7wie H5, zusätzlich Wärmepumpe 5 kW zur Beheizung13’000 kWh25.08 Rp.rund 3’260 Fr.
H6wie H5, aber mit elektrischer Widerstandsheizung25’000 kWh23.56 Rp.rund 5’890 Fr.

Damit hast du den Massstab, der zu deinem Haus passt. Heizt du mit Öl, Gas oder Holz und machst das Warmwasser über den Heizkessel, ist H5 dein Vergleichswert. Hast du eine Wärmepumpe, ist es H7. Und wenn im Haus noch eine elektrische Widerstandsheizung läuft, ist es H6.

Wie viel davon die Heizung ist

Die drei Profile sind so gebaut, dass sie sich voneinander abziehen lassen. H5 und H7 beschreiben dasselbe Haus mit derselben Ausstattung; der einzige Unterschied ist die Wärmepumpe. Also:

  • 13’000 − 7’500 = 5’500 kWh Heizstrom für die Wärmepumpe
  • 25’000 − 7’500 = 17’500 kWh Heizstrom für die Widerstandsheizung
  • Verhältnis: Faktor 3.2

In Franken zu Medianpreisen 2026: 5’890 Franken für das Haus mit Widerstandsheizung gegen 3’260 Franken für dasselbe Haus mit Wärmepumpe. Das sind rund 2’630 Franken Unterschied — jedes Jahr, für exakt dieselbe Wärme im Wohnzimmer. Deshalb ist der Ersatz einer Elektroheizung oder eines Elektroboilers in fast jedem Fall die Massnahme mit der kürzesten Rückzahldauer.

Diese 5’500 Kilowattstunden sind ein Modellwert für ein Musterhaus, kein Messwert für deins. Grösse, Dämmzustand, Vorlauftemperatur und Warmwasserbedarf verschieben ihn in beide Richtungen deutlich.

Wohin der Strom im Haushalt sonst geht

Der BFE-Bericht schlüsselt den gesamten Haushaltsstrom nach Verwendungszwecken auf. Die Werte für 2024, in Petajoule und als Anteil:

Verwendungszweck2024 in PJAnteil
Raumwärme18.326.1 %
Warmwasser10.014.3 %
sonstige Elektrogeräte9.012.8 %
Kochen8.311.8 %
Unterhaltung, Information, Kommunikation5.78.1 %
Kühlen und Gefrieren5.17.3 %
Klima, Lüftung, Haustechnik4.46.2 %
Waschen und Trocknen4.05.7 %
Beleuchtung3.44.8 %
Geschirrspüler2.02.9 %
Total70.2100 %

Zwei Entwicklungen darin sind für die Suche nach dem eigenen Mehrverbrauch wichtig. Die Beleuchtung ist seit 2000 um 47.4 Prozent gefallen und macht noch 4.8 Prozent aus — Licht ist kein Hebel mehr. Die «sonstigen Elektrogeräte» sind im selben Zeitraum um 94.1 Prozent gestiegen und liegen inzwischen über der Beleuchtung, dem Geschirrspüler und dem Waschen zusammen. Wenn deine Zahl unerklärt hoch ist, steht die Ursache mit einiger Wahrscheinlichkeit in dieser Zeile: Dauerläufer, Zweitgeräte, Netzteile, Aussenanlagen.

Wie du deine eigene Zahl auf die Profile bringst

Der Zähler zeigt eine Summe. Um sie mit H5 oder H7 vergleichen zu können, musst du den Heizanteil herauslösen. Drei Wege, in dieser Reihenfolge:

  1. Eigener Zähler. Viele Wärmepumpen haben einen eigenen Zähler oder hängen

an einem separaten Tarifkreis. Das ist die saubere Antwort und kostet nichts ausser einem Blick in den Kasten.

  1. Sommermonate hochrechnen. Nimm zwei Monate ohne jede Heizung, meist Juli

und August, rechne sie auf zwölf Monate hoch und zieh das Ergebnis vom Jahresverbrauch ab. Was bleibt, ist Heizung samt Warmwasser. Der Fehler dieser Methode liegt beim Warmwasser, das im Sommer weiterläuft — sie liefert eine Untergrenze für den Heizanteil, keine exakte Zahl.

  1. Vier Ablesungen im Jahr statt einer. Quartalsstände zeigen dir, ob der

Mehrverbrauch im Winter oder gleichmässig über das Jahr anfällt. Das ist die wichtigste Unterscheidung überhaupt: Winterlast heisst Heizung, gleichmässige Last heisst Gerät.

Wie du dieselbe Rechnung für Heizöl, Gas und Fernwärme aufziehst und auf eine Kennzahl je Quadratmeter bringst, steht in der Einordnung des Energieverbrauchs deines Hauses.

Was heisst das für dich

Vergleich dich mit dem richtigen Profil, nicht mit dem Nachbarn. Ohne Wärmepumpe ist H5 mit 7’500 Kilowattstunden dein Massstab, mit Wärmepumpe H7 mit 13’000.

Trenn den Heizstrom ab, bevor du irgendetwas beurteilst. Über 40 Prozent des Haushaltsstroms hängen an Raumwärme und Warmwasser, und dieser Teil sagt etwas über das Haus aus, nicht über dein Verhalten.

Wenn dein Wärmepumpenhaus deutlich über 13’000 Kilowattstunden liegt, such zuerst bei der Heizung und nicht bei den Geräten: Vorlauftemperatur, Warmwassertemperatur, Betriebsstunden des Elektroheizstabs. Ein Heizstab, der still mitläuft, kostet mehr als jeder Kühlschrank.

Und rechne den Betrag mit deinem eigenen Rappenwert. Zwischen der günstigsten und der teuersten Gemeinde liegt beim Haushaltstarif ein Vielfaches, wie der Artikel zu den Strompreisunterschieden zwischen den Gemeinden zeigt. Derselbe Verbrauch ergibt je nach Adresse eine ganz andere Rechnung.

Weiterlesen

— Heizöl, Gas und Strom auf einer Kennzahl

— woraus der Rappenwert besteht

— die Massnahme mit der kürzesten Rückzahldauer

Quellen

November 2025 — Tab. 7 (Haushalte) und Tab. 10 (Elektrizität nach Verwendungszwecken)

Oktober 2025

Tarifjahr 2026, Verbrauchsprofile H4 bis H7

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