Warum dein Strompreis von der Gemeinde abhängt
Zwischen der günstigsten und der teuersten Schweizer Gemeinde liegt beim Haushaltstarif der Faktor 4,5. Woraus der Preis besteht und was du ändern kannst.

Zwei Einfamilienhäuser, gleicher Verbrauch, gleicher Wärmepumpentyp. Das eine zahlt im Jahr rund 1’150 Franken für den Strom, das andere über 5’200. Der Unterschied liegt nicht am Haus und nicht am Verhalten, sondern an der Adresse. Der Strompreis ist in der Schweiz eine Gemeindefrage, und das ist der Grund, warum jeder Heizungs- oder Solarvergleich ohne Gemeinde eine halbe Auskunft ist.
Kurzantwort
- Der Preis wird je Netzgebiet festgelegt, nicht national. Im Tarifjahr
2026 führt die ElCom für 2’124 Gemeinden einen Haushaltstarif der Kategorie H4.
- Die Bandbreite ist gross: von 9,64 Rappen je Kilowattstunde in
Zwischbergen (VS) bis 43,61 Rappen in Kestenholz (SO) — Faktor 4,5. Der Mittelwert der Gemeinden liegt bei rund 27,9 Rappen. Die drei Zahlen sind unsere Auswertung des ElCom-Datensatzes.
- Der Preis besteht aus vier Teilen: Energie, Netznutzung, Abgaben an das
Gemeinwesen und Netzzuschlag des Bundes. Nur der Netzzuschlag ist überall gleich — 2,30 Rappen.
- Wechseln kannst du als Haushalt nicht. Das Netz ist ein Monopol. Was du
wählen kannst, ist das Produkt deines Betreibers.
- Für einen Wärmepumpen-Vergleich ist H7 die richtige Kategorie, nicht H4.
H4 ist eine Wohnung ohne Heizung im Tarif.
Was du zahlst, wenn du eine Kilowattstunde beziehst
Die ElCom weist den Tarif in vier Bestandteilen aus. Für Bern sieht das im Tarifjahr 2026 bei der Kategorie H4 so aus:
| Bestandteil | Rappen je kWh | Wer ihn festlegt |
|---|---|---|
| Energie | 13.20 | der Netzbetreiber, aus Beschaffung und eigener Produktion |
| Netznutzung | 13.03 | der Netzbetreiber, überwacht von der ElCom |
| Abgaben an das Gemeinwesen | 2.65 | Gemeinde und Kanton |
| Netzzuschlag des Bundes | 2.30 | der Bund, national einheitlich |
| Total | 33.26 |
Der Netzzuschlag ist der einzige Posten, der überall gleich ist. Die Netznutzung hängt daran, wie teuer das Netz im Gebiet zu bauen und zu halten ist — ein Bergtal mit wenigen Anschlüssen je Kilometer Leitung ist teurer als eine Stadt. Der Energieanteil hängt daran, wie und wann der Betreiber Strom beschafft hat und wie viel er selbst produziert. Und die Abgaben sind eine politische Entscheidung vor Ort.
Genau diese Mischung erklärt die Extremwerte. In Zwischbergen im Wallis lag der Energieanteil 2026 bei 2,24 Rappen und die Abgabe an das Gemeinwesen bei null; in Kestenholz im Kanton Solothurn bei 25,50 Rappen. Beides ist derselbe Datensatz, dasselbe Jahr, dieselbe Musterkategorie.
Was die Buchstaben H1 bis H8 bedeuten
Die ElCom rechnet nicht mit deinem Zähler, sondern mit Musterhaushalten. Ein Vergleich zwischen zwei Gemeinden ist nur dann einer, wenn beide Seiten dieselbe Kategorie meinen. Die Beschreibungen stammen wörtlich aus dem Datensatz:
| Kategorie | Jahresverbrauch | wofür sie steht |
|---|---|---|
| H4 | 4’500 kWh | 5-Zimmerwohnung mit Elektroherd und Tumbler, ohne Elektroboiler |
| H5 | 7’500 kWh | 5-Zimmer-Einfamilienhaus mit Elektroherd, Elektroboiler und Tumbler |
| H6 | 25’000 kWh | 5-Zimmer-Einfamilienhaus mit elektrischer Widerstandsheizung |
| H7 | 13’000 kWh | 5-Zimmer-Einfamilienhaus mit Wärmepumpe 5 kW zur Beheizung |
Das ist der Punkt, an dem Heizungsvergleiche still danebenliegen. Wer eine Wärmepumpe mit dem H4-Tarif durchrechnet, rechnet mit dem Preis einer Wohnung ohne Heizung — und kommt zu teuer heraus, weil grössere Bezugsmengen in fast allen Netzgebieten günstiger sind. In Bern liegt H7 im Tarifjahr 2026 bei 31,90 Rappen und damit 1,36 Rappen unter H4. Bei 6’800 Kilowattstunden im Jahr sind das rund 93 Franken Unterschied — jedes Jahr, zwanzig Jahre lang.
Was du beeinflussen kannst und was nicht
Nicht beeinflussbar: der Netzbetreiber. Haushalte sind in der Grundversorgung; das Netzgebiet ist ein Monopol. Ein Anbieterwechsel wie beim Mobilfunk gibt es nicht.
Beeinflussbar: das Produkt. Die meisten Betreiber führen neben dem Standardprodukt ein günstigeres und mindestens ein teureres mit höherem Ökostromanteil. Der Datensatz der ElCom unterscheidet die Tarife nach «standard» und «cheapest» — die Differenz liegt in vielen Gebieten im Bereich von ein bis drei Rappen.
Beeinflussbar: der Tarif zur richtigen Zeit. Wo ein Doppeltarif angeboten wird, kostet die Kilowattstunde nachts und am Wochenende weniger. Für eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher oder einen Wärmepumpenboiler ist das die Stelle, an der eine Zeitschaltung Geld spart, ohne dass jemand friert.
Beeinflussbar: der Bezug selbst. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach, die im Haus verbraucht wird, spart den vollen Bezugspreis — nicht den Rückliefertarif. Deshalb ist der Eigenverbrauchsanteil bei einer Solaranlage die Zahl, die über die Rechnung entscheidet, und deshalb rechnet sich dieselbe Anlage in Kestenholz anders als in Zwischbergen. Was das für dein Dach heisst, zeigt der Solar-Check mit dem Tarif deiner Gemeinde.
Warum der Landesdurchschnitt nichts über deinen Strompreis in der Gemeinde sagt
Es gibt eine zweite amtliche Preisreihe: Das Bundesamt für Statistik erhebt im Landesindex der Konsumentenpreise monatlich Durchschnittspreise für Energie, darunter Elektrizität nach denselben Verbrauchstypen. Diese Reihe ist die richtige Quelle für eine Frage wie «wie hat sich Strom über zehn Jahre entwickelt» — und die falsche für die Frage, was du zahlst.
Der Grund steht in den Zahlen oben: Ein Landesmittel liegt zwischen einem Faktor 4,5, und für die einzelne Gemeinde ist es entweder deutlich zu hoch oder deutlich zu tief. Rechnungen mit einem nationalen Strompreis lassen eine Wärmepumpe in der einen Gemeinde zu gut und in der anderen zu schlecht aussehen. Beide Male sieht das Ergebnis plausibel aus.
Wo die Zahlen herkommen
Die ElCom veröffentlicht die Tarife aller Netzbetreiber je Gemeinde und Jahr als offene Daten; die Nutzungsbedingung auf opendata.swiss lautet «Freie Nutzung». Der Datensatz reicht bis 2011 zurück und wird jährlich Ende August für das kommende Tarifjahr ergänzt.
Wo mehrere Netzbetreiber in einer Gemeinde liefern — im Tarifjahr 2026 in 127 der 2’125 Gemeinden —, gibt es nicht einen Preis, sondern mehrere. Wir zeigen in unseren Rechnern den Median und weisen die Spanne daneben aus; die Zuordnung, welcher Betreiber deine Adresse versorgt, steht auf deiner Stromrechnung.
Was heisst das für dich
Nimm deine Stromrechnung und such den Rappenwert je Kilowattstunde — nicht den Monatsbetrag. Nur damit kannst du rechnen.
Prüf, in welcher Kategorie du eigentlich bist. Wenn du eine Wärmepumpe hast oder eine planst, ist H7 der Vergleichswert und nicht H4. Der Unterschied klingt nach Kleingeld und ist über die Lebensdauer einer Heizung ein vierstelliger Betrag.
Frag deinen Netzbetreiber nach dem Produktvergleich und nach dem Doppeltarif. Beides kostet nichts ausser einem Anruf, und beides ist eine der wenigen Stellschrauben, die dir bleiben.
Und rechne jede Investition mit deinem Tarif durch, nicht mit einem Landesmittel. Der Heizungsvergleich nimmt den ElCom-Tarif deiner Gemeinde und schreibt daneben, aus welchem Jahr er ist.
Weiterlesen
— Strom, Heizung und Warmwasser sauber getrennt
— warum der Eigenverbrauchsanteil über die Rechnung entscheidet
Quellen
Tarifjahr 2026
— Nutzungsbedingung «Freie Nutzung»
(su-d-05.02.91)


