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Energie & Haustechnik

Sonnendach lesen: was «gut» und «hervorragend» in Kilowattstunden heissen

Was die Klassen «gering» bis «hervorragend» in Kilowattstunden heissen, wie der Stromertrag gerechnet wird und warum die Frankenzahl im Datensatz täuscht.

Ein an der Wand montierter Photovoltaik-Wechselrichter im Hauswirtschaftsraum, daneben eine DC-Kombibox und zwei Kabelrohre zu einem Ost‑West‑Satteldachmodell.

Auf der Bundeskarte steht bei deinem Dach ein Wort — «mittel», «gut», «hervorragend» — und daneben eine Frankenzahl. Zwei Wochen später sitzt ein Solarteur in der Stube und nennt eine ganz andere Zahl. Beide berufen sich auf dieselben Daten. Der Unterschied ist, dass die Sonnendach-Karte eine Kennzahl je Quadratmeter zeigt und die Offerte eine Anlage mit einer bestimmten Zahl Module.

Kurzantwort

  • Die Klasse ist ein Einstrahlungsband, keine Wirtschaftlichkeit. gering

unter 800, mittel ab 800, gut ab 1’000, sehr gut ab 1’200, hervorragend ab 1’400 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr.

  • Der Stromertrag ist eine feste Rechnung: 0.2 × 0.8 × Gesamteinstrahlung —

20 Prozent Modulwirkungsgrad, 80 Prozent Performance Ratio. Kein Modell deiner Anlage, sondern ein Standardansatz für alle.

  • Die Frankenzahl im Datensatz taugt nicht als Rechengrundlage. Sie

entspricht in unseren Stichproben exakt 10 Rappen je Kilowattstunde — ohne deinen Tarif, ohne Eigenverbrauch, ohne Rückliefertarif.

  • Die Fläche ist die ganze Dachfläche, nicht die belegbare. Kamine,

Dachfenster, Abstände und Randzonen sind nicht abgezogen.

  • Die Einmalvergütung ist heute reiner Leistungsbeitrag: 360 Franken je

Kilowatt bei einer angebauten Anlage unter 30 kW, 400 Franken bei einer integrierten. Einen Grundbeitrag gibt es seit 2023 für Anlagen über 5 kW nicht mehr.

Was die Sonnendach-Klassen in Kilowattstunden heissen

Die Klasse ist nicht das Ergebnis einer Beurteilung, sondern eine Einteilung einer einzigen Zahl: der mittleren jährlichen Globalstrahlung je Quadratmeter, mit Verschattung gerechnet. Die Bänder stehen in der Dokumentation des Geodatenmodells:

KlasseBezeichnung im Datensatzmittlere Einstrahlung je m² und Jahr
1geringunter 800 kWh
2mittel800 bis unter 1’000 kWh
3gut1’000 bis unter 1’200 kWh
4sehr gut1’200 bis unter 1’400 kWh
5hervorragendab 1’400 kWh

Der entscheidende Punkt daran: In der Klasse steckt keine Fläche. Eine acht Quadratmeter grosse Gaube der Klasse 5 bringt ein Bruchteil dessen, was eine Hauptdachfläche der Klasse 2 bringt. Wer zwei Dächer allein über das Wort vergleicht, vergleicht die Sonne und nicht das Haus.

Die Einstrahlung selbst ist ein Mittelwert über die Jahre 2004 bis 2014 beziehungsweise 2011 bis 2020, je nachdem, wann das Gebiet zuletzt neu gerechnet wurde. Sie enthält die Verschattung durch Nachbargebäude und Gelände. Sie enthält nicht deinen Nussbaum, wenn er jünger ist als das Oberflächenmodell.

Wie aus der Einstrahlung ein Stromertrag wird

Hier hört das Modell auf, kompliziert zu sein. Die Dokumentation nennt die Formel wörtlich: Stromertrag = 0.2 × 0.8 × Gesamteinstrahlung. Zwanzig Prozent Modulwirkungsgrad, achtzig Prozent Performance Ratio, fertig. Das lässt sich an jeder Fläche nachprüfen.

Wir haben das an einem öffentlichen Gebäude gemacht — Bundesplatz 3 in Bern, EGID 2242547, abgerufen am 2. September 2026 über die Schnittstelle von geo.admin.ch. Das Haus hat ein flach geneigtes Satteldach mit einer Ost- und einer Westfläche:

WertWestflächeOstfläche
Fläche245.33 m²247.46 m²
Ausrichtung / Neigung84° / 20°−96° / 20°
mittlere Einstrahlung943 kWh/m²923 kWh/m²
Klasse2 (mittel)2 (mittel)
Gesamteinstrahlung231’345 kWh228’401 kWh
Stromertrag37’015 kWh36’544 kWh
davon Winterhalbjahr8’739 kWh7’744 kWh
davon Sommerhalbjahr28’276 kWh28’800 kWh

Die Probe: 231’345 × 0.2 × 0.8 = 37’015.2, gerundet 37’015. Genau der Wert im Datensatz. Die Ausrichtung liest sich in diesem Datensatz von Süd aus: 0 Grad ist Süd, 90 Grad West, −90 Grad Ost. Die beiden Flächen sind also die West- und die Ostseite desselben Dachs.

Bemerkenswert ist die letzte Zeile. Über das ganze Jahr trennt die beiden Seiten gut ein Prozent. Im Winterhalbjahr sind es dreizehn Prozent — die Westseite liegt vorn. Wer eine Ost-West-Anlage plant und den Winter ernst nimmt, sollte diese Zahl kennen, bevor er beide Seiten gleich behandelt.

Warum die Frankenzahl im Datensatz keine Rechengrundlage ist

Der Datensatz führt neben dem Stromertrag ein Feld mit einem Frankenbetrag. Beim Bundesplatz sind das 3’701.50 Franken für die Westfläche. Wir haben fünf Dachflächen aus verschiedenen Gemeinden abgerufen und den Wert jedes Mal durch den Stromertrag geteilt. Das Ergebnis war fünfmal derselbe Quotient: exakt 0.10 Franken je Kilowattstunde.

Das ist ein Pauschalansatz, und er steht in der Dokumentation des Geodatenmodells nicht — das Feld kommt dort schlicht nicht vor. Was hinter den zehn Rappen fehlt, ist alles, was über deine Rechnung entscheidet: dein Bezugstarif, dein Eigenverbrauchsanteil und der Rückliefertarif deines Netzbetreibers. Der Bezugstarif allein streut zwischen den Gemeinden um mehr als den Faktor vier, wie der Blick auf die Strompreise je Gemeinde zeigt. Eine Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst, ist so viel wert wie dein Bezugspreis; eine, die ins Netz geht, so viel wie der Rückliefertarif — und zwischen den beiden liegt oft der Faktor zwei bis drei.

Nimm die Kilowattstunden aus der Karte. Die Franken rechnest du selbst, mit deinem Tarif und deinem Eigenverbrauchsanteil.

Was die Einmalvergütung heute an dieses Dach zahlt

Die Ansätze stehen in Anhang 2.1 der Energieförderungsverordnung. Sie sind mehrfach gesenkt worden, und viele Übersichten führen noch die Werte von 2022. Massgebend für eine Anlage, die heute in Betrieb geht, sind die Ziffern 2.8 und 2.9 — sie gelten für Anlagen ab dem 1. Januar 2023. Stand der Verordnung:

  1. Januar 2026.
Anlage, Inbetriebnahme ab 1. April 2025GrundbeitragLeistungsbeitrag unter 30 kW
angebaut oder freistehend0 Fr.360 Fr. je kW
integriert (Indach, Solarziegel)0 Fr.400 Fr. je kW

Ein Rechenbeispiel für ein Einfamilienhaus mit 10 Kilowatt Leistung: angebaut 10 × 360 = 3’600 Franken, integriert 10 × 400 = 4’000 Franken. Einen Grundbeitrag gibt es für Anlagen über 5 kW seit dem 1. Januar 2023 nicht mehr; für Anlagen von 2 bis 5 kW fiel er per 1. April 2024 weg.

Zwei Feinheiten, die am Einfamilienhaus selten, aber nicht nie greifen: Ab 30 Kilowatt wird der Leistungsbeitrag nach Ziffer 2.5 «anteilsmässig über die Leistungsklassen berechnet» — jede Stufe bekommt ihren eigenen Satz für ihren Anteil, nicht die ganze Anlage den Satz der obersten Stufe. Und für eine Neigung ab 75 Grad gibt es einen Bonus von 400 Franken je Kilowatt (integriert) beziehungsweise 200 Franken (angebaut). Ob das für dich zählt, steht im Datensatz: das Feld Neigung sagt es dir.

Ob dein Dach angebaut oder integriert gerechnet wird, entscheidet die Bauart: Module auf der bestehenden Dachhaut sind angebaut, Module, die die Dachhaut ersetzen, sind integriert. Der Unterschied macht bei 10 Kilowatt 400 Franken aus — und deutlich mehr bei den Baukosten.

Wenn dein Dach nicht in der Karte steht

Jede Dachfläche trägt ein Erstellungsdatum. Beim Bundesplatz ist es der

  1. April 2020. Die Geometrien kommen aus swissBUILDINGS3D 2.0 von swisstopo;

die Grundlagen für Wärmebedarf, Verschattung und Klima werden seit 2022 Gebiet für Gebiet erneuert, nicht landesweit auf einen Schlag.

Daraus folgt zweierlei. Erstens: Fehlt dein Haus, heisst das «für dieses Gebäude ist keine Fläche berechnet» — nicht «das Dach taugt nichts». Bei einem Neubau ist das der Normalfall. Zweitens: Ein altes Erstellungsdatum bedeutet nicht automatisch alte Ertragswerte. Der Modulwirkungsgrad wurde per 1. Januar 2023 landesweit von 17 auf 20 Prozent angehoben, und die Bundesplatz-Fläche mit Erstellungsdatum 2020 rechnet bereits mit 20 Prozent. Wer eine ältere Notiz mit einem tieferen Ertrag herumliegen hat, schaut besser noch einmal nach.

Was heisst das für dich

Notier dir aus der Karte drei Zahlen je Fläche: Fläche in Quadratmetern, Stromertrag in Kilowattstunden und den Winterwert. Alles andere ist für ein erstes Gespräch nicht nötig.

Zieh von der Fläche ab, was du nicht belegen kannst — Kamine, Dachfenster, Randabstände. Als grobe Orientierung für die Anlagengrösse gilt: Der Datensatz rechnet mit 20 Prozent Modulwirkungsgrad, also mit rund 5 m² je Kilowatt Leistung. Wie du daraus eine sinnvolle Anlagengrösse machst, steht in der Dimensionierung der Photovoltaikanlage.

Rechne die Franken selbst. Nimm den Rappenwert von deiner Stromrechnung, nicht den aus der Karte, und rechne den Eigenverbrauch getrennt vom Rücklieferanteil.

Und leg die Einmalvergütung mit den heutigen Sätzen daneben, nicht mit denen von

  1. Bei 10 Kilowatt sind das 3’600 Franken für eine angebaute Anlage — ein

spürbarer Betrag, aber kein Betrag, der eine unpassende Anlage passend macht.

Weiterlesen

— von der Dachfläche zur Anlagenleistung

— die Zahl, die über die Rechnung entscheidet

— der Rappenwert, mit dem du rechnen musst

Quellen

Datensatz «Eignung von Hausdächern für die Nutzung von Sonnenenergie»

Ausgabe 31.01.2023 — Tab. 3 (Attribute) und Tab. 6 (Domäne EIGNUNG_DACH)

Fassung mit Stand am 1. Januar 2026

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