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Sanieren vor dem Hausverkauf: was sich lohnt und was nicht

Welche Massnahme vor dem Verkauf belegt etwas bringt, warum es für Küche und Bad keine Schweizer Prozentzahl gibt und weshalb der Zeitpunkt mehr entscheidet.

Das Küchenumbau-Kostenvoranschlagsblatt, eine Lieferantenbroschüre, ein Massband und ein Taschenrechner liegen auf einem Küchentisch.

Die Küche ist von 1997, das Bad hat noch die beigen Plättli, und irgendwer sagt dir, mit einer neuen Küche holst du beim Verkauf das Doppelte heraus. Bevor du dafür 45’000 Franken ausgibst, brauchst du eine Antwort auf die Frage, die selten jemand ehrlich beantwortet: Welche Massnahme wird beim Verkauf tatsächlich bezahlt — und welche zahlst nur du? Beim Sanieren vor dem Hausverkauf ist die ehrliche Antwort unbequem, aber sie spart Geld.

Kurzantwort

  • Für Schweizer Eigenheime existiert keine belegte Prozentzahl je Einzelmassnahme. Nicht für die Küche, nicht für das Bad, nicht für Fenster oder Dach. Wer eine nennt, nennt keine Quelle.
  • Belegt ist die Label- und Energiewirkung, und zwar mit engem Geltungsbereich: Minergie-Einfamilienhäuser im Kanton Zürich erzielten in den Jahren 1998 bis 2008 rund 7 Prozent Aufpreis (ZKB/CCRS 2008).
  • Belegt ist die Richtung: Raiffeisen Immobilien schreibt, Sanieren zum Werterhalt sei sinnvoll, «zur Wertsteigerung kurz vor dem Verkauf eher nicht».
  • Der Hebel ist der Zeitpunkt, nicht die Massnahme. Förderbeiträge und Steuerabzüge fallen bei dir an, solange du Eigentümer bist — danach beim Käufer.
  • Was fällig ist, wird eingepreist. Eine Heizung im 24. Betriebsjahr rechnet der Käufer heraus, ob du sie ersetzt oder nicht. Die Frage ist nur, wer die Rechnung bezahlt.

Warum es beim Sanieren vor dem Hausverkauf keine Prozentzahl gibt

Der Grund ist banal: Die Transaktionsdaten, mit denen man das rechnen müsste, liegen bei einer Handvoll Bewertungsfirmen und sind nicht öffentlich. Es gibt Studien zum Preisunterschied zwischen zertifizierten und konventionellen Gebäuden — aber keine, die für Schweizer Eigenheime auseinandernimmt, was eine neue Küche gegenüber einem neuen Dach bringt.

Der HEV Schweiz beschreibt das Ergebnis aus der Praxis. In der News vom 1. Juli 2025 heisst es, viele Eigentümer gingen davon aus, der Wert steige deutlich, wenn sie sanierten: «Das ist aber oft nicht der Fall.» Genannt werden als wertwirksam die Lage, ein «adäquater Grundriss und Ausbaustandard» und die Gebäudehülle. Beim Garten steht der Satz, der die ganze Debatte zusammenfasst: «oft fallen die Kosten allerdings höher aus als die Wertsteigerung».

Raiffeisen Immobilien kommt zum selben Schluss und wird beim Stockwerkeigentum deutlich: Bei einer älteren Wohnung erweise es sich «vielfach als kontraproduktiv», vor dem Verkauf eine hochwertige Küche, luxuriöse Böden und Nasszellen mit Marmorplatten einzubauen — die Interessenten wollten diese Entscheidungen selbst treffen.

Was für Eigenheime tatsächlich belegt ist

Drei Schweizer Untersuchungen tragen eine Zahl. Alle drei haben einen engen Geltungsbereich, und der gehört jedes Mal dazu.

ZKB und CCRS Universität Zürich, 2008. Die Studie «Minergie macht sich bezahlt» stützt sich auf «eine Stichprobe von rund 9’000 Eigenheimen …, die zwischen 1998 und 2008 verkauft wurden. Darunter befinden sich 250 Minergie-Häuser.» Ergebnis: «Dennoch liegt der geschätzte Aufpreis für Einfamilienhäuser bei 7 Prozent. Bei Eigentumswohnungen fällt er mit 3,5 Prozent deutlich kleiner aus.» Das sind echte Transaktionen und eine hedonische Auswertung — aber der Datensatz ist heute 18 Jahre alt und betrifft nur den Kanton Zürich.

Kempf und Syz, 2022. Für Stockwerkeigentum im Kanton Zürich beziffern sie die green premia auf 2.45 Prozent im Kanton und 4.91 Prozent in der Stadt, ausgewertet über «17’743 condominiums for sale». Das sind Angebotspreise, nicht Abschlüsse. Interessant ist die Zerlegung: Nur 6 Prozent des Aufschlags entfallen auf die Energieersparnis, 71 Prozent auf den höheren Komfort.

Wüest Partner für das BAFU, 2022. «Eine Investorin zahlt für eine fossil beheizte Liegenschaft im Durchschnitt rund 4 Prozent weniger als für eine nachhaltig beheizte.» Untersucht wurden «432 seit 2017 durchgeführte Transaktionen von Wohnliegenschaften». Der Untertitel nennt den Geltungsbereich selbst: Wohnrenditeliegenschaften. Für dein Einfamilienhaus ist das eine Richtungsaussage, keine Rechengrösse.

Welche Massnahme in welche Klasse fällt

Die Übersicht ordnet jede Massnahme einer von drei Klassen zu. «Wird eingepreist» heisst: Der Käufer zieht die fällige Investition ab, unabhängig davon, ob du sie machst. «Label- und Energiewirkung belegt» heisst: Es gibt eine Schweizer Studie, mit dem oben genannten Vorbehalt. «Nicht belegt» heisst genau das — nicht «wirkungslos», sondern «ohne Zahl».

MassnahmeKlasseWas belegt istWas daraus folgt
Heizung am Ende der Nutzungsdauer ersetzenwird eingepreist / Energiewirkung belegtfossil beheizte Wohnliegenschaften rund 4 % tiefer bewertet (Wüest Partner/BAFU 2022, Renditeobjekte)jetzt machen, solange Förderung und Abzug bei dir anfallen
Dach oder Fassade dämmenwird eingepreist / Energiewirkung belegtGebäudehülle «steigert nicht nur den Wert, sondern kann auch die Betriebskosten senken» (HEV 2025)fällig ist fällig; sonst Offerte einholen und einpreisen
Fenster ersetzenwird eingepreistkeine eigene Schweizer Zahl je BauteilZustand offenlegen, Kostenspanne belegen
Minergie-Zertifizierung oder gute GEAK-KlasseLabel-/Energiewirkung belegtEFH +7 %, EWG +3.5 % (ZKB/CCRS 2008, ZH, 1998–2008); EWG +2.45 % Kanton, +4.91 % Stadt (Kempf/Syz 2022, Angebotspreise)nur sinnvoll, wenn ohnehin umfassend saniert wird
Küche ersetzennicht belegt«vielfach als kontraproduktiv» kurz vor dem Verkauf (Raiffeisen Immobilien)nicht vor dem Verkauf; Preis stattdessen ehrlich ansetzen
Bad oder Nasszellen erneuernnicht belegtdieselbe Einordnung wie bei der Küchereinigen, reparieren, nicht neu bauen
Gartengestaltungnicht belegt«oft fallen die Kosten allerdings höher aus als die Wertsteigerung» (HEV 2025)pflegen statt umbauen
Malerarbeiten, Bodenpflege, Reparaturenwerterhaltendkeine Zahl; wirkt über den Eindruck und ist steuerlich Unterhaltim Verkaufsjahr machen, Abzug nutzen

Zur Zeile «wird eingepreist» gehört eine Erklärung. Wie stark ein Bauteil an Wert verloren hat, drücken Schätzungen über die technische Entwertung aus: Die Schaffhauser Schätzungsrichtlinie definiert den Minderwert als die Einbusse, die «beim Neuwert seit der Erstellung zufolge Alters, Abnützung und anderer Gründe eingetreten ist», abhängig «vom Alter, von der mutmasslichen Lebensdauer und vom Zustand des Objektes». Diese Richtlinie gilt für Versicherungswerte. Für dich heisst der Gedanke schlicht: Ein Bauteil am Ende seiner Nutzungsdauer ist eine Rechnung mit Datum. Ob du sie bezahlst oder der Käufer sie vom Preis abzieht, ist eine Frage der Reihenfolge — nicht eine Frage, ob sie anfällt. Welche Nutzungsdauer für welches Bauteil gilt, steht in der Übersicht zur Lebensdauer der Bauteile.

Warum der Zeitpunkt mehr entscheidet als die Massnahme

Hier liegt der Teil, den du wirklich steuern kannst, und er hat drei Stellschrauben.

Der Unterhaltsabzug fällt beim Eigentümer an. Nach Art. 32 Abs. 2 DBG kannst du bei Liegenschaften im Privatvermögen die Unterhaltskosten abziehen; Investitionen, die dem Energiesparen und dem Umweltschutz dienen, sind den Unterhaltskosten gleichgestellt. Verkaufst du zuerst und saniert der Käufer nachher, zieht er ab, nicht du. Welche Position als Unterhalt gilt und welche nicht, steht im Artikel werterhaltend oder wertvermehrend.

Energetische Investitionen sind verteilbar. Art. 32 Abs. 2bis DBG lässt sie «in den zwei nachfolgenden Steuerperioden» abziehen, soweit sie im Jahr der Aufwendung steuerlich nicht vollständig berücksichtigt werden können — zusammen also bis zu drei Steuerperioden. Bei einer grossen Sanierung im Jahr vor dem Verkauf ist das oft der Unterschied zwischen einem halben und einem ganzen Abzug. Die Mechanik und ihre Fallstricke stehen in der Verteilung der Sanierungskosten auf drei Steuerjahre.

Der wertvermehrende Teil senkt die Grundstückgewinnsteuer. Nach Art. 12 Abs. 1 StHG unterliegt der Steuer, was der Erlös über die Anlagekosten hinaus einbringt — und Anlagekosten sind «Erwerbspreis oder Ersatzwert zuzüglich Aufwendungen». Jede belegte wertvermehrende Rechnung senkt also den steuerbaren Gewinn. Ohne Beleg zählt sie nicht; wie der Kanton rechnet, steht im Artikel zur Grundstückgewinnsteuer.

Dazu kommt die Förderung. Beiträge aus dem Gebäudeprogramm gehen an den Eigentümer, der die Massnahme ausführt, und das Gesuch gehört vor die Ausführung: «Beantragen Sie die Fördergelder, sobald das Konzept steht – auf jeden Fall vor Baubeginn.» Wer nach der Rechnung einreicht, bekommt nichts.

Was heisst das für dich

Trenn die beiden Fragen. Erstens: Was ist am Haus fällig? Das entscheidet die Nutzungsdauer der Bauteile, nicht der Geschmack eines Interessenten. Zweitens: Wann verkaufst du? Liegt der Verkauf mehr als zwölf Monate weg und ist ein förderfähiges Bauteil fällig, mach es jetzt — Förderbeitrag und Steuerabzug fallen dann noch bei dir an. Liegt der Verkauf näher, hol trotzdem zwei Offerten ein, leg sie offen und preise das ein. Eine belegte Offerte ist ein besseres Verkaufsargument als eine halbe Sanierung.

Für Küche, Bad und Garten gilt die kürzeste Regel dieses Artikels: aufräumen, reparieren, reinigen — nicht neu bauen. Und rechne nie mit einem Frankenbetrag, den dir niemand belegen kann. Welche deiner Massnahmen in welche Wirkungsklasse fällt, was sie nach Förderung und Steuern netto kostet und was du besser einpreist, kannst du im Wert-Check: welche Massnahme vor dem Verkauf etwas bringt durchgehen. Er nennt bewusst keinen Marktwert und keine Frankenprognose, sondern ordnet jede Massnahme mit Quelle ein.

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