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Energie & Haustechnik

Ölheizung ersetzen: wann du handeln musst und was zur Wahl steht

Was die CO2-Abgabe je Liter kostet, welche Pflichten am Tank hängen und warum der geplante Ersatz billiger ist als der Notfall — mit Fahrplan über zwölf Monate.

Ein halbvoller Heizöltank im Keller mit sichtbarem Einfüllrohr und gekapptem Stilllegungsventil.

Die Ölheizung läuft, der Tank ist halb voll, und die einzige Zahl, die du kennst, ist die letzte Tankrechnung. Was du wahrscheinlich nicht kennst: wie viel davon Abgabe ist, welche Pflichten am Tank hängen, auch wenn du ihn stilllegst, und weshalb ein Defekt im Januar dich mehrere tausend Franken mehr kostet als derselbe Wechsel im Mai. Diese drei Punkte entscheiden über den Zeitpunkt.

Kurzantwort

  • 31.80 Rappen je Liter sind CO2-Abgabe — bei 2’000 Litern im Jahr also 636 Franken, unabhängig vom Ölpreis.
  • Der Ölpreis schwankt stärker als alles andere in dieser Rechnung. Das BFS mass im Januar 2026 90.79 Franken je 100 Liter und im Juli 2026 125.04 Franken, jeweils für Bezugsmengen von 3’001 bis 6’000 Litern.
  • Der Tank hat eigene Pflichten: Sichtkontrolle alle zehn Jahre, Leckanzeige jährlich oder alle zwei Jahre — und sie enden erst mit der Ausserbetriebsetzung durch eine Fachfirma.
  • Einzelne Kantone setzen harte Enddaten. Im Aargau müssen alle Tankanlagen in der Grundwasserschutzzone S2 bis zum 31. Dezember 2026 ausser Betrieb sein.
  • Das Fördergesuch muss vor Baubeginn eingereicht sein. Wer erst beim Defekt entscheidet, verliert den Beitrag — im Kanton Zürich 2’900 bis 6’800 Franken.

Was in deiner Tankrechnung steckt

Zwei Bestandteile lassen sich exakt beziffern.

Die CO2-Abgabe. Der Abgabesatz beträgt 120 Franken je Tonne CO2. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit rechnet vor: «Bei der Verbrennung von 1 Liter Heizöl extraleicht entstehen 2.65 kg CO2; bei einem Ansatz von Fr. 120.- je Tonne CO2 beträgt die Abgabe je Liter 31.80 Rp. bzw. je 1’000 Liter Fr. 318.00.» Derselbe Satz gilt für sogenanntes Bioheizöl, dort allerdings nur auf dem fossilen Anteil.

⚠ Diese Abgabe steigt nicht automatisch weiter: 120 Franken je Tonne ist der Höchstwert, den das CO2-Gesetz dem Bundesrat einräumt. Eine Erhöhung darüber hinaus bräuchte eine Gesetzesänderung. Wer seine Ölrechnung fortschreibt, sollte deshalb nicht mit einer steigenden Abgabe rechnen, sondern mit dem Marktpreis — und der ist die eigentliche Unbekannte.

Der Marktpreis. Das BFS erhebt ihn monatlich nach Bezugsmenge:

Monat 20261’501 bis 3’000 l3’001 bis 6’000 lüber 20’000 l
Januar94.48 Fr.90.79 Fr.87.09 Fr.
April138.56 Fr.134.65 Fr.131.17 Fr.
Juli128.94 Fr.125.04 Fr.121.44 Fr.

Alle Werte je 100 Liter. Zwischen Januar und April 2026 verteuerte sich dieselbe Lieferung um rund 48 Prozent. Genau diese Schwankung ist der Grund, weshalb ein Systemvergleich nie auf dem Tagespreis aufgebaut werden sollte.

Wie die drei realistischen Systeme im Betrieb liegen

Rechne in Kilowattstunden, nicht in Litern. Die kantonalen Energie- und Umweltfachstellen setzen für die Umrechnung an: «1 Liter Heizöl ≈ 1 m³ Erdgas ≈ 2 kg Holzpellets ≈ 10 kWh (oder 36 MJ)».

Damit lässt sich der Betriebsvergleich sauber führen. Angenommen wird ein Einfamilienhaus mit 2’000 Litern Heizöl im Jahr, also rund 20’000 kWh Brennstoffenergie.

VarianteRechengrösseKosten je Jahr
Öl weiter, Preis Juli 20262’000 l zu 125.04 Fr./100 l2’501 Fr.
Öl weiter, Preis Januar 20262’000 l zu 90.79 Fr./100 l1’816 Fr.
Luft-Wasser-Wärmepumpe20’000 kWh bei Wärmenutzungsgrad 3,191’737 Fr.
Erdsonden-Wärmepumpe20’000 kWh bei Wärmenutzungsgrad 4,261’301 Fr.

Die Wärmenutzungsgrade sind die Durchschnittswerte der Feldmessungen von EnergieSchweiz für die Heizsaison 2022/23, der Strompreis ist der ElCom-Medianwert 2026 von 27,7 Rappen je Kilowattstunde.

⚠ Diese Gegenüberstellung ist bewusst zugunsten des Öls gerechnet: Die 20’000 kWh sind beim Öl Brennstoffenergie, bei der Wärmepumpe Nutzwärme. Was dein Kessel im Kamin verliert, ist darin noch nicht abgezogen. Der reale Abstand ist also grösser als die Tabelle zeigt.

Welche Vorschriften dein Kanton beim Wärmeerzeugerersatz anwendet — von der vollständig erneuerbaren Deckung über Standardlösungen bis zum Härtefallaufschub — steht ausführlich in unserem Beitrag zum Ersatz einer Gasheizung; die Regeln gelten für die Ölheizung gleichermassen und werden hier nicht wiederholt. Wo ein Wärmenetz geplant ist, lohnt vorher der Blick auf den Anschluss an eine Fernwärmeleitung.

Was mit Tank und Tankraum geschieht

Das ist der Teil, den die Gasheizung nicht hat — und der beim Ölersatz regelmässig unterschätzt wird.

Bewilligung. In den besonders gefährdeten Bereichen braucht eine Lageranlage für wassergefährdende Flüssigkeiten eine Bewilligung, sobald ein einzelner Behälter mehr als 2’000 Liter Nutzvolumen hat (Art. 32 Bst. h GSchV). In Grundwasserschutzzonen und -arealen liegt die Schwelle bei 450 Litern (Bst. i). Die Behörde legt in dieser Bewilligung auch «die Anforderungen an die Stilllegung der Anlagen fest» — steht also schon drin, was du dereinst tun musst.

Laufende Kontrollen. Art. 32a GSchV verlangt bei bewilligungspflichtigen Anlagen alle zehn Jahre eine Sichtkontrolle von aussen. Bei erdverlegten einwandigen Behältern kommt alle zehn Jahre eine Kontrolle von innen dazu. Leckanzeigesysteme sind bei doppelwandigen Behältern und Rohrleitungen alle zwei Jahre, bei einwandigen jährlich zu kontrollieren.

Diese Pflicht endet nicht mit dem Entscheid. Der Kanton Aargau formuliert es unmissverständlich: «Die Pflicht für die reguläre Tankkontrolle alle 10 Jahre bleibt bis zur Ausserbetriebssetzung der Tankanlage bestehen.» Wer den Ersatz zwei Jahre vor sich herschiebt, bezahlt in dieser Zeit noch eine Tankkontrolle.

Ausserbetriebsetzung. Anlagen mit wassergefährdenden Flüssigkeiten dürfen nur von Personen entleert und ausser Betrieb gesetzt werden, die aufgrund von Ausbildung, Ausrüstung und Erfahrung den Stand der Technik gewährleisten. Die ausgeführten Arbeiten sind der kantonalen Umweltstelle schriftlich zu bestätigen; Restöl, Schlamm und nicht mehr benötigte Anlageteile werden umweltgerecht entsorgt.

⛔ Und es gibt Enddaten. Im Kanton Aargau «müssen alle Tankanlagen in den Grundwasserschutzzone S2 bis spätestens am 31. Dezember 2026 ausser Betrieb gesetzt werden». Der Kanton empfiehlt dazu ausdrücklich, den Ölbrenner oder Ölheizkessel bei anstehendem Bedarf gar nicht mehr auswechseln zu lassen. Ob deine Parzelle in einer Schutzzone liegt, sagt dir die kantonale Umweltfachstelle.

Weshalb du die Ölheizung geplant ersetzen solltest und nicht im Notfall

Es liegt an einer einzigen Verfahrensregel: Der Förderbeitrag setzt voraus, dass das Gesuch vor Baubeginn eingereicht ist. Der Kanton Zürich schreibt: «Das Fördergesuch muss vor Baubeginn (Installation der Luft-Wasser Wärmepumpe) eingereicht werden.» Nach der Eingangsbestätigung darf gebaut werden, die rechtsverbindliche Zusage folgt innerhalb von vier Wochen nach Eingang der vollständigen Unterlagen.

Wer im Januar mit kaltem Haus dasteht, hält diese Reihenfolge nicht ein. In Zürich sind das beim Ersatz einer Ölheizung 2’900 Franken für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bis 15 kWth oder 6’800 Franken für eine Sole-Wasser-Anlage, dazu je 350 Franken für das Anlagenzertifikat des Wärmepumpen-System-Moduls. Beide Beträge sind an dieselbe Bedingung geknüpft.

Dazu kommt der Rest: Bohrtermine sind saisonal knapp, die Heizlastberechnung braucht Zeit, und im Notfall wird die Wärmepumpe eher zu gross bestellt — was sie teurer macht und schlechter laufen lässt.

Der Fahrplan über zwölf Monate

  1. Monat 1 — Zustand feststellen. Baujahr des Kessels, letzte Feuerungskontrolle, Datum der letzten Tankkontrolle, Nutzvolumen des Tanks, Lage der Parzelle im Gewässerschutzbereich.
  2. Monat 2 — Rechtslage klären. Kantonale Energiefachstelle für die Vorschrift beim Wärmeerzeugerersatz, kantonale Umweltfachstelle für Tank und Schutzzone, Gemeinde für die kommunale Energieplanung und ein allfälliges Wärmenetz.
  3. Monat 3 bis 4 — Heizlast rechnen lassen und die künftige Vorlauftemperatur bestimmen. Diese Zahl entscheidet über die Systemwahl, nicht die Kesselleistung von 1998.
  4. Monat 5 — zwei Offerten einholen, mit ausgewiesener Jahresarbeitszahl, Angebot für den Rückbau von Kessel und Tank und, bei der Luft-Wasser-Variante, dem Lärmschutznachweis für den geplanten Standort.
  5. Monat 6 — Fördergesuch einreichen und die Eingangsbestätigung abwarten. ⛔ Vorher wird nicht gebaut.
  6. Monat 7 bis 9 — Tankinhalt herunterfahren. Nicht mehr nachfüllen, sondern leerheizen; Restöl kostet bei der Entsorgung, statt Wärme zu liefern.
  7. Monat 10 bis 11 — Umbau ausserhalb der Heizperiode. Ausserbetriebsetzung des Tanks durch die Fachfirma, schriftliche Bestätigung an die Umweltstelle.
  8. Monat 12 — Abrechnung und Nachweise. Anlagenzertifikat, Rechnungen und, wo der Kanton es verlangt, der GEAK für die Auszahlung.

Was heisst das für dich

Nimm die letzte Tankrechnung und rechne zwei Zahlen heraus: die Liter und davon 31.80 Rappen je Liter Abgabe. Danach ruf zwei Stellen an — die kantonale Energiefachstelle wegen der Ersatzvorschrift und die Umweltfachstelle wegen Tank und Schutzzone. Wenn dort ein Enddatum genannt wird, ist dein Zeitplan bereits gesetzt. Ist keines in Sicht, entscheidet der Kessel: Ab etwa zwanzig Jahren planst du den Ersatz für den Frühling, nicht für den Ausfall. Und reich das Fördergesuch ein, bevor irgendjemand ein Werkzeug ansetzt — diese eine Reihenfolge ist mehrere tausend Franken wert.

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