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Energie & Haustechnik

Heizöl kaufen: wann im Jahr es tatsächlich günstiger war

Zehn Jahre Preisreihe des Bundes ausgewertet: was der Kaufmonat beim Heizöl wirklich bringt, wie stark die Streuung ist und was sicher mehr wirkt.

Ein halbvoller Heizöltank mit sichtbarem Füllstandsanzeiger und einem Klemmbrett mit Preisdiagramm, das dagegen lehnt.

Der Tank ist halb leer, und irgendjemand sagt den Satz, den alle kennen: im Sommer kaufen, da ist es billiger. Wir haben die Preisreihe des Bundesamts für Statistik durchgerechnet, zehn Jahre Monatswerte. Sie gibt diesen Rat nicht her — und zeigt stattdessen, wo der Kaufentscheid tatsächlich Geld bewegt.

Kurzantwort

  • Ein verlässlicher Monatseffekt ist in der Reihe nicht zu finden. Mai und

Juni lagen im Mittel 1.8 und 1.6 Prozent unter dem Jahresmittel, Oktober und November 3.2 und 2.5 Prozent darüber. Alle anderen Monate blieben innerhalb von 1.2 Prozent.

  • Die Streuung ist um ein Vielfaches grösser als das Muster. Der Januar lag

je nach Jahr zwischen 25.5 Prozent unter und 27.9 Prozent über seinem Jahresmittel.

  • Sommer schlug Herbst in vier von neun Jahren — das ist ein Münzwurf, keine

Regel.

  • Innerhalb eines Jahres liegen 11 bis 52 Prozent zwischen dem teuersten und

dem günstigsten Monat. Der Markt bewegt den Preis, nicht der Kalender.

  • Sicher wirkt nur die Bestellmenge: 9.2 Prozent günstiger je Liter in einer

mittleren statt der kleinsten Staffel, im selben Monat, ohne jede Prognose.

Was die Preisreihe des Bundes über den Zeitpunkt hergibt

Das Bundesamt für Statistik erhebt im Rahmen des Landesindexes der Konsumentenpreise monatliche Durchschnittspreise für Heizöl, gestaffelt nach Bestellmenge. Die Reihe, die wir ausgewertet haben, reicht von August 2016 bis Juli 2026; ausgewertet sind daraus die neun vollen Kalenderjahre 2017 bis 2025. Das Amt führt die Reihe zurück bis 1993 — wer eine längere Betrachtung will, findet sie dort.

Für jedes Jahr haben wir das Mittel der zwölf Monatswerte gebildet und jeden Monat als Abweichung davon ausgedrückt. So fällt der Trend heraus, und übrig bleibt die Frage, um die es geht: Ist ein bestimmter Monat systematisch günstiger als sein eigenes Jahr?

Was der Kaufmonat im Mittel ausmacht

MonatMittel gegenüber dem Jahresmitteltiefster Einzelwerthöchster Einzelwert
Januar+0.3 %-25.5 %+27.9 %
Februar-0.5 %-19.3 %+15.8 %
März-1.1 %-9.8 %+4.7 %
April-0.6 %-6.3 %+7.9 %
Mai-1.8 %-11.6 %+6.2 %
Juni-1.6 %-10.5 %+13.2 %
Juli-0.2 %-7.1 %+9.5 %
August0.0 %-4.1 %+13.6 %
September0.0 %-7.8 %+6.4 %
Oktober+3.2 %-7.9 %+13.3 %
November+2.5 %-9.0 %+16.3 %
Dezember-0.1 %-5.3 %+11.4 %

Die mittlere Spalte sieht nach einem Muster aus: Frühsommer tief, Spätherbst hoch. Die beiden Spalten daneben zerstören es wieder. Im Januar reichten die neun Einzelwerte von 25.5 Prozent unter bis 27.9 Prozent über dem Jahresmittel — eine Bandbreite, neben der ein Mittelwert von plus 0.3 Prozent nichts bedeutet. Auch im Oktober, dem im Mittel teuersten Monat, lag der Preis in einem der neun Jahre 7.9 Prozent unter dem Jahresmittel.

Die Gegenprobe bestätigt es. Vergleicht man in jedem Jahr den Durchschnitt von Mai bis Juli mit jenem von Oktober bis Dezember, war der Sommer in vier von neun Jahren günstiger und in fünf teurer. 2021 kostete der Herbst 15.8 Prozent mehr als der Sommer, 2024 kostete er 8.8 Prozent weniger.

Warum der Kalender gegen den Markt nicht ankommt

Der Grund steht in denselben Daten. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Monat eines Jahres lagen 11.0 Prozent (2019) bis 52.5 Prozent (2022). Gegen eine Spanne dieser Grösse ist ein Monatseffekt von zwei oder drei Prozent Hintergrundrauschen.

Auch der günstigste Monat wandert. In den neun Jahren war es dreimal der Januar, je einmal Februar, Mai, Juni, Oktober, November und Dezember. Wer 2020 im November kaufte, traf den Jahrestiefstpunkt; wer 2021 im November kaufte, traf den Höchstpunkt. Derselbe Monat, zwei aufeinanderfolgende Jahre.

Das ist kein Zufall, sondern die Natur der Sache: Der Heizölpreis in der Schweiz folgt dem Rohölpreis und dem Frankenkurs. Beides lässt sich nicht aus einem Kalender ablesen.

Was stattdessen sicher wirkt: die Bestellmenge

Das Bundesamt für Statistik erhebt den Preis für sieben Bestellmengen. Der Unterschied zwischen ihnen ist grösser als jeder Monatseffekt — und er steht fest, bevor du bestellst.

BestellmengePreis je 100 l, Juli 2026
800 bis 1’500 l137.70 Fr.
1’501 bis 3’000 l128.94 Fr.
3’001 bis 6’000 l125.04 Fr.
6’001 bis 9’000 l124.09 Fr.
9’001 bis 14’000 l122.85 Fr.
14’001 bis 20’000 l122.09 Fr.
über 20’000 l121.44 Fr.

Ein Beispiel mit diesen Werten: Wer 3’000 Liter in zwei Bestellungen zu je 1’500 Litern bezieht, zahlt 4’131 Franken. Wer dieselben 3’000 Liter in einer Bestellung bezieht, zahlt 3’868 Franken. Das sind 263 Franken Unterschied im selben Monat, ohne Prognose und ohne Wette.

Der Sprung von der kleinsten zur nächstgrösseren Staffel ist mit 8.76 Franken je 100 Liter der grösste; darüber flacht die Kurve ab. Zwischen 9’001 und mehr als 20’000 Litern liegen nur noch 1.41 Franken je 100 Liter. Der Vorteil ist also für ein Einfamilienhaus schnell ausgeschöpft — begrenzt durch das, was der Tank fasst.

Was fest im Preis steckt und sich nicht bewegt

Ein Teil des Literpreises reagiert überhaupt nicht auf den Markt: die CO₂-Abgabe. Anhang 11 der CO₂-Verordnung nennt für Heizöl extraleicht 318.00 Franken je 1’000 Liter, also 31.80 Franken je 100 Liter. Beim Preis vom Juli 2026 ist das rund ein Viertel. Der zugrunde liegende Satz von 120 Franken je Tonne CO₂ gilt seit 2022 unverändert.

Für den Kaufzeitpunkt heisst das: Von jeder Preisbewegung, die du abwarten oder ausnutzen willst, sind rund drei Viertel des Preises betroffen — das übrige Viertel steht still. Und es heisst auch, dass ein Preisvergleich zwischen Anbietern nur den beweglichen Teil vergleicht.

Wie du es praktisch angehst

  • Bestell in möglichst wenigen, möglichst grossen Lieferungen. Das ist der

einzige Hebel in dieser Auswertung, der ohne Prognose funktioniert.

  • Bestell nicht auf den letzten Liter. Wer mit leerem Tank bestellen muss,

nimmt den Preis des Tages und verliert genau die Freiheit, um die es hier geht.

  • Notier zu jeder Lieferung Menge, Datum und Preis je 100 Liter. Nach drei

Lieferungen hast du eine eigene Reihe und musst niemandem glauben.

  • Rechne den Verbrauch witterungsbereinigt. Ein kalter Winter treibt die

Menge, nicht den Preis; die Heizgradtage des Bundes trennen das eine vom anderen.

  • Prüf die Zeile «CO₂-Abgabe» auf der Rechnung. Sie muss 31.80 Franken je

100 Liter betragen.

Was heisst das für dich

Hör auf, den richtigen Monat zu suchen. Neun Jahre Bundesdaten geben ihn nicht her, und die drei Prozent, die im Mittel zwischen Mai und Oktober liegen, sind kleiner als die Bandbreite eines einzigen Monats.

Kümmer dich stattdessen um die Menge. 263 Franken bei einer Bestellung von 3’000 Litern sind mehr, als jeder Monatseffekt in dieser Reihe hergibt — und sie sind sicher.

Und wenn du wirklich Einfluss auf den Ölpreis nehmen willst, dann über die Menge, die du im Jahr brauchst. Das ist die einzige Grösse in dieser Rechnung, die dir gehört.

Weiterlesen

— der feste Anteil im Preis, mit Rechenweg und Rückverteilung

— wann sich der Ausstieg aus dem Einkauf lohnt

— wie du Menge und Wetter auseinanderhältst

— dort geht es um den Restbestand im Tank beim Handwechsel

Quellen

(su-d-05.02.91; Auswertung der Jahre 2017 bis 2025 durch uns)

Anhang 11, Fassung mit Stand am 1. Januar 2026

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