Was ein GEAK aussagt und wann sich der GEAK Plus lohnt
Der Unterschied zwischen Etikette und Beratungsbericht, die 10’000-Franken-Schwelle für Beiträge und was Zürich und Bern 2026 an den GEAK Plus zahlen.

Die Fachperson für dein Beitragsgesuch sagt, du brauchst einen GEAK. Der Handwerker sagt, ein GEAK Plus sei besser. Beide haben recht, aber nur eine der beiden Antworten passt zu deinem Vorhaben — und der Unterschied entscheidet darüber, ob du am Ende eine Etikette in der Hand hältst oder einen Sanierungsfahrplan mit Zahlen.
Kurzantwort
- Der GEAK ist die Energieetikette. Er zeigt in sieben Klassen von A bis G, wo dein Gebäude steht, und ist zehn Jahre gültig.
- Der GEAK Plus ist derselbe Ausweis mit Beratungsbericht — bis zu fünf Sanierungsvarianten, Etappierung, Kostenschätzung und Berechnung der Förderbeiträge.
- Ab 10’000 Franken Subvention an der Gebäudehülle ist der GEAK Plus Pflicht. Das ist die Schwelle in den MuKEn 2025 und im Harmonisierten Fördermodell der Kantone.
- Die Reihenfolge ist entscheidend. Der Bericht muss vor dem Gesuch für die Bauteilmassnahme datieren, sonst ist der Beitrag weg.
- Der Kanton zahlt mit. Zürich und Bern geben 2026 je 1’000 Franken ans Einfamilienhaus, 1’500 Franken an die übrigen Kategorien.
Was auf dem Ausweis steht
Der GEAK ist nach eigener Beschreibung «die offizielle Energieetikette der Kantone». Das Dokument zeigt «die Energieklasse von Gebäudehülle, Gebäudetechnik und der direkten CO₂-Emissionen in sieben Klassen (A bis G)», dazu Angaben zu den Treibhausgasemissionen, die Gebäude- und Kenndaten sowie die Unterschrift der Expertin oder des Experten, «um für die Richtigkeit der Daten zu bürgen».
Die rechtliche Verankerung steht in den MuKEn 2025, Teil Q: Die Kantone führen den GEAK ein, und für Rechenmethodik und Klassierung ist die von der Energiedirektorenkonferenz verabschiedete «Kodifizierung des GEAK» massgeblich. Grundlage der MuKEn 2025 ist die Ausgabe 2.2 der GEAK-Normierung. Für dich als Eigentümer bleibt der GEAK freiwillig — ausser bei Förderbeiträgen, dazu gleich mehr.
Der praktische Wert der Etikette liegt in der Vergleichbarkeit: Weil schweizweit dieselben Kriterien und Berechnungswerte gelten, lassen sich Gebäude untereinander vergleichen. Beim Kauf, bei der Vermietung, bei der Frage, ob ein Objekt eine Baustelle ist oder nicht.
Was die Etikette nicht liefert: eine Reihenfolge. Sie sagt dir, dass die Hülle in Klasse F ist, nicht, ob du zuerst das Dach oder die Fenster anfassen sollst. Genau das ist die Aufgabe des Berichts.
Was der Beratungsbericht zusätzlich enthält
| GEAK | GEAK Plus | |
|---|---|---|
| Klassierung Gebäudehülle, Gebäudetechnik, CO2 | ja | ja |
| Beurteilung des Ist-Zustands | ja | ja |
| konkrete Massnahmenliste | nein | ja |
| Hinweise zur Etappierung | nein | ja |
| Priorisierung nach deiner Situation | nein | ja |
| bis zu fünf Sanierungsvarianten, eine davon Gesamterneuerung | nein | ja |
| Schätzung von Investition, Unterhalt und Betriebskosteneinsparung | nein | ja |
| Berechnung der Förderbeiträge | nein | ja |
| Gültigkeit | 10 Jahre | 10 Jahre |
| Voraussetzung für Beiträge über 10’000 Franken an der Hülle | nein | ja |
Der Verein GEAK verlangt für den Bericht mindestens eine Gesamterneuerungsvariante. Sie gilt als abgebildet, wenn die Effizienzklassen B-B-B erreicht werden oder die Anforderungen einer Minergie-Sanierung erfüllt sind. Der Kanton Bern präzisiert dieselbe Regel für seine Förderung und ergänzt: Bei einer bestehenden fossilen Heizung muss zusätzlich mindestens eine Variante den Ersatz durch erneuerbare Energien abbilden. Abweichungen sind nur mit zwingenden konstruktiven, juristischen oder denkmalpflegerischen Gründen zulässig — «nicht wirtschaftliche oder persönliche Gründe».
Der Kanton Zürich verlangt zusätzlich einen Hinweis auf die kommunale Energieplanung, sofern die Gemeinde eine hat. Damit steht im Bericht auch, ob am Standort ein Wärmeverbund vorgesehen ist — eine Information, die deine Heizungsentscheidung mehr beeinflusst als jede Dämmvariante.
Wo der GEAK Plus zur Bedingung wird
Die entscheidende Schwelle ist eine Zahl, und sie steht an zwei Orten gleichlautend.
Die MuKEn 2025 formulieren sie in Teil R, Art. 1.62: Wer für Sanierungsmassnahmen an der Gebäudehülle eine Finanzhilfe beantragt, hat zusammen mit dem Beitragsgesuch einen gültigen GEAK Plus einzureichen, «soweit der GEAK Plus für diese Gebäudekategorie zur Verfügung steht und die Subvention 10’000 Franken übersteigt». Befreit sind Bauvorhaben mit Minergie-Zertifikat.
Dieselbe Schwelle nennt das Harmonisierte Fördermodell der Kantone bei der Massnahme M-01 (Wärmedämmung von Fassade, Dach, Wand und Boden gegen Erdreich): GEAK Plus «ab 10’000 Fr. Förderbeitrag pro Antrag», ersatzweise eine Grobanalyse mit Vorgehensempfehlung nach dem Pflichtenheft des Bundesamts für Energie. Bei den Systemmassnahmen ist der Bericht unabhängig vom Betrag nötig: M-10 (Verbesserung der GEAK-Effizienzklasse) und M-13 (umfassende Gesamtsanierung mit GEAK) verlangen beide den «GEAK Plus vor Umsetzung».
⚠ Der teuerste Fehler ist die Reihenfolge, nicht die Wahl des Produkts. Der Kanton Zürich schreibt dazu ausdrücklich: Existiert für dieselbe Liegenschaft ein Fördergesuch für Wärmedämmung mit einem voraussichtlichen Förderbeitrag ab 10’000 Franken, so muss das Ausstellungsdatum des Beratungsberichts vor der Online-Erfassung des Dämmungsgesuchs liegen. Wer zuerst das Dämmungsgesuch erfasst und dann den Bericht bestellt, hat die Bedingung verletzt. Und für das Beitragsgesuch an den Bericht selbst gilt in beiden Kantonen: einreichen, bevor der Bericht erstellt wird.
Was beides kostet und was zurückkommt
Der Verein GEAK publiziert keinen Tarif — die Erstellung erfolgt durch zertifizierte Fachleute, die individuell abrechnen. Eine Grössenordnung lässt sich trotzdem belegen. Die MuKEn 2025 halten in Teil R fest: «Im Rahmen des Gebäudeprogramms werden pro Jahr rund 10’000 Fördergesuche eingereicht. Das bedeutet rund 10’000 informierte Eigentümerschaften, dem gegenüber stehen etwa 15-18 Millionen Franken Honorare für GEAK-Experten.» Umgerechnet ergibt das im Mittel 1’500 bis 1’800 Franken je Bericht — über alle Gebäudekategorien hinweg, ein Einfamilienhaus liegt tendenziell darunter, ein Mehrfamilienhaus darüber.
Dagegen zu rechnen sind die Beiträge. Stand August 2026:
| Kanton Zürich | Kanton Bern | |
|---|---|---|
| Ein- oder Zweifamilienhaus | 1’000 Fr. | 1’000 Fr. |
| Mehrfamilienhaus, Verwaltung, Schule, Verkauf, Restaurant | 1’500 Fr. | 1’500 Fr. |
| Voraussetzung Baujahr | Baubewilligungsjahr vor 2000 | Baujahr vor 2012 |
| Gültigkeit der Beitragszusicherung | Auszahlung 30 Tage nach Auszahlungsschreiben | 1 Jahr |
| Anzahl je Liegenschaft | grundsätzlich ein Bericht je EGID, Gültigkeit 10 Jahre | ein Gesuch je GEAK Plus |
In beiden Kantonen reicht das Beratungsunternehmen beziehungsweise die Eigentümerschaft das Gesuch vor der Erstellung ein. Der Nettoaufwand für ein Einfamilienhaus liegt damit häufig im hohen dreistelligen Bereich — für ein Dokument, das die Reihenfolge der nächsten zwanzig Jahre festlegt und das du für jedes weitere Beitragsgesuch ohnehin brauchst.
Was heisst das für dich
Rechne zuerst den voraussichtlichen Förderbeitrag für deine Hüllenmassnahme aus. Liegt er über 10’000 Franken, ist der GEAK Plus keine Option, sondern Bedingung — und er muss vor dem Dämmungsgesuch datieren. Liegt er darunter und willst du nur die Etikette für einen Verkauf oder eine Vermietung, genügt der GEAK. Wer ohnehin über mehrere Jahre etappieren will, nimmt den Bericht auch ohne Pflicht: Die Priorisierung ist der Teil, den man später nicht nachholen kann, weil die erste Etappe die zweite schon präjudiziert. Stell das Beitragsgesuch für den Bericht, bevor du ihn bestellst, und prüf im Bericht, ob deine Gemeinde eine Energieplanung mit vorgesehenem Energieträger hat — diese eine Zeile kann deine Heizungsentscheidung umdrehen.
Weiterlesen
- Sanierungsreihenfolge — welche Massnahme vor welcher kommt und warum
- Förderbeiträge kumulieren — Kanton, Gemeinde und die Reihenfolge der Gesuche
- Fassadendämmung aussen oder innen — die Massnahme, für die der Bericht am häufigsten verlangt wird
- Was eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus wirklich kostet — die zweite grosse Position im Sanierungsfahrplan
- Im Forum: GEAK Plus: Kosten, Subventionen, Potenzial — und der Praxisfall Minergie-Sanierung eines denkmalgeschützten Hauses
Quellen
- Verein GEAK, GEAK Plus — Inhalt des Beratungsberichts, bis zu fünf Varianten, Gesamterneuerungsvariante, Kostenschätzung und Förderberechnung
- Verein GEAK, GEAK — drei Klassierungen von A bis G, Inhalt des Dokuments, Gültigkeitsdauer zehn Jahre
- EnDK, MuKEn 2025, Teil Q und Teil R — Einführung des GEAK, Kodifizierung, GEAK-Plus-Pflicht über 10’000 Franken Subvention, Befreiung bei Minergie-Zertifikat, rund 10’000 Gesuche und 15 bis 18 Millionen Franken Honorare
- EnDK/INFRAS, Harmonisiertes Fördermodell der Kantone HFM 2015 — M-01 mit der 10’000-Franken-Schwelle, M-10 und M-13 mit GEAK Plus vor Umsetzung
- Kanton Zürich, Förderprogramm 2026 — 1’000 und 1’500 Franken je Beratungsbericht, Baubewilligungsjahr vor 2000, Publikationsdatum höchstens ein Jahr alt, Reihenfolge gegenüber dem Dämmungsgesuch
- Kanton Bern, Leitfaden Förderprogramm Energie — Beitragssätze, Baujahr vor 2012, einjährige Gültigkeit, Anforderungen an die Gesamterneuerungsvariante


