GEAK-Klasse verbessern: welche Massnahme dich weiterbringt
Welche Sanierung welche der drei GEAK-Klassen bewegt, warum die Grenzen Prozentwerte und keine Kilowattstunden sind und was ab Q3 2026 strenger gerechnet wird.

Der Ausweis liegt auf dem Tisch und zeigt drei Buchstaben: E, F, A. Die Bank fragt nach der mittleren Klasse, der Kanton nach einer bestimmten Mindestklasse für die Bewilligung, und du willst wissen, mit welcher Massnahme du dort hinkommst. Die Antwort hängt daran, welche der drei Skalen gemeint ist — denn sie messen drei verschiedene Dinge, und dieselbe Investition bewegt sie unterschiedlich stark.
Kurzantwort
- Drei Skalen, drei Hebel. Die Gebäudehülle reagiert nur auf Dämmung,
Fenster und Lüftung. Die Gesamtenergieeffizienz reagiert zusätzlich auf Wärmeerzeuger, Energieträger und Eigenstrom. Die direkten CO₂-Emissionen reagieren allein auf den fossilen Brennstoff im Haus.
- Ein Heizungsersatz verbessert die Hüllenklasse um keinen Buchstaben. Sie
hängt ausschliesslich am Heizwärmebedarf.
- Fossilfrei heizen bringt sofort CO₂-Klasse A — null direkte Emissionen
sind laut Kodifizierung die Definition dieser Klasse.
- Die Klassengrenzen sind Prozentwerte, keine Kilowattstunden. Sie messen
dein Haus gegen einen normierten Referenzwert, nicht gegen einen absoluten Verbrauch.
- Ab dem dritten Quartal 2026 wird der Massstab härter: Das
Referenzgebäude für die Gesamtenergieeffizienz ist neu ein Bau mit Wärmepumpe und Photovoltaik statt einer Ölheizung.
Was die drei Buchstaben auf dem Ausweis messen
Der GEAK weist drei Klassen von A bis G aus, und sie sind unabhängig voneinander. Das ist der Grund, warum eine Kombination wie E/C/A überhaupt möglich ist — ein schlecht gedämmtes Haus mit einer neuen Wärmepumpe.
Effizienz der Gebäudehülle. Projektwert ist der effektive Heizwärmebedarf nach SIA 380/1:2016, gerechnet unter Berücksichtigung einer allfälligen Lüftungsanlage. Dämmung von Wand, Dach, Boden und Fenstern zählt, dazu Wärmebrücken und die Gebäudeform. Der Wärmeerzeuger kommt in dieser Rechnung nicht vor.
Gesamtenergieeffizienz. Hier kommt die gewichtete Endenergie ins Spiel: Heizwärme, Warmwasser, Elektrizität und die Eigenproduktion. Vom Eigenstrom werden der Eigenverbrauch und 40 Prozent der Netzeinspeisung angerechnet.
Direkte CO₂-Emissionen. Gezählt wird nur, was vor Ort für Raumwärme und Warmwasser verbrannt wird. Vorgelagerte Emissionen aus der Strom- oder Fernwärmeerzeugung bleiben aussen vor. Deshalb ist eine Wärmepumpe hier per Definition Klasse A.
Warum die Klassengrenzen keine Kilowattstunden sind
Wer im Ausweis nach einem Wert in Kilowattstunden je Quadratmeter sucht, um ihn mit der eigenen Heizkostenabrechnung zu vergleichen, sucht vergeblich. Die Klassierung läuft über zwei Verhältniszahlen:
- Gebäudehülle: effektiver Heizwärmebedarf geteilt durch den
Neubau-Grenzwert desselben Gebäudes nach SIA 380/1:2016, mal hundert.
- Gesamtenergieeffizienz: Projektwert geteilt durch den Referenzwert eines
normierten Referenzgebäudes, mal hundert.
Daraus ergeben sich die Klassen (GEAK-Kodifizierung 3.0, Tab. 41):
| Klasse | Gebäudehülle | Gesamtenergieeffizienz |
|---|---|---|
| A | bis 50 % | bis 50 % |
| B | über 50 bis 100 % | über 50 bis 100 % |
| C | über 100 bis 150 % | über 100 bis 175 % |
| D | über 150 bis 200 % | über 175 bis 250 % |
| E | über 200 bis 250 % | über 250 bis 325 % |
| F | über 250 bis 300 % | über 325 bis 400 % |
| G | über 300 % | über 400 % |
Klasse B bei der Gebäudehülle heisst also schlicht: Der Heizwärmebedarf liegt höchstens beim Neubau-Grenzwert. Klasse G heisst: mehr als das Dreifache davon. Der Verein GEAK schreibt selbst, ein Neubau mit fossilfreier Heizung entspreche der Klasse B/B/A — die Klasse A ist damit besser als die gesetzliche Vorgabe für Neubauten, nicht gleich.
Die CO₂-Skala läuft dagegen in absoluten Schritten von 5 Kilogramm je Quadratmeter und Jahr: A ist null, B reicht bis 5, C bis 10, D bis 15, E bis 20, F bis 25, darüber G. Diese Grenzen werden standortabhängig temperaturkorrigiert, mit dem Faktor 1 + [(9.4 °C − Jahresmitteltemperatur) × 0.06]. Für die Klimastation Davos reicht die Klasse B laut Kodifizierung dadurch bis 6.74 statt bis 5.
Welche Massnahme welche GEAK-Klasse bewegt
Diese Übersicht folgt aus dem Aufbau der drei Kennwerte, wie ihn die Kodifizierung beschreibt:
| Massnahme | Gebäudehülle | Gesamtenergie | direkte CO₂ |
|---|---|---|---|
| Dach, Fassade oder Kellerdecke dämmen | stark | mittel | schwach |
| Fenster ersetzen | mittel | schwach | schwach |
| Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung | mittel | mittel | schwach |
| Öl oder Gas durch Wärmepumpe ersetzen | keine | stark | auf A |
| Öl oder Gas durch Holz oder Fernwärme ersetzen | keine | stark | stark |
| Photovoltaikanlage bauen | keine | mittel | keine |
| Elektroboiler durch Wärmepumpenboiler ersetzen | keine | mittel | keine |
Die Zeile, die am meisten Missverständnisse auslöst, ist die vierte. Ein Heizungsersatz verändert die Hüllenklasse nicht — nicht ein bisschen, sondern gar nicht. Wer den GEAK wegen einer Bewilligung braucht, die an der Hüllenklasse hängt, muss dämmen. Und umgekehrt: Wer eine bestimmte Klasse bei den direkten CO₂-Emissionen braucht, kommt mit Dämmung allein nicht auf A, solange ein fossiler Brenner im Keller steht.
Warum der Heizungsersatz die gewichtete Zahl halbiert
Die Gesamtenergieeffizienz rechnet mit nationalen Gewichtungsfaktoren. Sie stehen in Tab. 36 der Kodifizierung:
| Energieträger | Gewichtungsfaktor |
|---|---|
| Heizöl, Erdgas, Biogas, Kohle, Briketts | 1 |
| Holz (Stückholz, Schnitzel, Pellets) | 0.5 |
| Fernwärme, je nach fossilem Anteil | 0.4 bis 1.0 |
| Solarwärme | 0 |
| Elektrizität | 2 |
Strom trägt also den doppelten Faktor von Heizöl — und trotzdem gewinnt die Wärmepumpe deutlich. Das Rechenbeispiel für 10’000 Kilowattstunden Nutzwärme, mit den Wirkungsgraden, die die Norm für ihr Referenzgebäude ansetzt:
- Ölheizung: Nutzungsgrad 90 Prozent, Verteilwirkungsgrad 95 Prozent.
10’000 ÷ (0.9 × 0.95) = 11’696 kWh Heizöl, mal Faktor 1 = 11’696 gewichtete kWh.
- Wärmepumpe: Jahresarbeitszahl 3.7, Verteilwirkungsgrad 95 Prozent.
10’000 ÷ (3.7 × 0.95) = 2’845 kWh Strom, mal Faktor 2 = 5’690 gewichtete kWh.
Das ist Faktor 2.1, und zwar ohne dass an der Gebäudehülle ein einziger Zentimeter Dämmung dazugekommen wäre. Es ist unsere Rechnung mit den veröffentlichten Faktoren und Referenzkennwerten; dein Haus weicht je nach tatsächlicher Jahresarbeitszahl davon ab. Die Richtung stimmt trotzdem, und sie erklärt, warum in der Praxis der Wärmeerzeuger fast immer die schnellste Verbesserung auf der mittleren Skala ist.
Was das für die Reihenfolge deiner Sanierung heisst, ist damit noch nicht entschieden — eine Wärmepumpe an einer ungedämmten Hülle braucht eine hohe Vorlauftemperatur und erreicht die Jahresarbeitszahl aus dem Beispiel nicht. Die Abwägung steht in der Reihenfolge einer Sanierung.
Was ab dem dritten Quartal 2026 strenger gerechnet wird
Der GEAK ist keine feste Grösse, sondern das, was die jeweils gültige Berechnungsgrundlage vorschreibt. Bis zum dritten Quartal 2026 gilt die Normierung 2.2.0 vom 18. März 2024, danach die Kodifizierung 3.0, die die Energiedirektorenkonferenz am 29. August 2025 verabschiedet hat.
Der wichtigste Unterschied steckt im Referenzgebäude für die Gesamtenergieeffizienz. In der Normierung 2.2.0 ist es ein Bau mit Ölfeuerung und einem Nutzungsgrad von 90 Prozent. In der Kodifizierung 3.0 ist es ein Bau mit Wärmepumpe (Jahresarbeitszahl 3.7 für die Heizung, 2.8 für das Warmwasser) und einer Photovoltaikanlage von 20 Watt Peak je Quadratmeter Energiebezugsfläche.
Damit wird die Latte höher gelegt. Gemessen wird nicht mehr gegen ein ölbeheiztes Haus, sondern gegen ein Haus, wie man es heute baut. Wer eine bestimmte Klasse für eine Förderzusage, eine Bewilligung oder ein Hypothekargespräch braucht, sollte deshalb wissen, unter welcher Fassung sein Ausweis erstellt wurde — und einen älteren Ausweis nicht ungeprüft als Zusicherung für die Zukunft nehmen.
Wann sich eine Aufdatierung lohnt
Ein GEAK gilt nach dem Produktreglement 2026 zehn Jahre ab Publikationsdatum oder bis zu einer energetisch relevanten Änderung. Eine Pflicht, nach einer Sanierung nachzuführen, gibt es nicht — der Verein GEAK empfiehlt die Aufdatierung als Erfolgskontrolle und weist darauf hin, dass sie weniger aufwendig und günstiger ist als ein neuer GEAK.
Zwei Punkte, an denen es konkret wird: Bei Förderbeiträgen über 10’000 Franken aus dem Gebäudeprogramm ist der GEAK Plus obligatorisch, und einzelne Kantone verlangen einen GEAK bei Handänderungen oder beim Heizungsersatz. Was der Beratungsbericht zusätzlich liefert und wann er sich rechnet, steht im Artikel zum GEAK Plus.
Zur Einordnung, wie verbreitet das Instrument ist: Per 31. Dezember 2025 trugen laut Verein GEAK rund 207’100 Schweizer Gebäude einen Gebäudeenergieausweis; 2025 kamen 20’971 neue GEAK und 10’125 Beratungsberichte dazu.
Was heisst das für dich
Klär zuerst, welche der drei Klassen für dich zählt. Für eine Baubewilligung beim Heizungsersatz ist es in mehreren Kantonen die Gesamtenergieeffizienz, für ein Förderprogramm oft die Hülle, für ein Klimaziel die CO₂-Skala. Ohne diese Frage optimierst du auf gut Glück.
Wenn es die Hülle ist, hilft nur Dämmung, Fenster und Lüftung — und dort ist die Frage, wie dick sich rechnet. Die wirtschaftliche Dämmstärke ist eine eigene Rechnung, die mit dem Ausweis nichts zu tun hat.
Wenn es die Gesamtenergieeffizienz oder das CO₂ ist, ist der Wärmeerzeuger der kürzeste Weg — mit dem Vorbehalt, dass eine Wärmepumpe an einer ungedämmten Hülle die angenommene Jahresarbeitszahl nicht erreicht.
Und lass nach der Sanierung aufdatieren. Ein Ausweis, der den alten Zustand zeigt, kostet dich beim Verkauf und bei der Bank genau das, was die Sanierung eingebracht hat.
Weiterlesen
— Ausweis, Beratungsbericht und die Kosten
— Hülle zuerst oder Heizung zuerst
— die Zentimeterfrage mit Zahlen
Quellen
verabschiedet am 29.08.2025 — Tab. 36 (Gewichtungsfaktoren), Tab. 40, Tab. 41 (Klassengrenzen) und Tab. 42 (CO₂-Klassen)
Kap. 7.2 (Referenzwerte) und 7.3 (Kennwerte und Klassierung)
Ziff. 3.1 (Produkte und Gültigkeit)
Stand 31.12.2025


