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Energie & Haustechnik

Dämmstärke: wie dick die Dämmung sein muss, damit sie sich rechnet

Warum die ersten Zentimeter fast die ganze Wirkung bringen, was die Vorschriften verlangen und wie viel jede weitere Schicht kosten darf, um sich zu tragen.

Ein Wandquerschnittmuster mit sichtbar 16- und 24-Zentimeter-Dämmstoffen und einem daneben ausgelegten Massband.

Zwei Offerten für dieselbe Fassade, ein einziger Unterschied: die Dämmstärke. 16 Zentimeter in der einen, 24 in der anderen. Die dickere kostet 6’800 Franken mehr, und der Unternehmer sagt, das rechne sich in wenigen Jahren. Es lässt sich nachrechnen, und die Antwort ist unbequem — die acht zusätzlichen Zentimeter sparen weniger als ein Zwanzigstel dessen, was die ersten acht bringen.

Kurzantwort

  • Die Wirkung je Zentimeter fällt steil ab. Der U-Wert ist der Kehrwert einer Summe von Wärmewiderständen; jeder zusätzliche Zentimeter wirkt auf eine grösser gewordene Summe.
  • Rund 16 Zentimeter bringen dich auf 0,20 W/(m²·K) — den Wert, an dem der Förderbeitrag hängt. Der Kanton Wallis rechnet dafür mit 16 Zentimetern bei einem Lambdawert von 0,036.
  • Vorschrift und Förderung sprechen nicht von Zentimetern, sondern von U-Werten. Die MuKEn 2025 verlangen 0,17 bei neuen Bauteilen und 0,25 bei Umbauten, das Gebäudeprogramm höchstens 0,20 mit einer Verbesserung von mindestens 0,07.
  • Über 20 Zentimeter hinaus entscheidet der Preis der Schicht, nicht mehr die Physik: die Zentimeter 17 bis 20 sparen an einer Backsteinwand noch rund 6 Franken je Quadratmeter — über 25 Jahre gerechnet.
  • Dünner als der Grenzwert ist immer falsch, weil das Gerüst, die Fensterbänke und die Spenglerarbeiten unabhängig von der Dicke anfallen.

Warum die ersten Zentimeter fast die ganze Wirkung bringen

Der Dämmwert eines Bauteils wird als U-Wert angegeben, und der U-Wert ist der Kehrwert des Wärmedurchlasswiderstands R. Der Widerstand einer Schicht ist ihre Dicke geteilt durch den Lambdawert des Materials. Die Dienststelle für Energie des Kantons Wallis nennt dafür Anhaltswerte: ein Standarddämmstoff aus EPS, XPS oder Mineralwolle liegt bei 0,035 W/mK, Zellulose und Holzfaser bei 0,045, PUR mit Alukaschierung bei 0,025.

Weil sich die Widerstände addieren und erst danach der Kehrwert gebildet wird, ist die Kurve nicht linear. Dieselbe Quelle macht das drastisch: Um einen U-Wert von 0,20 W/(m²·K) zu erreichen, «braucht es bei Stahlbeton eine Stärke von 869 cm, bei Zementstein eine Stärke von 338 cm, bei Holz eine Stärke von 68 cm, während 12 bis 24 cm Wärmedämmung unterschiedlicher Qualität» genügen.

Für die Frage, wie dick es sein soll, heisst das: Die ersten Zentimeter kämpfen gegen einen sehr kleinen Widerstand und gewinnen viel. Die letzten kämpfen gegen einen bereits sehr grossen und gewinnen fast nichts mehr.

Die Rechnung in Schritten von vier Zentimetern

Ausgangslage ist eine Backsteinwand ohne Dämmung. Ihren Restwiderstand rechnen wir aus den Angaben des Kantons Wallis zurück: Wenn 16 Zentimeter mit einem Lambdawert von 0,036 auf 0,20 führen und 8 Zentimeter mit 0,040 auf 0,40, liegt der Widerstand der übrigen Schichten bei rund 0,55 m²K/W. Gerechnet wird mit einem Standarddämmstoff von 0,035 W/mK.

Für den Wärmeverlust brauchen wir das Klima. Die Station Fluntern der MeteoSchweiz, ausgewertet von der Stadt Zürich, weist für 2025 3’066 Heizgradtage aus; im Mittel der Jahre 2015 bis 2024 sind es 3’056. Aus Heizgradtagen wird der Jahresverlust je Quadratmeter, indem man sie mit dem U-Wert und 24 Stunden multipliziert.

Als Wärmepreis setzen wir 9,2 Rappen je Kilowattstunde ein: der Medianhaushalt zahlt nach der ElCom-Erhebung 2026 27,7 Rappen je Kilowattstunde Strom, geteilt durch eine Jahresarbeitszahl von 3,0.

DämmstärkeU-Wert W/(m²·K)Verlust kWh/m²·JahrErsparnis gegenüber der Stufe davorWert dieser Ersparnis über 25 Jahre
keine1,82134
4 cm0,5943,590,3 kWh208.40 Fr./m²
8 cm0,3525,917,5 kWh40.40 Fr./m²
12 cm0,2518,57,5 kWh17.20 Fr./m²
16 cm0,2014,44,1 kWh9.50 Fr./m²
20 cm0,1611,72,6 kWh6.05 Fr./m²
24 cm0,149,91,8 kWh4.20 Fr./m²
28 cm0,128,61,3 kWh3.05 Fr./m²

Die letzte Spalte ist die entscheidende. Sie sagt, wie viel eine Stufe pro Quadratmeter höchstens mehr kosten darf, damit sie sich über 25 Jahre selbst trägt. Die Zentimeter 13 bis 16 dürfen 9.50 Franken je Quadratmeter mehr kosten, die Zentimeter 21 bis 24 noch 4.20 Franken. Bei einer Fassade von 180 Quadratmetern sind das 1’710 beziehungsweise 756 Franken für die ganze Fläche.

⚠ Drei Ehrlichkeiten. Erstens gibt es für Dämmstoffpreise je Zentimeter keine amtliche Schweizer Statistik — deshalb steht hier die zulässige Mehrkostengrenze statt eines erfundenen Preises. Frag in der Offerte nach dem Aufpreis je vier Zentimeter und vergleich ihn mit der letzten Spalte. Zweitens ist 3,0 eine Rechenvariante, keine Aussage über deine Wärmepumpe. Drittens rechnet die Tabelle ohne Teuerung; steigt der Strompreis, verschiebt sich die Grenze nach oben, aber die Reihenfolge der Stufen bleibt.

Welche Dämmstärke die Vorschriften voraussetzen

Kein Schweizer Energiegesetz schreibt Zentimeter vor. Vorgegeben sind U-Werte, und zwar in zwei Stufen.

Die MuKEn 2025 nennen in Anhang 1 die Einzelbauteilgrenzwerte für Neubauten und neue Bauteile: für opake Bauteile — Dach, Decke, Wand, Boden — gegen Aussenklima oder weniger als zwei Meter im Erdreich 0,17 W/(m²·K), gegen unbeheizte Räume oder mehr als zwei Meter im Erdreich 0,25. Anhang 2 gilt für Umbauten und Umnutzungen und ist milder: 0,25 beziehungsweise 0,28.

Verbindlich ist davon nur, was dein Kanton übernommen hat. Die Werte stehen in der kantonalen Energieverordnung, meist in einem Anhang mit derselben Struktur.

Welche Dicke der Förderbeitrag voraussetzt

Hier liegt die Latte höher als im Baurecht, und hier liegt auch die Falle. Das Gebäudeprogramm verlangt für die Massnahme M-01 zweierlei gleichzeitig:

  • «Die Grenze für den U-Wert (U) geförderter Bauteile beträgt U ≤ 0,20 Watt (W)/m2 Kelvin (K)» — Ausnahme bei Wand oder Boden mehr als zwei Meter im Erdreich: 0,25.
  • «Die U-Wert-Verbesserung geförderter Bauteile muss mindestens 0,07 W/m2 K betragen.»

Die erste Bedingung führt bei einem Standarddämmstoff auf rund 16 Zentimeter. Die zweite trifft alle, die eine bereits gedämmte Wand aufdoppeln wollen: Der Schritt von 16 auf 20 Zentimeter verbessert den U-Wert in unserer Tabelle von 0,20 auf 0,16, also um rund 0,035 — die Hälfte des Geforderten. Solches Nachdämmen ist bauphysikalisch sinnvoll und förderrechtlich wertlos.

Dazu kommen die Einstiegshürden: förderberechtigt sind nur Gebäude mit Baubewilligungsjahr vor 2000 und nur Bauteile, die im Ausgangszustand bereits beheizt waren. Ab 10’000 Franken Förderbeitrag pro Antrag ist ein GEAK Plus Bedingung. Wie stark die Ansätze je Quadratmeter zwischen den Kantonen auseinanderliegen, steht im Artikel zur Fassadendämmung von aussen oder innen.

Wo die Konstruktion die Dicke begrenzt

Drei Grenzen sind real, eine ist kleiner als befürchtet.

  • Der Dachvorsprung. Er ist die häufigste harte Grenze an bestehenden Häusern: Was über die Traufe hinausragt, verlangt eine Anpassung der Spenglerarbeit und der Untersicht. Das ist eine Kostenstufe, keine Zentimeterfrage.
  • Der Fenstereinbau. Wird die Fassade dicker, wandert die Fensterebene relativ nach innen; ohne Vorsetzen des Fensters entsteht eine tiefe Laibung und eine Wärmebrücke am Anschlag. Die MuKEn geben dafür einen eigenen Grenzwert vor: 0,15 W/(m·K) für den Fensteranschlag.
  • Der Sockel und der Terrainanschluss. Unter dem Terrain braucht es einen druckfesten, feuchtebeständigen Dämmstoff, und dessen Lambdawert ist meist schlechter.
  • Der Grenzabstand ist die kleinste der Sorgen. Art. 45 Abs. 4 des Energiegesetzes verlangt von den Kantonen, dass bei Gebäuden, die mindestens den Minergie- oder MuKEn-Standard erreichen, «eine durch die Wärmedämmung oder durch Anlagen zur besseren Nutzung einheimischer erneuerbarer Energien verursachte Überschreitung von maximal 20 cm bei der Berechnung insbesondere der Gebäudehöhe, der Gebäude-, Grenz-, Gewässer-, Strassen- oder Parkplatzabstände und bei Baulinien nicht mitgezählt wird».

Was heisst das für dich

Setz die Dämmstärke so, dass du bei 0,20 W/(m²·K) landest — das sind bei einem Standarddämmstoff rund 16 Zentimeter, und es ist die Schwelle, an der der Förderbeitrag hängt. Verlang in der Offerte den Aufpreis je vier Zentimeter separat ausgewiesen und vergleich ihn mit der letzten Spalte der Tabelle: Über 20 Zentimeter darf eine Stufe an einer Backsteinwand noch rund 6 Franken je Quadratmeter kosten, damit sie sich in 25 Jahren trägt. Prüf vorher den Dachvorsprung und den Fensteranschlag, denn dort entstehen die Kosten, die nicht an der Dicke hängen. Und wenn deine Wand schon 14 oder 16 Zentimeter trägt: Aufdoppeln bringt weder den Förderbeitrag noch eine Ersparnis, die das Gerüst bezahlt.

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