Maulbeerbaum
, ungewöhnliche Obstbäume - Beeren, die Nussfrüchte sind In Europa wurde die Maulbeere ursprünglich als Futterpflanze für Seidenraupen angepflanzt. Mit dem Verschwinden der Seidenindustrie verschwand auch der ursprünglich asiatische Baum.…

Maulbeerbaum, ungewöhnliche Obstbäume - Beeren, die Nussfrüchte sind
In Europa wurde die Maulbeere ursprünglich als Futterpflanze für Seidenraupen angepflanzt. Mit dem Verschwinden der Seidenindustrie verschwand auch der ursprünglich asiatische Baum. Dabei sind dessen Früchte nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch ein Leckerbissen.
Wenn man von der Maulbeere (Morus) spricht, kommt es oft vor, dass diese mit der ähnlich klingenden Mehlbeere (Sorbus) verwechselt wird. Beide sind unübliche Speisebäume, ansonsten gleichen sich die Arten kaum. Man findet die Maulbeere heute meist als Zierbaum in unseren Gärten. Verschiedene Habitus-, Blatt- und Fruchtformen bilden eine breite Palette. Die Maulbeere fällt im Frühjahr aber wegen ihrer unscheinbaren Blüte kaum auf und entfaltet ihre Reize erst im ausgewachsenen Laubzustand. Die herzförmigen Blätter sind je nach Standort und Sorte gelappt. Im Herbst verfärben sie sich gelb oder fallen grün vom Baum, sodass sich die karge Verzweigung bemerkbar macht.
Maulbeerbaum - Holz
Im Fürstentum Liechtenstein findet man immerhin sieben verwilderte Bäume mit bis zu 3,3 m Stammumfang. Zu den dicksten Individuen zählen ein Baum mit 5,88 m Umfang im brandenburgischen Birkholz und ein Exemplar mit 6,46 m im südfranzösischen Villes-sur-Auzon. Wie bei alten Maulbeerbäumen typisch, beginnt sich der Stamm im Alter aufzuspalten. Das harte, aber leichte Holz hat eine sehr markante Maserung. Wegen seinen Eigenschaften wird es gerne für Hockeyschläger, für den Bootsbau oder für Drechslerarbeiten verwendet.
Maulbeeren - Schwarz, Weiss und Rot
Die Maulbeere verteilt sich mit zwölf Gattungen auf die gemässigten und subtropischen Regionen der Nordhalbkugel. In Mitteleuropa findet man nur die Schwarze Maulbeere (Morus nigra) und die Weisse Maulbeere (M. alba), die ursprünglich aus Asien stammen. Erstere wurde von den Griechen bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. kultiviert, die Weisse Maulbeere fand man rund 400 Jahre später in Südeuropa. Seltener ist bei uns die frosthärtere Rote Maulbeere (M. rubra) zu finden, welche erst 1629 aus dem Osten Nordamerikas nach Europa eingeführt wurde.
Seidenraupenzucht - Weisse Maulbeere
Die Weisse Maulbeere trägt je nach Sorte weisse oder violette bis fast schwarze Früchte und ist die stattlichste und meist auch häufigste Art in Mitteleuropa. Grund dafür sind nicht die schmackhaften Früchte, sondern die Blätter. Diese bilden die Hauptnahrung der Raupen des Seiden- oder Maulbeerspinners, aus dessen Kokons wertvolle Seide gewonnen wird. Für die Seidenraupenzucht wurden riesige Plantagen und Alleen der Weissen Maulbeere bis nach Norddeutschland angelegt. Rund eine Million Bäume pflanzte etwa Friedrich der Grosse (1712 bis 1786). Aber auch in der Schweiz zählte man im Jahre 1837 immerhin 561 000 Exemplare. Das nasskalte Wetter Mitteleuropas, diverse Raupenkrankheiten und konkurrenzstarke Importeure aus Südostasien brachten aber das Seidengewerbe in Europa um 1900 zum erliegen. Auch England mit seinem milden Klima versuchte sich im 17. Jahrhundert in der Seidenproduktion. Versehentlich wurde dort aber die Schwarze Maulbeere angepflanzt, die von der Seidenraupe nicht als Futterpflanze angenommen wird. So wurden in Europa die meisten Bäume wieder gefällt und sind seither sehr rar.
Maulbeeren - Gesund und lecker
Als Speisebaum ist die Maulbeere vor allem in ihren Herkunftsländern bekannt. Die saftigen Früchte werden frisch vom Baum gegessen oder wie Rosinen getrocknet und besitzen einen süssen, honigähnlichen Geschmack.
Die pektinreichen Früchte eignen sich hervorragend für die Herstellung von Konfitüre. Aber auch Sirup, Saft, Wein und Likör lassen sich daraus zubereiten. Abkühlung im Sommer versprechen Maulbeeren in Joghurt, und selbstgemachte Rahmglace ist eine Delikatesse. Die kalorienarmen Früchte enthalten Vitamin C. Sie lindern Fieber und Husten und helfen dank ihrer Mineralstoffe beim Knochenaufbau.
Nussfruchtverband
Ihrer Form nach erinnern vor allem die Schwarzen Maulbeeren an Brombeeren und können auch entsprechende Flecken hinterlassen. Das Wort «Maul» hat übrigens nichts mit dem Mund zu tun, sondern kommt vom lateinischen «morum», was «Brombeere» bedeutet.
Botanisch gesehen ist aber das Obst der Maulbeere keine Beere. Während die meisten heimischen Obstgehölze Kern-, Stein- oder Beerenobst sind, ist die Frucht der Maulbeere eigentlich ein Nussfruchtverband. Was wie eine einzelne Beere aussieht, ist in Wirklichkeit ein ganzer Fruchtstand – eine «Scheinfrucht», die an die Sammelfrucht der Brombeere erinnert. Deshalb kommt beim Ernten auch immer der Stiel mit, der für den Verzehr der Frucht aber besser gekürzt wird.
Maulbeerbaum - Die Legende
In China ist die Maulbeere ein heiliger Baum. Eine alte Geschichte erzählt, dass der riesige Maulbeerbaum namens Fu Shan die zehn Sonnensöhne der Sonnengöttin Xe He beherbergt. Als sich die zehn Sonnen, entgegen der Anordnung ihrer Mutter, gleichzeitig in den Himmel begaben, tötete der göttliche Bogenschütze Yi die ungehorsamen Söhne, bis auf einen einzigen. Dies verhinderte, dass die Erde austrocknete, und die Menschen konnten überleben.
In Griechenland war die Maulbeere dem Hirtengott Pan gewidmet. Die Beere war auch Minerva, der Göttin der Weisheit geweiht, da sich ihre Knospen erst nach den letzten Frösten öffnen.
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