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Geissblatt - Lonicera

Paarweise stehen die „lecker“ aussehenden Beeren, aber als Kind lernte man: Finger weg, giftig! Allgemeines „Vogelbeeri“ sind giftig! Das wurde uns schon von Kindesbeinen an eingebläut. Wenn sie zu zweien stehen, sind es keine…

Redaktion22. November 20166 Min. Lesezeit

fünf Doldenblüten in Ansicht: aus einer Bodenlinie mit Erdschraffur steigen Stiele unterschiedlicher Höhe auf, jeder fächert oben in Strahlen mit Einzelblüten auf. Am Fuss sitzen gefiederte Blätter.



Paarweise stehen die „lecker“ aussehenden Beeren, aber als Kind lernte man: Finger weg, giftig!









Allgemeines


[COLOR= rgb(0, 0, 0)]„Vogelbeeri“ sind giftig! Das wurde uns schon von Kindesbeinen an eingebläut. Wenn sie zu zweien stehen, sind es keine Johannisbeeren sondern „Vogelbeeri“. Leider halten sich nicht alle Geissblätter an die Regeln. Von der Gattung Lonicera gibt es nämlich über 180 Arten, weltweit, oder besser gesagt auf der nördlichen Hälfte unserer blauen Kugel. Viele tragen ihre lecker aussehenden Beeren auch in ganzen Trauben. Es gibt strauchig wachsende wie unsere einheimische Lonicera xylosteum, Klettermaxe wie die meist duftenden „Je-länger-je-lieber“, oder nieder liegende wie Lonicera pileata, die dann als Bodendecker (oder Cotoneaster-Ersatz) dienen. Ab 5 Beeren treten, vor allem bei Kindern und Haustieren wegen der enthaltenen Saponine Vergiftungserscheinungen auf. Und ganz so giftig sind sie auch nicht alle: Eine in den letzten Jahren sehr beliebte, heidelbeerähnliche Delikatessen-Beere ist ein Geissblatt: Die Maibeere Lonicera caerulea (kamtschatika). Geissblätter werden übrigens von Nachtfaltern sehr gerne besucht.[/COLOR]



Das einheimische Geissblatt Lonicera caprifolium mach dicke Ballen an roten Beeren. Es kann 6 bis 8 m in die Baumkronen wachsen. Alte Pflanzen haben ein grosses Gewicht und können morsche Bäume zum Einstürzen bringen.



Die Früchte von Lonicera japonica ‘Aureoreticulata‘ sind schwarz.



Nachtfalter am Abend, Hummeln untertags lieben Lonicera japonica ‘Aureoreticulata ‘.


Standorte


[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Die strauchigen Geissblätter sind sehr genügsam und kommen mit fast jedem einigermassen guten Gartenboden zurecht. Einige ausländische Geissblätter sind zu Neophyten geworden und breiten sich in der Natur ungehemmt aus. Sie sind auf Grund ihrer Herkunft schattenverträglich und erstaunlich hitzetolerant. Die kleineren Arten und Sorten eignen sich für die Bepflanzung von Gefässen auf Balkon und Terrasse, aber auch als Bodendecker an Böschungen, in Rabatten entlang Parkplätzen etc. Die kletternden Arten lieben einen gut humosen Boden, der wasserdurchlässig sein sollte. Als Waldrandpflanze vertragen sie in der Jugend recht viel Schatten, später lieben sie den „Kopf“ an der Sonne.[/COLOR]



Lonicera japonica ‘Aureoreticulata ‘ umwächst diesen Zaun und duftet am Abend herrlich.



Selten dürfte Lonicera japonica ‘Reptile’ sein. Es muss sich um einen Typ von ‘Aureoreticulata ‘ handeln, ist aber extrem stark „geadert“ und die Jungtriebe sind intensiv gelb gefärbt.


Pflege und Rückschnitt


[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Alle Geissblätter sind wüchsig und können darum auch stark zurück geschnitten werden. Das gemeine Geissblatt (Lonicera xylosteum) kann alle paar Jahre „auf Stock“ gesetzt werden. Auch andere Gartengehölze vertragen das, z. B. Forsythie, Haselnuss, Pfaffenhütchen und Spiraea. Im Normalfall wird aber der übliche Sträucher-Verjüngungsschnitt angewendet: Altes, drei- bis fünfjähriges Holz entfernen, überzählige Triebe herausschneiden, zu lange Äste einkürzen. Da sich Geissblätter besonders gut für Wildhecken eignen, ist auf umgebende Gehölze zu achten: Starkwachsende im Zaum halten, kleinbleibende vom Geissblatt nicht überwuchern lassen. Die strauchigen Geissblattarten haben praktisch keine Feinde, hie und da mal Läuse, die Nützlingen wie Marienkäfer und Florfliegen locker im Griff halten können. Die Kletternden Geissblätter können ebenfalls im Schnitt gehalten werden. Es lohnt sich von Zeit zu Zeit eine Verjüngung durch zu führen, indem man ganz alte, d.h. die dicksten, Triebe herausschneidet und so Jungwuchs an der Basis fördert. Falls nötig kann man auch sie einmal kräftig auf 50-100 cm zurücknehmen. Läuse sind häufige Besucher der Triebenden und Blütenknospen der kletternden Geissblätter. Sie können bei starkem Befall zu Verkrüppelungen führen. Kommen also Nützlinge mit der „Arbeit“ nicht mehr nach, müssen Sie eventuell mit einem Insektizid nachhelfen. Gerade über einem Sitzplatz ist der von den Läusen ausgestossene Honigtau unangenehm, da er erst klebrige, später schwarze Beläge macht. Das ist auch der Grund, warum ich Geissblätter nicht an Autoeinstellplätzen pflanzen würde. Gedüngt werden alle Geissblätter im Frühling mit einem Strauch- und Nadelholzdünger, oder mit einem Langzeitdünger.[/COLOR]



Ein der Farbenprächtigsten ist Lonicera heckrottii ‘Goldflame‘ mit den recht grossen Blütenbüscheln in intensivem orangerot. Ideal für Pergolen und Rosenbogen.



Lonicera japonica ‘Clown‘ hat neben der weiss-rosa Blüten auch gleich noch weiss-rosa panaschierte Laubblätter. Sie wird nie so ganz dicht, da die Blätter meist etwas deformiert sind. Eine Rarität übrigens!


Sortenvielfalt


[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Beginnen wir mit den Strauchig wachsenden Arten und etwas Essbarem: Lonicera caerulea (var. kamtschatica) der aus Sibirien stammenden Form der Maibeeren. Sie wird in mehreren Sorten angeboten: ‘Mailon‘ hat längliche, blau bereifte Beeren, die Beeren ‘Amur‘s sind eher tonnenförmig und ‘Maistar‘ macht hellere, stark an Blaubeeren erinnernde Früchte. Alle sind sie süss-säuerlich und aromatisch. Für einen besseren Ertrag wird empfohlen zwei verschiedenen Pflanzen zu setzen. Zu den frühsten Blühern im Garten gehört die weisse, „winterblühende“ Heckenkirsche, Lonicera purpusii, deren Blüte sich teilweise schon im Herbst öffnen, die aber Februar bis März erst richtig erblüht. Unsere einheimischen Heckenkirschen eignen sich für Wildhecken und Naturgärten: Lonicera xylosteum (- 3m) blüht herrlich cremefarbig und trägt im Herbst rote Beeren zu Paaren, eben die „Vogelbeeri“ und wächst an unseren Waldrändern. In den Alpen wird sie von Lonicera nigra (schwarze Beeren) und alpigena (rote Beeren) ergänzt. Beide werden im Flachland nicht angepflanzt. Beliebt wegen ihrer schönen rosaroten Blüten im Mai ist die bis zu 2,5 m hohe und breite Lonicera tatarica, besonders wegen den roten Sorten ‘Hack‘s Red‘ und ‘Arnold Red‘. Einige kleinwüchsige Arten eignen sich auch für Gefässe: Lonicera xylosteoides ‘Claveys Dwarf‘ (weiss, 80 cm), ‘Honey Baby‘ (hellgelb, duftend, 70 cm) und Lonicera nitida ‘Red Tips‘ und 'Lemon Beauty' gehören dazu. Sie werden aber auch gerne als Bodendecker verwendet. Ein bekannter Bodendecker ist Lonicera pileata, sie hat den feuerbrandgefährdeten Cotoneaster als Flächendecker verdrängt. Eine weitere Gruppe mit einer grossen Sortenvielfalt sind die kletternden Geissblätter. Sie werden an Pergolen und Hauswänden im unmittelbaren Lebensbereich gezogen, denn sie duften angenehm. Das einheimische Geissblatt (Namensgeber, da caprifolium genannt, capra= Ziege) klettert in lichten Wäldern in den Bäumen herum. Auf die Liste möglicherweise gefährlicher Neophyten wurde das aus China stammende Immergrüne Geissblatt (Lonicera henry) gesetzt. Es ist aber im Garten eine gute Alternative zu Efeu. Also einfach nicht entwischen lassen! Weiter Klettermaxe sind Hybriden: L X brownii ‘Dropmore Scarlet‘ mit prächtige orangeroten Blüten; L. X heckrottii ‘Goldflame‘ , orangerot, innen heller; L. X tellmanniana in kräftigem Orange. Dann L. periclymenum ‘Serotina‘ mit kräftig roten Knospen die sich weiss öffnen und L. japonica ‘Halliana‘, weiss und intensiv duftend. Ein Genuss für Freunde bunter Laubblätter ist Lonicera japonica 'Aureo-Reticulata', ihre Blätter sehen einer Reptilienhaut ähnlich und sind gelb geadert. Nicht sehr wüchsig, aber nicht minder hübsch ist Lonicera japonica 'Clown‘. Sie hat weiss-rosa panaschierte Blätter. Die Wildform von Lonicera japonica gilt übrigens in einigen Gebieten ebenfalls schon als Neophyt.[/COLOR]



Die niedrigen Büsche von Lonicera ‘Hones Baby’ eignen sich als Bodendecker, aber auch in Gefässe. Die crémeweissen Blüten duften.

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