Einbruchschutz an Fenstern und Türen: was wirklich wirkt
Die Widerstandsklassen nach SN EN 1627, die Zahlen des BFS zum Einbruchdiebstahl und die Reihenfolge, in der eine Nachrüstung pro Franken am meisten bringt.

Ein Schraubenzieher, 15 bis 30 Sekunden, und die Terrassentür steht offen — so beschreibt die Kantonspolizei Solothurn den Normalfall bei ungesicherten Fenstern und Fenstertüren im Erdgeschoss. Wer den Einbruchschutz an Fenstern und Türen verbessern will, steht danach vor einem Regal voller Produkte und einer einzigen brauchbaren Frage: Welche Massnahme kauft dir am meisten Zeit pro Franken. Die Antwort steht in den Unterlagen der Polizei, nicht im Prospekt.
Kurzantwort
- 34’755 Einbruchdiebstähle hat das Bundesamt für Statistik für 2025 gezählt, 5 Prozent mehr als 2024. Zusammen mit den Einschleichdiebstählen sind es 46’636 Fälle, also 128 pro Tag.
- Knapp ein Drittel aller Einbruchsversuche scheitert laut Kantonspolizei Solothurn an gut gesicherten Türen und Fenstern.
- Im Wohnbereich ist die Widerstandsklasse RC 2 nach SN EN 1627 der Richtwert; für gehobene Ansprüche RC 3.
- Die Reihenfolge zählt: erst Terrassentür und Erdgeschossfenster, dann Kellerlichtschächte, dann die Eingangstür.
- Abschliessbare Fenstergriffe allein nützen nichts — sie schützen nicht gegen das Aufhebeln.
Wie viele Einbrüche es tatsächlich gibt
Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundesamts für Statistik ist die einzige Zahl, die für die ganze Schweiz zählt. Für 2025 weist sie 34’755 Einbruchdiebstähle aus, gegenüber 33’058 im Vorjahr — ein Plus von 5 Prozent. Die längere Reihe zeigt den Trend deutlicher: 22’734 Fälle im Jahr 2021, 25’452 im Jahr 2022, 28’793 im Jahr 2023, 33’058 im Jahr 2024.
Rechnet man Einbruch- und Einschleichdiebstähle zusammen, kommt das BFS für 2025 auf 46’636 Straftaten und damit durchschnittlich 128 pro Tag (2024: 126). Das ist bemerkenswert, weil im selben Jahr die Vermögensstraftaten insgesamt um 3,5 Prozent zurückgingen — der Einbruch ist eine der wenigen Kategorien, die gegen den Trend steigen.
Die Aufklärungsquote ist tief, und die SKP erklärt auch, warum: Einbrecher hinterlassen häufig keine verwertbaren Spuren, und weil der Einbruch meist erst im Nachhinein entdeckt wird, gibt es in den meisten Fällen keine Täterbeschreibung. Auf den Rückweg über die Polizei kannst du also nicht bauen — nur auf die Zeit, die jemand vor deinem Fenster verliert.
Wo eingebrochen wird und wie schnell es geht
Die Kantonspolizei Solothurn beschreibt das Angriffsmuster in einem Satz: «Einbrecher haben vor allem Terrassentüren und Fenster im Erdgeschoss im Visier.» In höheren Stockwerken von Mehrfamilienhäusern ist stattdessen die Wohnungstür das Ziel.
Dazu die Zeiten, alle aus derselben polizeilichen Quelle:
- ungesichertes Fenster oder ungesicherte Fenstertür im Erdgeschoss: 15 bis 30 Sekunden mit dem Schraubenzieher
- was eine Sicherung mindestens leisten soll: drei Minuten
- was für einen Einbrecher eine lange Zeit ist: über fünf Minuten
- wie lange sich Täter in der Regel an einer Tür zu schaffen machen: drei bis fünf Minuten
Und der Satz, der die ganze Investition rechtfertigt: «Knapp ein Drittel aller Einbruchsversuche scheitern an gut gesicherten Türen und Fenstern.»
Der Verein Sicheres Wohnen Schweiz beschreibt dasselbe als Hürdenlauf. Eine oder zwei Hürden wagt ein Täter; vier, fünf oder sechs — vor allem solche, die er von aussen nicht erkennt — lassen ihn abbrechen. Was er scheut, sind Zeitaufwand, Lärm und umständliches Werkzeug.
Was die Widerstandsklassen nach SN EN 1627 bedeuten
Die Klassen heissen seit der Normrevision RC für «Resistance class»; die alte Bezeichnung WK ist nicht mehr gültig, bestehende Prüfnachweise gelten aber weiter als gleichwertig. Genau diese Umstellung sorgt für die Verwirrung, die im Forum unter Einbruchsicherheit seit Jahren durchgekaut wird. Die folgende Übersicht gibt die Tabelle der Schweizerischen Kriminalprävention wieder:
| Klasse | Täterbild | Typische Objekte |
|---|---|---|
| RC 1 N (WK 1) | Gelegenheitstäter, körperliche Gewalt | Geräteräume — kein manueller Prüftest, nur geringer Schutz gegen Hebelwerkzeuge |
| RC 2 N (WK 1) | Gelegenheitstäter, körperliche Gewalt | Geräteräume — manueller Prüftest, aber ohne Glas-Klassifizierung |
| RC 2 (WK 2) | Gelegenheitstäter mit einfachem Werkzeug wie Schraubenzieher und Keilen | Wohnbereich, Baubaracken |
| RC 3 (WK 3) | Täter setzt zusätzlich den Kuhfuss ein | gehobener Wohnbereich, Geschäftsbereich |
| RC 4 (WK 4) | erfahrener Täter mit Metallsäge und Schlagwerkzeug | Krankenhäuser, Banken, Schmuckläden |
| RC 5 (WK 5) | erfahrener Täter mit Elektrowerkzeugen | Banken, Militäranlagen |
| RC 6 (WK 6) | erfahrener Täter mit Elektrowerkzeugen über 1000 W | besonders schützenswerte Objekte |
Die SKP fasst zusammen: Für Privat- und KMU-Bereich sind in der Regel RC 2, 3 und 4 relevant. «RC 2 bietet einen guten Schutz vor Gelegenheitstätern, RC 3 vor gezielt vorgehenden Gewohnheitstätern und RC 4 schützt vor gewaltbereiten, gezielt vorgehenden Tätern oder Tätergruppen.» Die Kantonspolizei Thurgau nennt für den Wohnbereich RC 2.
⚠ Eine Widerstandsklasse gilt für das ganze Element, nicht für ein Bauteil. Bei einem geprüften Fenster nach SN EN 1627 ist sichergestellt, dass Rahmen, Beschlag, Verglasung und abschliessbarer Griff zusammen keinen Schwachpunkt haben. Ein RC-2-Beschlag in einem alten Rahmen ergibt kein RC-2-Fenster. Und die SKP hängt einen Warnsatz an, der in der Praxis mehr Fälle erklärt als jede Norm: Jede baulich-technische Massnahme wirkt nur, wenn sie fachgerecht montiert wurde.
Welche Nachrüstung am Fenster den Einbruchschutz wirklich hebt
Übliche Fensterbeschläge sind dafür gebaut, den Flügel wind- und regendicht zu halten. Eine einbruchhemmende Wirkung haben sie nicht. Was hilft:
- Einbruchhemmender Fensterbeschlag, geprüft nach DIN 18104 Teil 2, in Verbindung mit einem abschliessbaren Fenstergriff. Bei Holz- und Kunststofffenstern mit Ein-Hand-Drehkippbeschlägen ist der Austausch durch den Fachbetrieb meistens möglich.
- Aufschraubbare Zusatzsicherungen für Fenstertüren nach DIN 18104 Teil 1 — Zusatzkastenschlösser, Fensterstangenschlösser, Bändersicherungen. Gesichert wird mindestens die Griff- und die Bandseite; die griffseitige Zusatzsicherung soll abschliessbar sein.
- Verbundsicherheitsglas nach SN EN 356 ab Klasse P4A, im Wohnbereich innen montiert — die Antwort auf das Einschlagen und Eingreifen. Übliche Isolierverglasungen haben keine einbruchhemmende Wirkung. Diese Frage wird im Forum unter Fenster Sicherheitsglas notwendig ausführlich diskutiert.
- Kellerlichtschächte: geprüfte einbruchhemmende Gitterroste nach SN EN 1627 ab RC 2 oder Rollenrostsicherungen. Geht das nicht, wenigstens Abhebesicherungen an allen vier Ecken, tief im Lichtschacht verankert.
- Rollläden nur einbruchhemmend nach SN EN 1627 ab RC 2 — und nur vollständig geschlossen. Da häufig tagsüber eingebrochen wird, ersetzen sie die Fenstersicherung nicht.
Steht ohnehin ein Fensterersatz an, ist das der günstigste Moment für RC 2: Das Element kommt geprüft aus einem Guss und muss später nicht nachgerüstet werden. Wann sich Ersatz gegenüber Instandsetzung lohnt, steht in unserem Beitrag zu Fensterersatz oder Fenstersanierung.
Was an der Haustür verbessert werden kann
Die drei Angriffswege an der Tür sind laut SKP: Rahmen aufbrechen, Schliesszylinder abbrechen, Schliesszylinder aufbohren. Dagegen:
- Einbruchhemmende Einsteckschlösser und Schlösser mit Mehrfachverriegelung, darin Rundzylinder mit Bohrschutz.
- Schutzbeschlag, am besten mit Zylinderabdeckung. Ohne Abdeckung muss der Rundzylinder aussen bündig mit dem Beschlag abschliessen — Toleranz plus/minus 3 mm — und der Profilzylinder braucht einen Ziehschutz.
- Zusätzliche Riegel und Bandsicherung mit passendem Schloss und Schliessblechen. Ein Querriegelschloss sperrt die Tür über die ganze Breite, ein Stangenschloss von oben nach unten.
- Die Norm nennt für RC 2 die Prüfungen der eingebauten Beschläge: EN 12209 Klasse 3 für Schlösser, EN 1303 Klasse 1 und 4 für Schliesszylinder, EN 1906 Klasse 2 für Schutzbeschläge und Drückergarnituren.
Bei einer leichten Röhrenspantür hilft auch der beste Riegel nichts — dort muss zuerst das Türblatt mit einer Aufdoppelung verstärkt werden.
In welcher Reihenfolge du das Geld ausgibst
| Rang | Was | Warum zuerst | Grössenordnung |
|---|---|---|---|
| 1 | Verhalten: Türen mit Schlüssel abschliessen, Fenster ganz schliessen, gekippte Fenster gelten als offen | die SKP führt es als Tipp 1 und 2, es kostet nichts | 0 Franken |
| 2 | Terrassentür und Fenstertüren im Erdgeschoss: Zusatzsicherung an Griff- und Bandseite | dort wird eingebrochen, dort dauert es heute 15 bis 30 Sekunden | sehr gute Sicherungssets laut Kantonspolizei Solothurn deutlich unter 100 Franken |
| 3 | übrige Erdgeschossfenster: einbruchhemmender Beschlag plus abschliessbarer Griff | dieselbe Schwachstelle, ein Fenster weiter | dito |
| 4 | Kellerlichtschächte und Kellerfenster | der unbeobachtete Zugang | je nach Rost und Verankerung |
| 5 | Eingangs- oder Wohnungstür: Querriegel oder Stangenschloss, Schutzbeschlag, Bandsicherung | drei bis fünf Minuten reichen hier meistens schon | eine sehr gute Türsicherung über 500 Franken; brauchbare Lösungen deutlich darunter |
| 6 | Elektronik: Alarmanlage, Bewegungsmelder mit Schockbeleuchtung | verhindert keinen Einbruch, wirkt aber abschreckend und ergänzt die Mechanik | stark unterschiedlich |
Vor der Investition ist der günstigste Schritt der kostenlose: Die Polizeikorps führen in vielen Kantonen eine Sicherheitsberatung vor Ort durch und sagen dir, an welcher Stelle deines Hauses die Nachrüstung etwas bringt. Die Kantonspolizei Solothurn empfiehlt dieses Gespräch ausdrücklich, bevor viel Geld fliesst.
⚠ Wo eine Kamera dazukommt, gelten eigene Regeln — der Aufnahmebereich muss auf deinem Grundstück enden. Was dabei erlaubt ist, steht in unserem Beitrag zur Überwachungskamera am Haus. Und die SKP hält fest, dass mildere Massnahmen wie zusätzliche Verriegelungen der Videoüberwachung vorzuziehen sind.
Was heisst das für dich
Fang bei der Terrassentür an, nicht bei der Haustür — dort steht die Statistik gegen dich, und dort ist die Nachrüstung am günstigsten. Verlang beim Offertgespräch den Prüfnachweis nach SN EN 1627 für das ganze Element und nicht nur für den Beschlag, und lass montieren statt selber schrauben: eine falsch verschraubte Sicherung ist eine Sicherung, die nur so aussieht. Melde dich vorher bei deinem Polizeikorps zur kostenlosen Sicherheitsberatung an. Und wenn das Fenster ohnehin ersetzt wird, nimm RC 2 gleich mit — später kostet dasselbe Ergebnis ein Vielfaches. Was nach einem Einbruch am Gebäude beschädigt wurde, ist ein Fall für die Gebäudeversicherung, das Diebesgut dagegen ein Fall für die Hausratversicherung.
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- Fensterersatz oder Fenstersanierung — der Moment, in dem RC 2 fast nichts extra kostet
- Überwachungskamera am Haus — was die elektronische Ergänzung darf
- Gebäudeversicherung in der Schweiz — wer den Schaden an Tür und Fenster zahlt
- Im Forum: Einbruchsicherheit — 121 Antworten zu Beschlägen, Klassen und Erfahrungen
Quellen
- Schweizerische Kriminalprävention, «Gegen Einbruch kann man sich schützen»
- Schweizerische Kriminalprävention, Themenseite Einbruch
- Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025
- Kantonspolizei Solothurn, «Diebstahl und Einbruchschutz»
- Kantonspolizei Thurgau, «Hindernisse einbauen»
- Sicheres Wohnen Schweiz, Drei-Säulen-Prinzip


