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Kiesgarten

Biotop ohne Wasser Kiesgärten sind zurzeit äusserst populär und bieten weit mehr als lediglich eine gleichförmige Schotterfläche, ausgestattet mit ein paar Kugelbuchsbäumen. In der Schweiz wurden schon vor 30 Jahren Kiesgärten gestaltet,…

Redaktion17. November 20165 Min. Lesezeit

Kiesfläche mit hellem Schotter und Steinen, darauf liegende Terrakotta-Amphoren, aus der vordersten wachsen blau blühende Pflanzen.
Biotop ohne Wasser

Kiesgärten sind zurzeit äusserst populär und bieten weit mehr als lediglich eine gleichförmige Schotterfläche, ausgestattet mit ein paar Kugelbuchsbäumen.

In der Schweiz wurden schon vor 30 Jahren Kiesgärten gestaltet, und in Japan haben Gärten mit Kies bereits eine lange Tradition. Dennoch verhalfen erst Beth Chatto mit der Umgestaltung ihres alten Parkplatzes vor rund 20 Jahren zu einem «Gravel Garden» und ihr gleichnamiges Buch dieser Methode des Gärtnerns auch auf unserem Kon­tinent zum Durchbruch.

Modern und praktisch[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Gerade heute, zu Zeiten des Klimawandels, besitzen wir mit einem Kiesgarten zudem die Möglichkeit, hitze- und trockenheitsresistente Stauden und Gehölze in einem dekorativen Umfeld unterzubringen – und sparen uns so das Giessen bei Trockenperioden![/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]Schottergärten sind ja eigentlich nachempfundene Geröllfelder mit Felssteppencharakter, welche durchaus einen südländischen Touch besitzen dürfen: hier eine Zypresse, da eine Graublättrige Wolfsmilch, dort dauerblühende Mittagsblumen und winterharte Kakteen. Besonders wirkungsvoll sind Gärten mit Kiesabdeckung vor modernen Bürogebäuden, aber auch auf Verkehrsinseln oder akzentuiert in grossen Rasenflächen.[/COLOR]

Experimentierfeld[COLOR= rgb(0, 0, 0)]In Kiesgärten wird längst nicht so dicht gepflanzt wie in konventionellen Staudenpflanzungen. Man kommt mit wesentlich weniger Pflanzen aus, wobei die Faustregel sagt: ein bis drei Pflanzen pro m2, denn es soll ja vor allem die Struktur des Schotters für den Betrachter sichtbar sein! Die Pflanzen spielen aber die wichtigste Nebenrolle und sind hierbei für wesentliche Akzente in ihrem Umfeld verantwortlich.[/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]Ein grosses Experimentierfeld eröffnet sich uns, denn in diesem mineralischen, ja steinigen Umfeld gedeiht eine ganze Menge an Stauden unterschiedlichster Herkunft. In keinem anderen Gartenteil ist es möglich, mit Pflanzen zu experimentieren, welche teilweise Grenzfälle der Winterhärte darstellen.[/COLOR]

Gärtnern ohne Wasser[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Aber, und dies ist das Spannende: In Zeiten des Klimawandels, wo die Wetterextreme immer mehr zunehmen, kann der Gartenbesitzer auf Pflanzen zurückgreifen, die sowohl Kälte als auch Hitze vertragen, denen Trockenheit auch über Wochen nichts anhaben kann. So vermeidet man, im Garten kostbares Trinkwasser zu vergeuden. Kiesgärtnern ist Gärtnern ohne Wasser – diesem Faktor sollte wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.[/COLOR]

Die Vorbereitung[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Der Standort sollte möglichst an der sonnigsten Stelle des Gartens ausgewählt werden. Selbstverständlich können Kiesgärten auch im Schatten wirkungsvoll sein, hier ist jedoch die Pflanzenauswahl wesentlich eingeschränkter und besitzt einen anderen Charakter.[/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]Die wichtigste Massnahme ist das Abmagern des Oberbodens durch Sand, wobei dies mit gewöhnlichem, scharfem Flusssand geschieht. Abgemagert werden sollte der Boden deswegen, dass er eine höhere mineralische Komponente erhält, der Boden durchlässiger und unsere Kiesgartenpflanzen dadurch langlebiger werden.[/COLOR]

Weniger ist mehr[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Die meisten Pflanzen stammen ursprünglich aus Steppen und gebirgigen Gegenden, wo humusarme Böden vorherrschen. Der Sandanteil der oberen Bodenschicht von etwa 40cm sollte im Verhältnis 50:50 zum vorhandenen Boden betragen. Der pH-Wert ist hierbei völlig zweitrangig. Die Auswahl der Pflanzen richtet sich in erster Linie nach der Grösse der vorgegebenen Fläche. [/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]In einem kleinen Kiesgarten mit nur wenigen Quadratmetern machen wuchtige und üppig wachsende Pflanzengestalten zarteren Gewächsen den Platz streitig und kommen so nicht zur Geltung. Trotzdem gilt in jedem Kiesgarten: Weniger ist mehr, wenige Pflanzen erzeugen ein ruhigeres Gesamtbild. Das Sortiment ist riesengross und man wird sich naturgemäss beschränken müssen. So wird sich der eine eher den winterharten Sukkulenten widmen, während im anderen Kiesgarten die Gräser dominieren.[/COLOR]



Wildarten bevorzugt[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt ist die Auswahl der Blütenstauden nach einem jahreszeitlichen Gesichtspunkt. Auch in einem Kiesgarten wird der Frühling von Zwiebelpflanzen und anderen Frühlingsgeophyten eingeläutet.[/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]Allerdings sollte hierbei eher den botanischen Wildarten der Vorrang gegeben werden, da diese mit jenem besonderen Umfeld gut zurechtkommen. Und auch dem Spätherbst sollte man Beachtung schenken, denn Gräser und Strukturpflanzen zieren, bis der erste Schnee ins Land kommt.[/COLOR]

Kein Vlies notwendig[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Ist die Auswahl der Pflanzen getroffen, wird ausgelegt, gruppiert und gepflanzt. Entgegen vieler anderslautender Auffassungen ist es überhaupt nicht notwendig, ein Vlies oder eine Folie gegen Unkräuter auf die Pflanzfläche zu legen, dort hinein Löcher zu stanzen, anschliessend zu pflanzen und alles mit Kies zu bedecken.[/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]Ausdauernde Unkräuter kommen sowieso durch die Pflanzlöcher hindurch, wenn sie nicht vorher beseitigt wurden. Die Kiesschicht wirkt ähnlich einer natürlichen Mulchschicht, die einjährige Unkräuter nur solange abhält, wie sich keine Humusanteile zwischen den Steinen bilden können.[/COLOR]

Kies und Findlinge[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Nach der erfolgten Pflanzaktion wird die ganze Fläche sorgfältig mit Kies bedeckt, wobei möglichst gewaschener Kies ohne Feinanteil verwendet werden sollte. Die Schicht sollte zwischen 5 und 10 cm dick sein. Die vorher gepflanzten Stauden verschwinden somit zwar fast zwischen den Steinen, doch wachsen sie erfahrungsgemäss sehr bald nach oben.[/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]Ein gelungener Kiesgarten zeichnet sich durch einige grössere Findlinge sowie durch verschiedene Kiesgrössen der Stärke 1 bis 5 cm aus. Diese bedecken unterschiedlich grosse Flächen, die ineinander verlaufen – ein natürlicher Charakter entsteht.[/COLOR][COLOR= rgb(0, 0, 0)]Ein eingewachsener Kiesgarten fügt sich in jeden Garten ein und erfreut seinen Besitzer nachhaltig. Die Steine speichern die Wärme und geben diese wieder ab. Dadurch fühlen sich dort besonders Eidechsen sehr wohl und schon bald wird der Kiesgarten zu einem spannenden Gartenteil – zu einem Biotop ohne Wasser![/COLOR]

  

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