Indach, Aufdach oder Solarziegel: was auf dein Dach passt
Was die Integration gegenüber einer Neueindeckung kostet, wie viel mehr Förderung integrierte Anlagen bringen und was das Unterdach darunter aushalten muss.

Das Dach ist fünfzig Jahre alt und muss ohnehin neu. Auf dem Tisch liegen zwei Offerten für dieselbe Anlagengrösse: Aufdach auf neue Ziegel, Indach statt der Ziegel. Der Dachdecker rechnet vor, dass bei der Integration die Eindeckung entfällt. Der Solarteur rechnet vor, dass Indach teurer sei. Beide haben recht — und ob für dein Dach Indach oder Aufdach aufgeht, entscheidest du an vier Zahlen.
Kurzantwort
- Der Entscheid ist nur beim Dachersatz offen. Liegt eine intakte Eindeckung, ist Aufdach fast immer der günstigere Weg — die Ziegel sind bezahlt, und Indach würde sie ersetzen.
- Die Förderung entscheidet nichts. Der Leistungsbeitrag der Einmalvergütung liegt seit dem 1. April 2025 bei 400 Franken je Kilowatt für integrierte und 360 Franken für angebaute Anlagen unter 30 Kilowatt. Bei 12 Kilowatt sind das 480 Franken Unterschied.
- Belegt ist der Aufpreis der Integration gegenüber einer reinen Neueindeckung: an einem von EnergieSchweiz dokumentierten Mehrfamilienhaus 404 Franken je Quadratmeter, das entspricht 41 Prozent der Gesamtinvestition in die Dachsanierung.
- Das Unterdach ist der teure Nebeneffekt. Unter integrierten Anlagen verlangt Gebäudehülle Schweiz mehr Hinterlüftung und ein Unterdach, das 80 Grad und über 25 Jahre aushält.
- Solarziegel sind rechtlich integriert, flächenmässig aber der schlechteste Kompromiss — jeder Rand ohne Zelle ist verlorene Dachfläche.
Was Indach, Aufdach und Solarziegel baulich unterscheidet
Das VKF-Brandschutzmerkblatt trennt sauber, und zwar entlang der Frage, wer das Wasser vom Haus fernhält:
- Gebäude aufgesetzte Anlagen sind eigenständige Bauteile auf der bestehenden Dachhaut. «Die konventionellen Dacheindeckungen und Fassadenbekleidungen werden nur durch die Befestigungspunkte der Solaranlage durchbrochen.» Die Ziegel bleiben und bleiben dicht.
- Gebäude integrierte Anlagen sind Bauteile in Dach oder Fassade. «Bei Dächern ersetzen diese Bauteile die konventionelle Dacheindeckung.» Das Modul ist die Deckung.
- Solarziegel sind der Sonderfall der Integration: viele kleine integrierte Elemente statt weniger grosser. Baurechtlich und förderrechtlich gelten für sie dieselben Regeln wie für die grossflächige Indachanlage.
Die Grenze ist nicht kosmetisch. Sie entscheidet, welche Norm gilt, welches Unterdach nötig ist, wer bei einem Wassereintritt haftet — und wie viel Förderbeitrag fliesst.
Was die Integration gegenüber einer Neueindeckung kostet
EnergieSchweiz hat 2020 mit SUPSI und Swissolar fünf reale Objekte durchgerechnet. Das für Einfamilienhäuser aussagekräftigste ist eine Dachsanierung an einem Mehrfamilienhaus in Magglingen aus dem Jahr 2019:
| Position | Betrag | Anteil |
|---|---|---|
| Energetische Sanierung mit Wärmedämmung und vollflächiger Indach-Photovoltaik, inklusive Anpassungen an der Gebäudeelektrik | 990 Fr./m² | 100 % |
| davon Zusatzkosten der Photovoltaik gegenüber einer Eindeckung mit Faserzementziegeln | 404 Fr./m² | 41 % |
| davon Netzanschluss und Anpassungen an der Elektroinstallation | — | 14 % |
| davon Solarmodule | — | 22 % |
⚠ Diese 404 Franken sind nicht der Unterschied zwischen Indach und Aufdach. Sie sind der Aufpreis, den die Integration gegenüber einem reinen Dachersatz kostet. Die Handlungsanleitung nennt für integrierte Solartechnik in einem isolierten Steildach, einer hinterlüfteten Vorhangfassade oder einem Glas-Balkongeländer generell Zusatzkosten von 30 bis 50 Prozent, und begründet die Spanne mit der Vielfalt standardisierter oder individueller Ausführungen.
Das Rechenbeispiel, das du selbst aufstellen kannst. Standard-Solarmodule leisten laut derselben Publikation rund 200 Watt je Quadratmeter. Eine 12-Kilowatt-Anlage belegt also rund 60 Quadratmeter. Nach dem Magglinger Ansatz kostet die integrierte Ausführung dort rund 24’240 Franken zusätzlich zur Eindeckung — die in diesem Bereich entfällt. Die Preisbeobachtung von EnergieSchweiz weist für Aufdachanlagen von 10 bis 30 Kilowatt dagegen 1’177 Franken je Kilowatt plus 14’762 Franken Fixanteil aus, für 12 Kilowatt also 28’886 Franken ohne Mehrwertsteuer — dazu kommt in diesem Fall die vollständige Neueindeckung. Ob dein Objekt näher an der einen oder der anderen Zahl liegt, hängt vom Deckmaterial ab, das du sonst kaufen würdest. Lass dir beide Varianten vom selben Anbieter offerieren, mit derselben Modulzahl und derselben Position «Eindeckung».
Ein Punkt spricht langfristig für die Integration: Die Handlungsanleitung rechnet für eine Gebäudehülle mit integrierter Solartechnik mit einer gewichteten Nutzungsdauer von rund 40 Jahren. Du kaufst nicht eine Anlage auf einem Dach, sondern ein Dach.
Was die Förderung je Bauart hergibt
Die Energieförderungsverordnung teilt Photovoltaikanlagen in zwei Kategorien: integrierte einerseits, angebaute oder freistehende andererseits. Integriert ist nach Art. 6 Abs. 2 EnFV eine Anlage, die «neben der Elektrizitätsproduktion zusätzlich dem Wetterschutz, dem Wärmeschutz oder der Absturzsicherung» dient.
| Ansatz (ab 1. April 2025) | integrierte Anlage | angebaute oder freistehende Anlage |
|---|---|---|
| Grundbeitrag 2–5 kW | 0 Fr. | 0 Fr. |
| Leistungsbeitrag unter 30 kW | 400 Fr./kW | 360 Fr./kW |
| Leistungsbeitrag 30 bis unter 100 kW | 330 Fr./kW | 300 Fr./kW |
Bei einer typischen Einfamilienhausanlage von 12 Kilowatt beträgt der Vorteil der Integration 480 Franken. Das ist ein Zustupf, keine Begründung. Und er ist an einen Nachweis geknüpft, der oft vergessen geht: Anhang 2.1 Ziff. 5.2 EnFV verlangt bei integrierten Anlagen Fotos, «die den Solarstromgenerator während des Baus und nach der Fertigstellung zeigen». Wer erst nach dem Eindecken fotografiert, hat den Beleg nicht mehr. Schreib die Fotopflicht in den Werkvertrag.
Was das Unterdach unter einer integrierten Anlage aushalten muss
Hier liegt der Posten, der in Offerten am häufigsten fehlt. Gebäudehülle Schweiz hat dazu ein eigenes Factsheet, und es ist deutlich:
- Die Norm SIA 232/1 verlangt in Ziff. 2.27.8, dass für Solaranlagen in der Funktion als Deckungsmaterial «aufgrund von möglichen Einwirkungen bezüglich Wärme und Feuchte auf das Unterdach geeignete Schutzmassnahmen zu projektieren» sind. Nach Ziff. 2.1.2.6 müssen Solarelemente, die eine Deckung ersetzen, deren Anforderungen erfüllen.
- Die Technische Kommission Steildach hat gemessen: Bei normgerechter Ausführung reicht eine Temperaturbelastbarkeit von 80 Grad.
- Der Hinterlüftungsbereich soll gegenüber der Liste in SIA 232/1 Art. 2.2.9.2 um mindestens 15 Millimeter erhöht werden.
- «Viele Solarsysteme weisen nicht die gleiche Dichtheit wie ein Standarddeckmaterial auf und haben daher je nach Wetterlage vermehrt temporäre Wassereintritte.» Und: Nicht alle Anbieter prüfen ihr System auf die Regeldachneigung. Fehlt die Angabe, trägt der Unternehmer das Risiko — also am Ende du.
- Weil eine Solaranlage über 25 Jahre hält, gehört darunter ein Unterdach mit ähnlicher Lebensdauer. Für Unterdachbahnen mit dem Gütesiegel von Gebäudehülle Schweiz gilt eine Garantie von 10 Jahren.
Die eine Frage, die in die Offerte gehört: Bis zu welcher Dachneigung ist dieses Solarsystem als Deckung geprüft, und welche Beanspruchungsklasse hat das Unterdach darunter? Kommt darauf keine schriftliche Antwort, ist die Variante Indach nicht seriös offeriert.
Welche Bauart im Schutzgebiet nötig ist
Bundesrechtlich verlangt niemand Integration. Art. 32a RPV nennt für die bewilligungsfreie Dachanlage Masse: höchstens 20 Zentimeter Überstand im rechten Winkel zur Dachfläche, von oben gesehen kein Hinausragen, reflexionsarm, kompakt angeordnet. Eine Indachanlage erfüllt das ohnehin, eine sauber montierte Aufdachanlage in aller Regel auch.
Anders wird es bei Schutzobjekten. Dort ist ein Baugesuch Pflicht, und in diesem Verfahren wird über die Gestaltung verhandelt — dort ist die integrierte Ausführung häufig die einzige, die eine Bewilligung erhält. Kommunale Gestaltungskriterien dürfen dabei die Nutzung der Sonnenenergie nicht stärker einschränken als das Bundesrecht. Welcher Schutzstatus für dein Haus gilt, steht im kommunalen Inventar und im kantonalen Geoportal, nicht im Grundbuchauszug.
Was Reparatur und Rückbau je Bauart bedeuten
| Kriterium | Aufdach | Indach | Solarziegel |
|---|---|---|---|
| Dichtigkeitsfunktion | Ziegel, Anlage nur mit Befestigungspunkten durchdrungen | Modul ist die Deckung | jedes Element ist Deckung |
| Modultausch nach 12 Jahren | Modul einzeln lösbar, Dachhaut bleibt zu | typgleiches Ersatzmodul nötig, sonst Anschlussproblem | typgleiches Element nötig, Verfügbarkeit ungewiss |
| Flächenausnutzung | volle Modulleistung, rund 200 W/m² | volle Modulleistung, wenn Standardmasse verwendet werden | tiefer, weil Ränder und Zellabstände Fläche kosten |
| Brandschutz | mit nicht brennbarer oberster Schicht ohne weitere Anforderungen zulässig | Anforderungen an die Verlegeunterlage, hohlraumfreier Anschluss an Brandmauern | wie Indach |
| Zusatznutzen | keiner, Eindeckung bleibt nötig | ersetzt Eindeckung, zählt als integriert | ersetzt Eindeckung, zählt als integriert |
| Farbige Ausführung | selten sinnvoll | Zusatzkosten 50 bis 100 Fr./m², Ertragsverlust 10 bis 40 Prozent | wie Indach |
Der Ertragsverlust farbiger Module ist die einzige belegte Ertragsminderung in dieser Tabelle. Für den Unterschied zwischen Indach und Aufdach durch die schlechtere Hinterlüftung gibt es keine öffentlich zugängliche Schweizer Messreihe — und wir schreiben deshalb keine Prozentzahl hin. Was du stattdessen verlangen kannst: eine Ertragssimulation für beide Varianten vom selben Planer, mit dem Temperaturkoeffizienten aus dem jeweiligen Moduldatenblatt und der tatsächlich geplanten Hinterlüftungshöhe.
Was heisst das für dich
Klär zuerst, ob das Dach in den nächsten fünf Jahren ohnehin fällt — nur dann ist die Integration überhaupt eine wirtschaftliche Frage und nicht bloss eine ästhetische. Hol danach beide Varianten beim selben Anbieter, mit derselben Kilowattzahl, und lass die Position «Eindeckung» in jeder Variante einzeln ausweisen; dort und nicht bei den Modulen entsteht der Unterschied. Verlang für die Indachvariante schriftlich die geprüfte Mindestdachneigung des Solarsystems und die Beanspruchungsklasse des Unterdachs. Und wenn integriert gebaut wird, schreib die Fotopflicht nach Anhang 2.1 Ziff. 5.2 EnFV in den Werkvertrag — ohne Baufotos gibt es später den höheren Leistungsbeitrag nicht.
Weiterlesen
- Wann das Dach ersetzt gehört — Beurteilung je Deckmaterial und weshalb Gerüst und Solaranlage zusammengehören
- Braucht deine Solaranlage eine Baubewilligung? — Meldeverfahren, Masse nach Art. 32a RPV und die Ausnahmen bei Schutzobjekten
- Rechnet sich eine Photovoltaikanlage? — die Kostenformel von EnergieSchweiz für Aufdachanlagen
- Wie gross deine Photovoltaikanlage sein soll — Flächenbedarf, Eigenverbrauch und die 30-Kilowatt-Kante
- Im Forum: Was würdet ihr machen, Indach oder Aufdach Solar — und für die kleinteilige Variante Solarziegel
Quellen
- EnergieSchweiz, Integrierte Solaranlagen — Handlungsanleitung, August 2020 — Referenzobjekt Magglingen mit 990 und 404 Franken je Quadratmeter, Zusatzkosten 30 bis 50 Prozent, Nutzungsdauer rund 40 Jahre, 200 Watt je Quadratmeter, Farbtechnologien mit 50 bis 100 Franken je Quadratmeter und 10 bis 40 Prozent Ertragsminderung
- EnFV (SR 730.03), Art. 6 und Anhang 2.1 — Definition der integrierten Anlage, Leistungsbeiträge 400 und 360 Franken je Kilowatt ab 1. April 2025, Fotopflicht nach Ziff. 5.2
- Gebäudehülle Schweiz, Factsheet «Unterdächer unter integrierten Solaranlagen» — SIA 232/1 Ziff. 2.27.8 und 2.1.2.6, Temperaturbelastung 80 Grad, Hinterlüftung plus 15 Millimeter, Regeldachneigung, Gütesiegel mit 10 Jahren Garantie
- VKF, Brandschutzmerkblatt 2001-15de «Solaranlagen» — Definition der Einbauarten, Anforderungen an Verlegeunterlagen bei integrierten Anlagen
- EnergieSchweiz und Swissolar, Integrierte Photovoltaik — Ratgeber für Bauherrschaften — Doppelfunktion, Anwendungen, Unterkonstruktion
- RPV (SR 700.1), Art. 32a — Masse für genügend angepasste Dachanlagen


