Trommelnde Zimmermänner
[COLOR= rgb(0, 0, 0)]Im März schallt der Trommelwirbel des Schwarzspechts durch den Wald. Er ist auf Partnersuche. Leicht hat es der grosse Specht in unseren intensiv bewirtschafteten Wäldern nicht. Geeignete Bäume für den Höhlenbau sind dünn gesät. Auch zum Leid anderer Baumhöhlenbewohner, die dankbare Nachmieter der Spechtbauten sind. Getrommelt wird im Frühling nicht nur an der Fasnacht, sondern auch im Wald. Viermal pro Minute verbreitet der Schwarzspechtmann mit 17 Schlägen pro Sekunde eine klare Botschaft: Konkurrenten sollen sich von seinem Revier fern halten, Artgenossinnen hingegen sind willkommen. Es ist für die Schwarzspechte Zeit, sich zu paaren und den Höhlenbau in Angriff zu nehmen. Die Hauptarbeit übernimmt dabei der Spechtmann. Er wird vier Wochen lang mit Bauen beschäftigt sein, bevor die Paare in der Höhle ihre Jungen aufziehen.[/COLOR]
Alte Bäume für grosse Höhlen
Der Schwarzspecht ist die grösste europäische Spechtart. Er ist etwa doppelt so gross wie der in der Schweiz viel häufigere Buntspecht und fast so gross wie eine Krähe. Entsprechend seiner Grösse zimmert der Schwarzspecht geräumige Höhlen und benötigt dafür dicke Baumstämme. Bevorzugte Höhlenbäume sind Buchen, die im Höhlenbereich rund zehn Meter über Boden einen Durchmesser von mindestens 35 cm aufweisen. Diese Dicke erreichen die Buchen aber erst, wenn sie zwischen 120 und 180 Jahre alt sind. In bewirtschafteten Wäldern stehen solch alte Bäume meist gar nicht mehr. Man fällt die Buchen mit etwa 100 Jahren, wenn sie noch nicht einmal die Hälfte ihrer möglichen Lebensdauer erreicht haben. "Lässt man ein Netz von Altholzinseln stehen, fühlen sich Schwarzspechte allerdings auch im Wirtschaftswald wohl", sagt Susanna Meyer, Ornithologin bei Pro Natura. "Wichtig sind im Spechtrevier ausserdem faulende Baumgreise und Totholz", fügt sie hinzu, "im morschen Holz leben Käferlarven und Ameisen, die bevorzugte Nahrung des Schwarzspechts." Ein naturnaher Waldbau erfüllt diese Anforderungen an den Lebensraum des Schwarzspechts. Er lässt Platz für Bäume, die nicht genutzt werden. Pro Natura setzt sich für einen naturnahen Waldbau auf der gesamten bewirtschafteten Fläche ein.
Nicht nur für den Eigenbedarf
Die selbst gezimmerten Höhlen des Schwarzspechts finden im Wald reissenden Absatz. Werden sie vorübergehend oder ganz aufgegeben, streiten sich weitere Höhlenbewohner wie Dohlen, Rauhfusskäuze und Hohltauben um die geräumigen Schlaf- und Brutplätze. Neben dem Specht sind nicht viele Tiere in der Lage, ihre eigenen Behausungen zu bauen und Naturhöhlen bilden sich nur in sehr alten Bäumen. Mit seiner Bautätigkeit übernimmt der Schwarzspecht deshalb eine wichtige Funktion im Wald.
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