Wir möchten gerne eine Liegenschaft erwerben, die im Verkaufsdossier mit dem Passus
"Die neuen Gebäudeteile sind in einer Holzkonstruktion im Minergie-Standart erbaut."
beworben wird. Ich (als Laie) bin davon ausgegangen, dass das Haus über ein Minergiezertifikat verfügt. Ich habe dies als einen der Fakten angenommen, die den relativ hohen Kaufpreis des Objekts rechtfertigen. Auf meine Frage nach dem Zertifikat meinte der Architekt, es gäbe keines, denn das sei sehr teuer und würde überdies eine Zwangslüftung erfordern, was nutzerunfreundlich wäre.
Ich fühle mich nun in die Irre geführt, gehe ich doch davon aus, dass Erstellung im Minergie-Standard auch Minergie-Zertifizierung bedeutet. Nun hätten wir demnächst einen Vorvertrag unterschreiben sollen, aber ich bin mir im Zweifel, ob hier mit offenen Karten gespielt worden ist.
Wie ist Eure Meinung dazu, und wie würdet Ihr das weitere Vorgehen sehen?
Ein Haus das nach Minergie-Standart erbaut wurde hat auch ein Zertifikat.
Die Zertifikatskosten sind je nach Antragsteller zwischen 800 und 2000 CHF teuer - also im Verhältnis zum hohen Gebäudewert peanuts.
Wenn keine Zertifikat ausgestellt wurde, ist nicht nach Minimalanforderungen Minergie gebaut worden.
Minergie besagt dass ein vorgegebener Maximalbedarf an Heiz- und Warmwasserenergie nicht überschritten wird !!
Dadurch dass der Ausdruck - Gebäudeteile in Minergie-Standart gebaut - gewählt wurde, will der Schreiber verhindern, eine Klage wegen Missbrauchs eines geschützten Titels zu erhalten.
Mehr Schein als sein ist hier offensichtlich die Devise.
Wenn euch das Haus an's Herz gewachsen ist würd ich mal die Betriebskosten und den Energieverbrauch hinterfragen.
Wirbt jemand mit Minergie (und wenn's nur die Gebäudeteile sind) sollte er darüber Auskunft geben können.
Das was man Dir hier angeboten hat, besagt lediglich, dass die Gebäudeteile den Anforderungen nach MINERGIE entsprächen.... das kann aber leider viel bedeuten..und ohne den Nachweis, bzw. die Überprüfung, kann hier letztlich einiges fehlen, was ein echtes MINERGIE-Haus bräuchte. Einmal abgesehen von der KWL.
Er muss zwar die Wärmedämmung nach MuKEn09 ausführen, aber zwischen den beiden besteht eben auch der Unterschied. Abgesehen von den Energieverbrauchsmengen sollte ein grosses Augenmerk auf die Baudetails gelegt werden!
Wenn "Er" mit solchen Dingen einfach so wirbt, damit ist man als Laie dann echt getäuscht, da man die feinen Unterschiede der Wortwahl, bzw. Bezeichnungen nicht deuten/verstehen kann, dann könnte man auch vermuten, dass dies bei anderen Positionen ähnlich passiert! Da wäre also Vorsicht geboten.
Wenn Du sicher gehen möchtest, dass Dir hierbei kein Nachteil entstünde, dann solltest Du die gesamten Unterlagen, natürlich vor Abschluss, von einem Fachmann überprüfen lassen.
2. Dass Teile des Gebäudes gemäss Minergie-Standard erstellt sind, bedeutet rein gar nichts und ist auch nichts wert. Die Hütte kann im Endeffekt gerade mal das Baugesetz erfüllen.
Mir sind in letzter Zeit mehrere Bauprojekte aufgefallen, die sogar mit der Phrase "Haus wird nach Minergie-Standard gebaut" werben ... ein Zertifikat wird dann aber nicht erwähnt und im Kleingedruckten findet man dann den Satz "Optional gegen Aufpreis kann eine Komfort-Lüftung eingebaut werden"...
Man sollte also jeweils ganz genau prüfen, was man wirklich bekommt und wie es sich mit dem Energieverbrauch wirklich verhält.
Wenn das Haus nach Minergie-Standard gebaut sein soll, aber keine KWL hat, würde ich darauf verzichten.
Ich finde eher, dass so ein Haus ohne KWL, benutzerunfreundlich ist. Eine KWL kostet etwa 15- 20'000.- und das Zertifikat selber nochmals 750.-
So wie Du geschrieben hast, ist das Vertrauen eh nicht mehr da. Was haben sie Dir sonst noch verschwiegen oder irgendwo im Kleingedruckten geschrieben?
Jeder kann den Minergie-Antrag mit etwas Fleiss selber ausstellen.
Das glaubst du wohl selber nicht.
Genauso kann jeder Elektro-, Sanitär, Heizungsinstallationen machen. Wenn du fähig bist, den Nachweis selbst auszufüllen, führst du Eigenleistungen aus. Genauso könntest du andere Planungsaufgaben übernehmen. Und auch die sind etwas wert.
Wenn Kobelt nur 800 Franken verlangt, dann wohl, weil es ein Fertighaus ist, für den der Nachweis bereits einmal erstellt wurde und nun recycelt wird.
Erstmal vielen Dank für Eure Hinweise! Ich habe noch anderweitig recherchiert und herausgefunden, dass es gar nicht so unüblich ist, darauf hinzuweisen, dass einige Teile des Baus nach Minergie-Standard erstellt worden sind, dass aber auch aufgrund hoher Kosten auf das Zertifikat verzichtet wird. Das ist natürlich für den Laien ein gefährlicher Stolperstein.
Noch an einer anderen Stelle gab es unsaubere Formulierungen, die wiederum zu Diskussionen führen werden - auch das fördert das Vertrauen nicht gerade. Wenn das Objekt nicht so toll wäre, hätten wir uns wohl längst zurückgezogen. Mal schauen...
minergie ist nur ein label welches u.a. eine automatisierte lüftung mit wärmerückgewinnung voraussetzt, natürlich auch gewisse sicherheiten gewärleistet, bestimmt auch laien bessere argumente bei verkaufsverhandlungen bietet...ein konventionelles, nicht-minergie zertifiziertes haus, muss deswegen in keiner weise schlechter sein als ein zertifiziertes... /emoticons/default_ohmy.png
Bei uns hat der Kanton BL die Zertifizierungskosten von CHF 900.-- vollumfänglich übernommen. Eine KWL hätten wir allerdings auch ohne Minergie-Zertifikat angeschafft. Allein schon wegen des Lüftens. Da die neuen Häuser heute so dicht sind, muss wirklich jeden Tag mehrmals gelüftet werden, da sich sonst Kondenzwasser oder noch schlimmer Schimmel bilden kann. Mit der KWL fällt dieser Aufwand weg.
minergie ist nur ein label welches u.a. eine automatisierte lüftung mit wärmerückgewinnung voraussetzt, natürlich auch gewisse sicherheiten gewärleistet, bestimmt auch laien bessere argumente bei verkaufsverhandlungen bietet...ein konventionelles, nicht-minergie zertifiziertes haus, muss deswegen in keiner weise schlechter sein als ein zertifiziertes... /emoticons/default_ohmy.png
Hallo corre
da hast du vollkommen recht ! Beim Verkaufen wendet sich das Blatt allerdings.
Als Käufer muss ich auf die Aussagen des Verkäufers vertrauen.
Wenn dieser ein Minergie Zertifikat hat, weiss ich was dahintersteckt.
Fazit: Ich würde kein Haus ohne Zertifikat kaufen. Da kann der Immofuzzy soviel erzählen, wie er will !
Ein Kollege hat mir beim Einzug im letzten Jahr auch erzählt, dass sie nach Minergiestandard gebaut haben, aber das Zertifikat wegen Geldmangel nicht beantragt haben......Nach einem Jahr war ich mal in dem Haus....Keine Lüftung, 2 fach verglaste Fenster und Heizkosten, die mir die Haare zu Berge stehen lassen.....was ist daran Minergie...../emoticons/default_confused.png
Fazit: Ich würde kein Haus ohne Zertifikat kaufen. Da kann der Immofuzzy soviel erzählen, wie er will !
Das sehe ich ein bisschen anders. Wir haben ein fast-Minergie-Haus ohne Zertifikat gebaut. Für dieses Haus haben wir natürlich einen Energienachweis, der überprüfbar ist. Darin hast du alle Angaben, die du brauchst, inkl. U-Wert der Wände, Fenster, usw und den Energiebedarf, EBF, etc.
Das genügt zur Standort-Bestimmung. Mit ein paar zusätzlichen Angaben (COP der Wärmepumpe, Typ und Luftmenge der KWL) kann man auch selbst noch zur Kontrolle einen Minergie-Nachweis erstellen und so überprüfen, wo man gemäss aktuellem Minergie-Label stehen würde. Dies habe ich für unser Haus auch gemacht und kam wie erwartet ganz knapp höher als den Minergie-Grenzwert zu liegen. Somit hatte ich die Angaben doppelt kontrolliert.
Bei einem Kauf würde ich neben dem Energienachweis auch noch die Heiz- / Energiekosten-Abrechnung der letzten 2-3 Jahre anfragen. So kriegst du ein genaues Bild. Ein Minergie-Zertifikat ist dafür nicht notwendig. Zudem: Was nützt mir in 10-15 Jahren ein Minergie-Zertifikat aus alten Tagen? Bis dann sind wahrscheinlich die Mindest-Anforderungen unter den heutigen Minergie-Grenzwerten. Ein so altes Zertifikat wird dann niemanden mehr interessieren und ein neues wirst du nicht kriegen, da das Haus die dann gültigen Anforderungen nicht mehr erfüllen wird.
minergie ist nur ein label welches u.a. eine automatisierte lüftung mit wärmerückgewinnung voraussetzt, natürlich auch gewisse sicherheiten gewärleistet, bestimmt auch laien bessere argumente bei verkaufsverhandlungen bietet...ein konventionelles, nicht-minergie zertifiziertes haus, muss deswegen in keiner weise schlechter sein als ein zertifiziertes... /emoticons/default_ohmy.png
ich muss sagen, ich teile die Meinung von corre (und auch sirupflex) im grossen und ganzen.
MINERGIE ist ein Verein mit wirklich tollem Marketing ...
alle Welt spricht von Minergie-Bauten, Passivhäusern, Klimahäusern etc .. es ist irgendwie alles "grün", CO2-Neutral, umwelt- und/oder klimaschonend
aber das alles gibt meiner Meinung nach einen ziemlichen "Labelsalat" .. ich glaube in ganz Europa gibt es keinerlei einheitliche Standards ... und auch Minergie hat schon wieder ein neues Label "MINERGIE-A" und "MINERGIE-A-ECO" lanciert ... je mehr solche Levels es gibt, desto weniger wird der private Bauherr schlau .. es macht fast den Eindruck als das ein "altes" MINERGIE oder MINERGIE-ECO Haus "schlecht" ist
Natürlich macht es Sinn (und ich würde nichts anderes machen) als ein energieeffizientes Gebäude zu erstellen
aber in das ganze Thema gehört eigentlich auch zu beachten ob mit lösemittelfreien, ökologischen Baustoffen gearbeitet wurde, woher die Materialien kommen (Stichwort Tropenholz) und wie sirupflex schon erwähnte den Energienachweis und die Heiz- und Stromkosten der vergangenen Jahre zu begutachten
Am Schluss bestimmt sowieso das persönliche Verhalten im Umgang mit der gesamten (grauer und weisser) Energie .. da kann eine Familie in einem nicht zertifizierten Haus bessere Werte erreichen als ein verschwenderischen Pärchen in einem Minergie-P-Eco-Haus
aber das alles gibt meiner Meinung nach einen ziemlichen "Labelsalat" .. ich glaube in ganz Europa gibt es keinerlei einheitliche Standards ... und auch Minergie hat schon wieder ein neues Label "MINERGIE-A" und "MINERGIE-A-ECO" lanciert ... je mehr solche Levels es gibt, desto weniger wird der private Bauherr schlau .. es macht fast den Eindruck als das ein "altes" MINERGIE oder MINERGIE-ECO Haus "schlecht" ist
Das ist in der Tat so, dass Minergie nur ein Verein mit gutem Marketing ist. Das ist grundsätzlich problematisch, im Vergleich zu staatlichen Labels hat man keinerlei demokratische Einflussmöglichkeit. Immerhin bemüht sich Minergie seit kurzem um die Meinung aussenstehender (vgl. Vernehmlassungsverfahren Minergie-A) einfliessen zu lassen. Theoretisch könnte der Verein machen was sie wollen.
Grundsätzlich kann jeder ein Verein und ein eigenes Label lancieren. Dass es nur Minergie gelungen ist, das einzige etablierte Label im CH-Markt zu werden, spricht für Minergie. Ich finde nicht, dass wir einen Label-Salat haben. Die Minergie-Labels sind gut voneinander abgegrenzt.
Hätte Minergie das Quasi-Nullenergie-Haus nun nicht mit Minergie-A standardisiert, dann gäbe es in der Tat bald einen Wildwuchs an Labels, weil hier dann anderer in die Bresche springt oder jeder seine eigene Ansicht von Nullenergie zum Standard erklärt.
Eigentlich könnte es auch der Staat sein, der hier die Messlatten setzt. Dieser agiert aber nicht schnell genug. Insofern haben sich hier Private etabliert. Und das funktioniert offenbar bestens.