Rasenkrankheit
- leanderc994 Beiträge18. April 2020 · bearbeitetHallo,
wisst ihr welche Krankheit das sein könnte? Habe den Rasen im 2019er Sommer leider sehr stark abends (~täglich 20 Min) gewässert. Die krankhaften Gräser lassen sehr leicht abziehen. Die Wurzeln erscheinen dünn und schwach. Ist es Wurzelfäule oder / und ein Pilz?
Was hilft? Vertikutieren (ohwohl der Rasen so schwach ist). Habe eine Bodenprobe eingeschickt, um optimal / richtig zu düngen.
Danke.



- Susann6’311 Beiträge18. April 2020 · bearbeitetWässern war 2019 schon ok, mein Rasen ist in der Hitzeperiode verbrannt, das mag er noch weniger 😉
Es sieht nach Pilz aus, aber bei den kleinen Fotos lässt sich schwer beurteilen, um welchen es sich handelt. In der Regel ist es im Frühjahr Schneeschimmel. Den gibt es auch ohne Schnee, übrigens 🙂 Der ist nicht problematisch und verschwindet im Lauf des Frühjahrs, vorausgesetzt, der Boden ist gut durchlässig. Die Wurzeln sind meist nicht betroffen und man kann den Schimmel oberflächlich abrechen.
Schwieriger wäre die Rotspitzigkeit, ein hartnäckiger Pilz.
Grundsätzlich ist Vertikutieren schon das Richtige, allerdings müsstest du allenfalls nachsäen und einen Frühjahrsdünger ausbringen. Das wirst du aber bei der Beurteilung der Bodenprobe erfahren.
Wenn der Rasen generell schwächelt, dann ist etwas mit dem Untergrund problematisch. Ist der Boden verdichtet? Wie dick ist die Humusschicht ungefähr?
Wenn es nur an bestimmte Flächen betrifft und du den Rasen einfach abziehen kannst, würde ich auch nach Engerlingen (Maikäfer, Junikäfer, Gartenlaubkäfer, aber nicht der Rosenkäfer!) schauen. Dann helfen auch nur Abtragen, Engerlinge entfernen und Neusaat.
- leanderc994 Beiträge18. April 2020Danke!! Hilft. Anbei bessere Bilder. Vielleicht kann man damit erkennen ob es Rotspitzigkeit ist.
Die gelben Stellen sind seit 2 Jahen immer an etwa den gleichen Stellen...spricht das für einen Pilz?
Zudem hab ich den Rasen wohl etwas überdüngt. Die letzte Analyse in 2018 zeigte einen absurd hohen Magnesium Wert. Daher habe ich besonders viel gewässert und mir wohl so den Pilz eingefangen.
Der Boden ist eigentlich nicht verdichtet. Rasen wurde vor 70 Jahren angelegt. Sah in 2016 fantastisch aus. Humusschicht ist 10 CM+
Insekten habe ich nirgends gesehen.

Da auch viel Moos drin ist, wird er nach dem Vertikutieren zu 30% kahl sein. Hoffe das die Bodenanalyse Nährstoffmangel belegt (der ja gut das Moos erklären würde).











- Susann6’311 Beiträge19. April 2020 · bearbeitet
Bei den Bildern würde ich tatsächlich auf Rotspitzigkeit tippen.
Pilzkrankheiten haben immer mit zuviel Feuchtigkeit zu tun (ausser Mehltau, aber das ist ein anderes Thema). Da du auch noch viel Moos drin hast, war es vielleicht doch des Guten zuviel letztes Jahr...
Meist wird zudem empfohlen, am Morgen statt am Abend zu wässern, aber das alleine hätte letztes Jahr wohl nicht den Schaden gebracht. Es war ja eher zu trocken, auch nachts.
Ein Magnesiumüberschuss im Boden führt zu einem Ungleichgewicht, insbesondere Kalium kann bei zuviel Magnesium im Boden nicht mehr aufgenommen werden. Kalium ist aber wichtig für die Stabilität der Pflanze, bezüglich Winterhärte und Krankheiten. Ein Kaliummangel würde auch die schwachen Wurzeln erklären.
Bevor du jetzt aber Kalium ausbringst: Dafür ist jetzt nicht die richtige Jahreszeit. Rasen sollte man - wie die meisten Pflanzen - im Frühjahr und im Herbst nicht gleich düngen, im Frühjahr braucht es z.B. mehr Stickstoff als Antreiber und im Herbst Kali zum stabilisieren. Zudem ist Düngen eine knifflige Angelegenheit, es braucht schon viel Wissen und Erfahrung, um einzelne Komponenten richtig einzusetzen. Da würde ich eher auf bewährte Mischungen setzen.
Hier findest du im Kommentar Angaben, welchen Dünger du wann einsetzen solltest (muss nicht diese Marke sein, es geht um die Zusammensetzung). Die haben übrigens auch einen "Kummerkasten", wenn du deine Frage von Profis beantwortet haben möchtest. Aber du kannst auch einfach noch die Bodenprobe-Resultate abwarten.
Vertikutieren schadet auch einem schwachen Rasen nicht. Im Gegenteil, das Pilzige muss weg, damit es sich nicht weiter ausbreitet. Der gesunde Anteil im Rasen kann sich wegen dem Pilz auch nicht weiter entwickeln bzw. ausdehnen. Lieber nackte Stellen nachsäen als darauf hoffen, dass der gesunde Rasen gegen den Pilz ankommt oder sich die befallenen Rasentriebe "erholen". Man kann Pilz schlecht bekämpfen, man kann nur vorbeugen. Also muss erst der Pilz weg und dann der gesunde Anteil gestärkt werden.
- leanderc994 Beiträge19. April 2020Danke!! Wäre ich mal früher gekommen...
Werde "richtig" vertikutieren (bisher reche ich nur).
Danach Ha-Ras Rasendünger (aus deinem Link für April empfohlen) ausbringen.
Sobald es über 10 Grad bleibt nachsähen.
Werde morgens wässern (falls überhaupt nötig). Zudem werde ich die Bewässerung so einstellen, dass der Schattenbereich deutlich weniger Wasser abbekommt. Der Schattenbereich hat deutlich mehr Pilz.
Frustrierend ist, dass ich bereits letztes Jahr letztlich obiges gemacht habe. "Brutal" vertikutiert, nachgesät und penibel laut der Düngerempfehlung der Bodenanalyse (s. Anhang) vorgegangen bin.
Es wird folgende Düngung benötigt:
1. Düngung Mitte bis Ende Mai mit: 25 g 60er Kali auf 1 m² & 50 g Schwefelsaures Ammoniak auf 1 m²
2. Düngung Ende Juni bis Anfang Juli mit: 25 g Schwefelsaures Ammoniak auf 1 m² &
3. Düngung Ende Juli bis Anfang August mit: 20 g Schwefelsaures Ammoniak auf 1 m²
Ihr Boden ist ausreichend mit Kalk versorgt. Eine Kalkung ist nicht notwendig.
Allerdings habe ich falsch gewässert (weil ich das Magnesium auswaschen wollte...). Das kann ich dieses Jahr massiv verbessern.
Letztlich sind weniger als 10m2 befallen. Würde vielleicht Azoxystrobin einen Versuch wert sein? Ich nutze es ja auch 2 Meter weiter bei den Rosen...
VG,
Leander
Anhang anzeigen 18 Rasenbodenanalyse short.pdf
- Susann6’311 Beiträge19. April 2020 · bearbeitetHm, dann hast du wohl eher das leicht auswaschbare Kalium ausgespült und es ist dir nur das Magnesium geblieben...
Dann könnte es aber auch sein, dass die Hauptursache nicht ein Pilz ist, sondern die durch den Mangel geschwächten Triebe und Wurzeln über Winter verkümmerten und teilweise abstarben...
Auf dem Bild erscheint dann rötlich, was eigentlich nur braun ist - kann das sein? Du siehst es in Real besser als ich auf dem Bild: Bei Rotspitzigkeit wären die Triebe eher braunrosa, nicht braun.
Schwefelsaures Ammoniak kenne ich nur gegen Moos oder Klee, es arbeitet gegen einen hohen PH-wert und macht den Boden leicht sauer. Allerdings hab ich mal gelesen, dass die anderen Werte, insbesondere Stickstoff und Kalium gut sein müssen, damit es den Boden nicht übersäuert, was Gräser ja eigentlich nicht mögen... ?
Aber ich bin keine Spezialistin für Boden und auch nicht für Rasen, ich würde nicht gegen die Kalium- und Ammoniakgabe anreden, wenn dir das so empfohlen wurde!
Ich habe grundsätzlich Zweifel, dass du jetzt mit einem einzelnen Wirkstoff operieren solltest. Im späten Winter, also bis Ende März, wäre Kali als Einzeldüngung allenfalls noch hilfreich gewesen, aber "bis Ende Mai"? Jetzt, wo es schon wieder so trocken ist? Und erst Kali reinpumpen, um dem Boden das schwefelsaure Ammoniak erträglich zu machen?
Ich weiss nicht... ?
Ich gehe von der allgemeinen Pflanzenpflege aus und bin grundsätzlich
a) vorsichtig mit einzelnen Nährstoffgaben im Hausgarten und
b) für eine Kalidüngung im Herbst, aber nicht im Frühjahr
Mehr zu Kalium findest du auch hier.
Letztlich sind weniger als 10m2 befallen. Würde vielleicht Azoxystrobin einen Versuch wert sein? Ich nutze es ja auch 2 Meter weiter bei den Rosen...
Du kannst es versuchen, aber da es sich nicht 100% sicher um einen Pilz, sondern allenfalls um einen Mangel handelt, würde ich nicht mit grobem Geschütz auffahren.
Allerdings mache ich das auch bei den Rosen nicht (mehr). Fungizid und Herbizid greifen in das natürliche System ein und killen nicht selten Nützlinge, deshalb tendiere ich im Garten auf die Stärkung der gesunden Anteile unter Entfernung der kranken. Immerhin führt sogar Neudorff Azoxystrobin im Angebot, es gehört also nicht zu den ganz grossen Übeltätern 😉
Aber nochmals: Nach meiner Erfahrung kann man gegen Pilz nur vorbeugen, nicht dagegen ankämpfen, wenn er mal da ist. Entgegen der Angaben auf der Verpackung habe ich noch nie erlebt, dass ein Pilz auf Rosen verschwunden wäre, wenn er sich bereits ausgebreitet hat; ist er aber nur auf einem Blatt zu sehen, kann man auch einfach den Blatttrieb entfernen und dann den Rest stärken 🙂 (Ich habe ca. 170 Rosen im Garten...)
Persönlich würde ich folgendermassen vorgehen:
Wenn das Vertikutieren übertrieben scheint und eh nur ein Teil befallen ist, kannst du auch das braune Zeug so gut als möglich ausrechen - kahle Stellen werden vermutlich auch so entstehen. Sind sie zu grossflächig, kannst du da nachsäen.
Dann würde ich einen Langzeitdünger wie den von Hauert ausbringen; da sind alle Komponenten, auch Kali, mit drin, werden aber durch die unterschiedliche Auflösung der Hüllen nicht alle gleichzeitig abgegeben (ähnlich wie bei den Düngekugeln, die man in Töpfe steckt). Das könntest du dann im Sommer wiederholen (vorausgesetzt, es regnet mal wieder bis dahin, sonst hilft Düngen nichts mehr und die Rasenschönheit ist dann eh zweitrangig).
In dieser Zeit würde ich - sinnvoll - wässern und beobachten, wie sich der Rasen entwickelt. Mit Gift kannst du dann immer noch operieren 😉
- leanderc994 Beiträge19. April 2020Meine Problemstellen haben absolut nichts Rosanes.
Bisher habe ich keine Rasenkrankheit im Netz auf Bildern entdeckt, die meinem Problem exakt ähnelt.
Das Rosane was du beschreibst und was man hier auch bei google unter "Rotspitzigkeit & Bilder" sieht" habe ich nicht.
https://www.google.com/search?q=rotspitzigkeit&rlz=1C1CHBF_deDE896DE896&sxsrf=ALeKk00bS1b0yYWdAR7_LGG2EirWEhp3jQ:1587309185183&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwiRqYbB4_ToAhUF66QKHX4WAjQQ_AUoAXoECBEQAw&biw=1067&bih=505#imgrc=Ee5goprN2GAy4M
Das spricht ja sehr für deine Hypothese mit dem Nährstoffmangel. Ich habe jetzt als "second opinion" den Bodenanalyse Anbieter gewechselt.
Ich muss jetzt mal darauf hoffen, dass der Boden sehr nährstoffarm ist. Dann spricht noch mehr für deine These "Auswaschung" und ich kann mit Langzeitdünger Hauert relativ einfach "heilen".
Zudem werden ich eine Bodenprobe einer problematischen Stelle machen lassen. Vielleicht habe ich ja genau an den Stellen den Boden durch einen Düngefehler ruiniert. Dann muss ich den ausstechen.
Für Pilz spricht (falls ich nicht nur segr partiell überdüngt habe), dass die Problemstellen immer an der gleichen Stelle kommen. Ich werde mal die Halme einschicken. Das scheint zu gehen.
https://www.landwirtschaftskammer.de/Landwirtschaft/pflanzenschutz/krankheiten/index.htm
Vielen Dank für die Hilfe - bin durch dich in 2 Tagen viel weiter gekommen als in 2 Jahren.
1× hilfreich - Susann6’311 Beiträge19. April 2020 · bearbeitet
Das Rosane was du beschreibst und was man hier auch bei google unter "Rotspitzigkeit & Bilder" sieht" habe ich nicht.
Es kommt sehr auf die Aufnahme an, beim Wiki-Bild links wäre ich jetzt nicht auf sofort auf Rotspitzigkeit gekommen, bei der Nahaufnahme rechts dann schon eher:

Hab ja deine Bilder in Vergrösserung "untersucht" und bin an diesem Ausschnitt hängen geblieben:

Es ist eben beides drin, Braun und Rosa, je nach Zustand kann es braun oder eher rosa aussehen. Aber Fotos sind halt diesbezüglich eher ungenau.
Aber das hier trifft es genau ?

Ich werde mal die Halme einschicken. Das scheint zu gehen.
Gute Idee, dann hast du Klarheit!
https://www.landwirtschaftskammer.de/Landwirtschaft/pflanzenschutz/krankheiten/index.htm
Vielen Dank für die Hilfe - bin durch dich in 2 Tagen viel weiter gekommen als in 2 Jahren.
Gerne 🙂 Und viel Erfolg!