Lese schon seit Jahren mit und möchte nun auch eine Frage stellen.
Wir haben vor knapp 2 Jahren das erste Mal (mit Architekt) gebaut. Es steht uns im November die 2 Jahresgarantieabnahme bevor.
Der Architekt machte während dem Bau mit seinem Team auch die Bauleitung und wir hatten ein gutes Verhältnis und soweit auch keine Probleme. Nach Abschluss des Baus und mit der Gestaltung vom Garten kamen dann aber einige Differenzen und Ungereimtheiten. Der Garten kostete am Schluss das doppelte und auch diverse Abschlussrechnungen waren mit Zusatzarbeiten versehen, die wir nicht freigegeben hatten. Wir haben daraufhin den Architekten und Bauleiter in die Pflicht genommen und konnten mit allen Unternehmern eine Lösung finden. Auch vom Architektenhonorar haben wir was gestrichen, da wir uns auf fehlende Leistungen geeinigt hatten. Seither ist das Verhältnis aber verständlicherweise ein wenig angespannt.
Wir befürchten nun, dass mit der 2 Jahresabnahme der Bauleiter sich nicht mehr die Finger krumm machen möchte und allenfalls für ihn auffallende Mängel uns nicht zeigt und wir diese als Laie nicht erkennen. Generell haben wir den Eindruck, dass momentan keine Mängel vorliegen und wir einiges schon mit den Handwerkern bereinigen konnten (undichte Garagenaussenwand, Heizungskreise mit defektem Rücklaufventil, etc.).
Nun ist die Frage, ob und falls ja wen wir als Bauexperten vor oder auch während der Abnahme mit ins Boot holen sollen? Kann man hier auf den HEV zurück greifen oder gibt es sonst eine Anlaufstelle? Wir sind in der Region Zofingen AG zuhause. Was kostet sowas in etwa und wie lange dauert das? Ich stelle mir da so vor, dass der Experte sich in einem Rundgang (20-30min.) ein Bild macht von den möglichen Garantiepunkten und uns dann ein kurzes Feedback geben könnte.
Was sind offensichtliche Mängel die man beachten sollte? Silikonfugen gehören ja da zum Beispiel nicht dazu. Feine Risse in den Betonwänden?
Vorab....20-30 Minuten für eine Begehung werden nicht reichen. Du hast ja bei einem EFH meist ein Kellergeschoss, Erd- und ggf. Obergeschoss, oder Dachgeschoss.... eine Anzahl von Räumen und natürlich auch noch die Aussenfassade, die Dachfläche und ggf. noch eine Garage...
Es ist zudem sehr wichtig, dass man bei der 2-jährigen Abnahme genau hinschaut, denn für die nicht erkannten Mängel tritt danach eine Beweisumkehrlast ein. Bedeutet, der Bauherr muss dann selbst "nachweisen", dass es sich um einen Mangel handeln würde.
Bei von mir begleitenden Abnahmen/Vorabnahmen (oder grundsätzlichen Begehungen wegen vermutlicher Mängel/Problemen) war ich mit den Kunden meist zwischen 2 und 3 Stunden unterwegs. Gab es entspr. viele/grössere Mängel, auch noch länger. Zudem kommt, je nach Kundenwunsch, auch noch eine schriftliche Stellungnahme, oder der Kunde macht sich direkt selbst die Notizen...
Wenn man das Honorar nichtvollständig bezahlt, motiviert man natürlich nicht zu Höchstleistungen.... Ob dies gerechtfertigt war, kann ich nicht beurteilen. Ist das in Deinem Beruf auch üblich, dass Dir die Arbeit nicht vollständig bezahlt wird, obwohl Du wie Du ja schreibst zufrieden warst?
Grundsätzlich sehen Bauherren fast mehr, da Sie zwei Jahre lang im Haus wohnen, währenddem man bei der Abnahme nur eine Runde im und ums Haus macht. Die Frage ist daher oft, was ist ein Mangel. Zu Deiner expliziten Frage: Beton ist ein gerissener Baustoff. Feine Risse in Betonwänden sind daher nicht aussergewöhlich und auch kein Mangel.
Vorab....20-30 Minuten für eine Begehung werden nicht reichen.
Ja da gebe ich dir Recht! 2-3 Stunden wären ja auch in Ordnung.
Ist das in Deinem Beruf auch üblich, dass Dir die Arbeit nicht vollständig bezahlt wird, obwohl Du wie Du ja schreibst zufrieden warst?
Danke für dein Feedback Urs. Wenn ich nicht die vereinbarten Leistungen bringe, dann wäre eine Kürzung wohl mehr als gerechtfertigt.
Nur als Beispiel hat der Garten von den ursprünglichen 25k (Offerte/Werkvertrag) am Schluss 50k gekostet und niemand hat uns da informiert oder gefragt. Der Gärtner hats offenbar mit dem Bauleiter/Architekten besprochen, die Info kam nie zu uns und er hatte auch die Kompetenz nicht dies freizugeben.
Architekt hat das gemauerte Treppenauge gezeichnet aber nicht ausgeschrieben / mit drin gehabt im Werkvertrag (Pauschal), sodass es dann als zusätzliche Regiearbeit verrechnet wurde.
Vorhangschienen am falschen Ort/Zimmer und das fiel dem Bauleiter nicht auf, wir mussten es selbst mit den Handwerkern anschauen.
Und davon gab es dann noch ein paar weitere Dinge. Fairerweise muss man sagen, dass der Bauleiter wohl mit zuviel Arbeit eingedeckt war, aber darunter darf die Qualität nicht leiden die man ja auch bezahlt. Und das Entgegenkommen lag im einstelligen Prozentbereich. Wir waren wirklich fair und nett.
Kann jemand noch einen Tipp geben wo ich am besten zu einem Experten für eine solche Abnahme gelange und was das in etwa kosten würde? Die 2-3 Stunden vor Ort + allfällige Vor-/Nacharbeiten.
Habe beim HEV eine Beratung gebucht. Ein Experte kam dann vor der Abnahme für 1.5 Stunde vor Ort und hat sich alles angeschaut. Er war sehr zufrieden mit den Arbeiten und hat auch keine zusätzlichen Mängel gefunden. Ein paar Tipps und Tricks und vorallem Komplimente haben wir erhalten. Im Endeffekt war es natürlich gut, dass er da war, aber ja, „leider“ auch nichts gefunden hat für die rund 650 Fr. die wir inkl. Mitgliederrabatt bezahlt haben. Die Abnahme mit dem Bauleiter war dann auch einfach und schnell erledigt. Es gab kleinere Sachen wie Fenster einstellen, ein Stück Fuge welches herausgebrochen war, Ausbesserungen vom Maler und die Beschriftung der Leitungen (Vorlauf, Rücklauf, etc.) welche vergessen wurde. Der Bauleiter hat dann alles aufgenommen und alle Arbeiten an einem Tag koordiniert.
Unsere Abnahme war daher sehr entspannt. Wir haben aber auch schon zu Bauzeiten sehr geschaut und auch kurz nach Fertigstellung erste kleine Mängel (ein Heizungsverteiler der Bodenheizung lies sich beim Durchfluss nicht richtig einstellen) beheben lassen.