Hallo Urs
Grundsätzlich kann ich deinen Angaben zustimmen. Aber Minergie-P hat auch viele Ungereimtheiten bei der Zertifizierung. So hätten wir z.B. nach früherer Berechnung mit unserem monolithischem Mauerwerk (49cm Stein) Minergie-P erreicht, nach der neuen Berechnungsart waren es dann 54KW/m2 Jahr. Also somit kein Minergie-P ohne zusätzliche Aussendämmung/Dämmputz. Real habe wir jetzt über etwas mehr als 2 Jahre einen tatsächlichen Verbrauch von unter 45KW/m2 Jahr, (540m2 beheizbare Fläche und FreeCooling). Real wäre es also erfüllt. Und bei uns ist mehr als warm im Winter. Ein Problem sehe ich in unserem Fall darin, dass z.B. die Speicherfähigkeit des Steines nicht mit in die Berechnung einfliesst.
Wie schnell sich eine Photovoltaik amortisiert, oder auch wie hoch die Kosten für Heizung/Warmwasser sind, ist natürlich eine Frage der lokalen Stromkosten, und auch der Einspeisevergütung. Sinn macht eine PV aber allemal. Das Problem, zumindest beim Nachrüsten, sind im Moment die exorbitant hohen Kosten, und auch der Mangel z.B. geeigneter Wechselrichter, wenn man bestimmte Ansprüche daran hat. Z.B. eine API zum anbinden an die Gebäudeautomation. Diese sollte eigentlich international genormt, und vorgeschrieben sein, damit sie durchgängig in jede erdenkliche Art der Gebäudeautomation mit eingebunden werden können. Die Eigenbrödlerei der Hersteller muss einfach einmal unterbunden werden. Denn nur wenn diese vorhanden ist, lässt sich eine Gebäude auch automatisiert, effizient steuern und regeln. Bestenfalls kommt die API vom Wechselrichter selbst, und nicht von der Cloud. Vor allem aber müssen sie SmartGrid unterstützen, damit die Haushaltsgeräte wissen, dass nun ausreichend solare Energie zur Verfügung steht, damit der Start des Programmes beginnen kann. Das ist wichtig, wenn man keine Gebäudeautomation hat.
Wichtig war bei uns auch, dass die Wärmpumpe, welche anfänglich ja logischerweise auf die berechneten Werte eingestellt war, für den realen Bedarf nachjustiert wird. Bei uns hat das etwas um die 20% Einsparung gebracht, und es ist immer noch gleich warm im Winter.
Was die Gebäudedämmung/Gebäudehülle angeht, ist Minergie-P nicht wesentlich teurer, als "konventionelle" Bauten. Dem Maurer ist es mehr oder weniger egal, welchen Typ Stein er verbaut, es ist nur eine Frage, wie schnell er vorankommt. Ein monolithischer Stein wird genau gleich vermauert, wie ein normaler Backstein, nur halt vollflächig vermörtelt/verklebt. Bei einer Aussendämmung ist es nahezu egal ob der Handwerker 160mm oder 200mm Dämmung anbringt. Die Materialkosten sind dann vielleicht etwas mehr. Es kann aber auch sein, dass 200mm Mineralwolle/Holzfaser günstiger sind, als 160mm. Da haben die Hersteller enorme Unterschiede, und auch Margen. Das sind Mehrkosten, die sich bei einer seriösen Planung, an anderer Stelle, ohne Einbussen, "einsparen" lassen. Wenn ein Architekt nicht auf ein Produkt, oder auch auf eine Firma fest eingeschossen ist, lässt sich oft viel sparen.
Sorry Urs, du weisst, ich mag keine zusätzlichen Dämmungen, und ich halte auch nicht mehr viel, aus eigener Erfahrung, von diesen Zertifizierungen. Eine angepasste, auch seriös umsetzbare MuKEn 2014, oder wie sie dann heissen soll, für den allgemeinen Wohnungsbau, mit kurzer Umsetzungspflicht für alle Kantone wäre sicher die bessere Alternative. Man müsste sich natürlich auf das Elementare begrenzen, und z.B. Firmen, Konzerne bei der Bearbeitung/Erstellung aussenvor lassen. Alles auf nackter wissenschaftlicher Basis. Sonst läuft man eigentlich immer Gefahr, dass man sich im "klein klein" verheddert. Viele Köche verderben halt den Brei. Wenn dann alle, ausser den Bauherren und Baufrauen, jammern, ist vermutlich alles richtig gemacht worden. In der Masse braucht es einfach geeignete Mindeststandards, ohne Schnickschnack, der nur auf dem Papier funktioniert. Warum brauche ich z.B bei Minergie-P eine KWL wenn ich ein monolithische Mauerwerk habe, oder geeignetes Dämmmaterial verwende? Ja es ist Komfort, energetisch aber absolut unrelevant, eher negativ, und verursacht zusätzliche Kosten. Mein Vorschlag wäre, dass Forschungsinstitute in Bauten unterschiedlichster Ausführungen, Alters und Wohnverhältnissen, Messketten aufbauen, um im grossen Umfang an tatsächliche Daten zu kommen. Denn in der Praxis/Realität sind die Werte, auch bei Minergie, oft wesentlich besser, als die berechneten. Diese Daten werden dann verwendet um die Mindeststandards zu definieren. Das könnte, richtig ausgeführt, mit einer breiten und grossen Datenbasis erheblich Baukosten einsparen. Davon bin ich fest überzeugt.
Dann müssen Vorgaben vom Gesetzgeber gemacht werden, und nicht von Vereinen, deren Mitgliederliste mich schon an einer Unabhängigkeit zweifeln lässt. Nur dann ist es landesweit gesamtenergetisch sinnvoll und auch vielleicht noch bezahlbar. Minergie ect. sind aktuell eigentlich nur "Insellösungen" die gesamtenergetisch, im gesamten Land, eigentlich nicht viel zu Energiebilanz beitragen, und auch noch zusätzliche Kosten verursacht. Und wenn ich mich an einige "GEAK Vorschläge" erinnere, muss ich sagen, dass dies so auch keine optimale Lösung ist. Bsp. dazu?
Ablauf einer energetischen Sanierung eines Bestandsgebäudes aus den 70igern:
erst Gebäudehülle->dann Dach-> dann Fenster. Bestehende, sehr alte Ölheizung, noch einmal durch eine neue Ölheizung ersetzen. Ablaufzeit über 8 Jahre, des Geldes wegen. Diese Ausführung basiert auf ein Gutachten vor rund einem Jahr. Das mag ein Extremfall, oder auch eine Ausnahme sein. Aber auch bei anderen Gutachten fand ich Punkte, wo die Massnahmen zwar richtig waren, die Abläufe aber einfach nicht logisch sind, und so nur unnötige Mehrkosten produziert wurden, und noch schlimmer, einmal sogar ein Dämmstoffhersteller "empfohlen" wurde.
Gruss Pit