Fenster erneuern: Worauf es bei Sanierung und Neubau wirklich ankommt
Von Angelov - stock.adobe.com
Alte Fenster verraten sich meist durch deutliche Anzeichen: Zugluft an kalten Tagen, beschlagene Scheiben im Winter, schwergängige Griffe oder ein Rahmen, der sich trotz mehrfachem Anstrich nicht mehr wirklich dicht schliessen lässt. Wer solche Symptome an mehreren Fenstern gleichzeitig bemerkt, steht meist vor einer grundsätzlichen Entscheidung und nicht nur vor einer punktuellen Reparatur. Besonders bei Gebäuden aus den 1980er- und 1990er-Jahren ist häufig noch Zweifachverglasung verbaut, die im Vergleich zu heutigen Standards spürbar mehr Wärme nach aussen durchlässt.
Ein Fenstertausch lohnt sich in der Regel dann, wenn die Heizkosten trotz gedämmter Aussenwände unverhältnismässig hoch bleiben oder wenn Schimmelbildung an den Laibungen auf eine schlechte Wärmedämmung hindeutet. Wer sich vor der Entscheidung erst einen Überblick über aktuelle Modelle, Materialien und Preise verschaffen möchte, findet bei verschiedenen Online-Anbietern eine grosse Auswahl an Fenstertypen und Konfigurationsmöglichkeiten, mit denen sich Grösse, Material und Verglasung unabhängig voneinander einstellen lassen. Das erleichtert den ersten Vergleich, ersetzt aber nicht die Beratung durch einen Fachbetrieb vor Ort.
Materialien im Vergleich: Kunststoff, Holz und Aluminium
Kunststofffenster sind nach wie vor die meistverkaufte Variante im deutschsprachigen Raum, weil sie pflegeleicht, witterungsbeständig und im Verhältnis zu ihrer Lebensdauer günstig sind. Mehrkammersysteme im Rahmen sorgen für eine gute Wärmedämmung, ohne dass ein Anstrich oder eine regelmässige Behandlung nötig wäre. Für viele Bauherren ist das der entscheidende Vorteil gegenüber Holz.Holzfenster punkten dagegen mit einer wärmeren Optik und einem besseren ökologischen Fussabdruck, verlangen im Gegenzug aber eine regelmässige Pflege des Rahmens, damit Feuchtigkeit nicht eindringen kann. Aluminiumfenster wiederum sind extrem robust und formstabil, weshalb sie oft bei grossflächigen Fensterfronten oder in Kombination mit Holz als Holz-Aluminium-Fenster eingesetzt werden: Holz sorgt für das Raumklima innen, Aluminium schützt die Witterungsseite aussen.
Preislich liegen Kunststofffenster meist am unteren Ende, gefolgt von Holz-Aluminium-Konstruktionen und reinen Aluminiumfenstern im oberen Segment. Wer sich zwischen den Varianten entscheidet, sollte neben dem Anschaffungspreis auch die Lebensdauer und den Pflegeaufwand über 20 bis 30 Jahre einrechnen, da sich hochwertige Rahmen häufig erst über diesen Zeitraum wirklich auszahlen. Auch die Optik der Fassade spielt eine Rolle: Während schlanke Aluminiumrahmen bei modernen Neubauten gefragt sind, wirken Holzfenster bei sanierten Altbauten oft stimmiger.
Energieeffizienz und U-Wert richtig einordnen
Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Kelvin Temperaturunterschied durch ein Bauteil verloren geht – je niedriger der Wert, desto besser die Dämmwirkung. Einfachverglasung liegt bei einem U-Wert von etwa 5,0 W/(m²K), ältere Zweifachverglasung bei rund 2,7 bis 3,0. Moderne Dreifachverglasung erreicht dagegen häufig Werte zwischen 0,7 und 1,1 W/(m²K) und reduziert den Wärmeverlust damit erheblich.Wichtig ist, nicht nur auf den Glas-U-Wert zu schauen, sondern auf den U-Wert des gesamten Fensters, also inklusive Rahmen. Ein sehr gutes Glas in einem schlecht gedämmten Rahmen bringt in der Praxis deutlich weniger als erwartet. Auch der Einbau spielt eine Rolle: Selbst ein hochwertiges Fenster verliert seine Wirkung, wenn die Anschlussfugen zur Wand nicht fachgerecht abgedichtet werden.
Der Ablauf einer professionellen Montage
Am Anfang steht ein genaues Aufmass vor Ort, da Altbauten selten exakt rechtwinklige Öffnungen haben. Auf dieser Grundlage werden die neuen Fenster in der gewünschten Grösse, Farbe und Ausstattung gefertigt. Beim eigentlichen Einbau werden zunächst die alten Rahmen rückstandsfrei entfernt, bevor die neuen Elemente eingepasst, ausgerichtet und mechanisch befestigt werden.Anschliessend folgt die Abdichtung der Anschlussfuge nach innen dampfbremsend und nach aussen diffusionsoffen, damit keine Feuchtigkeit in der Konstruktion eingeschlossen wird. Zum Abschluss werden Beschläge justiert und die Fenster auf Gängigkeit sowie Dichtheit geprüft. Eine saubere Montage entscheidet oft stärker über das Endergebnis als die Wahl des Fenstermodells selbst.
Online konfigurieren oder Fachbetrieb vor Ort?
Fenster-Konfiguratoren von Online-Anbietern erlauben es, Masse, Material, Farbe und Verglasung in Ruhe durchzuspielen und Preise unmittelbar zu vergleichen, was bei einer grösseren Anzahl an Fenstern viel Zeit spart. Für die eigentliche Aufmass- und Einbauleistung bleibt jedoch meist ein Fachbetrieb vor Ort nötig, insbesondere bei unregelmässigen Maueröffnungen oder besonderen Anforderungen an Statik und Denkmalschutz.In der Praxis kombinieren viele Bauherren beide Wege: Die Vorauswahl Bestellung der Fenster läuft online, die verbindliche Vermassung und die Montage übernimmt anschliessend ein regionaler Betrieb. So lassen sich Kosten kalkulierbar halten, ohne bei einem so wichtigen Bauteil auf fachliche Beratung zu verzichten. Wichtig bleibt in jedem Fall, mehrere Angebote einzuholen und dabei nicht nur den reinen Fensterpreis, sondern auch Montage, Entsorgung der alten Elemente und eventuell nötige Anpassungen an Fensterbänken oder Rollladenkästen einzukalkulieren, damit am Ende keine bösen Überraschungen bei der Endabrechnung entstehen.








