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Den Garten als Wohnraum denken: So wird der Außenbereich zum Ganzjahresraum

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Gärten haben sich grundlegend gewandelt. Was früher als rein funktionale Grünfläche betrachtet wurde, ist heute Wohnraum, der nach den gleichen Maßstäben eingerichtet und gestaltet wird wie Küche oder Wohnzimmer. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2022 verbringen Haushalte mit Garten in den Sommermonaten im Durchschnitt über drei Stunden täglich im Freien. Wer diesen Raum konsequent gestaltet, gewinnt nicht nur Lebensqualität, sondern auch Immobilienwert zurück.

Planung beginnt mit der Zonenbildung: Wie der Garten gegliedert wird​

Ein ganzjährig funktionierender Garten braucht eine durchdachte Zonenbildung. Fachmann für Landschaftsarchitektur unterscheiden vier Funktionsbereiche: Zufahrt und Eingang, Aufenthalt und Essen, Spiel und Sport sowie Rückzug und Entspannung. Jeder Bereich stellt andere Anforderung an Belag, Bepflanzung und Ausstattung. Für befestigte Flächen wie Terrassen oder Wege gelten technische Normen. Die DIN 18318 legt in Deutschland die Richtlinien für den Einbau von Pflaster- und Plattenbelägen im Außenbereich fest. Um sicherzustellen, dass Regenwasser ordnungsgemäß abfließen kann und sich keine Staunässe bildet, ist ein Mindestgefälle von 2 Prozent erforderlich. Das Ignorieren dieser Vorgaben kann zu Frostschäden und Schimmelbildung an benachbarten Gebäudeteilen führen.

Für den Bereich direkt am Wohnhaus eignen sich besonders robuste Materialien wie Naturstein, Feinsteinzeug oder Betonplatten, da sie sowohl pflegeleicht als auch wetterfest sind. Im hinteren Gartenbereich hingegen sind naturnahe Oberflächen eine gute Wahl: verdichteter Kies, Holzdielen aus druckimprägnierter Lärche oder WPC-Terrassendielen (Wood-Plastic-Composite) bieten hier Vorteile, denn sie sind splitterfrei und wasserabweisend aufgrund ihres Kunststoffanteils. Für WPC gelten Rutschhemmungsklassen gemäß DIN 51097; im Außenbereich sollte mindestens Klasse B eingehalten werden, während für besonders nasse Bereiche die Klasse C empfohlen wird.

Darüber hinaus sollte bei der Planung auch die Lichtverhältnisse Berücksichtigung finden. Eine nach Südwesten ausgerichtete Terrasse hat den Vorteil, dass sie am Nachmittag Sonnenlicht erhält und bis in den Abend hinein warm bleibt. Wer hingegen morgens im Garten frühstücken möchte, ist mit einer östlich ausgerichteten Fläche gut beraten.

Wellness im Freien: Whirlpools, Outdoorsaunen und ihre technischen Anforderungen​

Kaum ein Trend hat den Gartenbereich so sehr geprägt wie das Thema Outdoor-Wellness. Whirlpools und Außensaunen gehören bei Neubauten und Umbauten längst zum Standardrepertoire ambitionierter Gartenplanungen. Voraussetzung hierfür ist jedoch fundiertes technisches Wissen, denn beide Produkte stellen hohe Anforderungen an Fundament, Elektrik und Wasserversorgung.

Ein hochwertiger Outdoor Whirlpool benötigt zunächst eine tragfähige und eben ausgeführte Betonplatte als Unterbau. Laut Herstellerrichtlinien der meisten Anbieter muß diese Platte 15 cm stark und mit 600 bis 800 kg/qm tragfähig sein. Das gefüllte Becken eines mittelgroßen Vierpersonen-Whirlpools bringt es mit Wasser und Nutzern schnell auf 2 000 bis 3 000 kg. Eine nachträgliche Verstärkung des Fundaments ist aufwendig und teuer. Deshalb gilt: Das Fundament muß vor dem Kauf des Gerätes geplant werden, nicht danach.

Für den elektrischen Anschluss schreiben die meisten Geräte einen eigenen FI-geschützten Stromkreis mit 16 oder 32 Ampere vor. Die Norm IEC 60364-7-702 beschreibt den Schutz von Schwimmbädern, Becken und ähnlichen Anlagen. Demnach dürfen in dem als Bereich 1 bezeichneten Raum (tief im Becken, bis 2 m vom Becken entfernt) nur Schutzkleinspannungen bis 12 Volt eingesetzt werden. Die Zuleitungen müssen durch einen zugelassenen Fachbetrieb verlegt werden.

Die Wasseraufbereitung wird in der Praxis häufig unterschätzt. Im Vergleich zum Pool hat der Whirlpool zwar ein viel kleineres Wasservolumen, wird aber aufgrund der Heizung und der Düsenverwendung thermisch sehr hoch belastet. Das begünstigt das Bakterienwachstum. Der pH-Wert des Wassers sollte zwischen 7,2 und 7,6, der Gehalt an freiem Chlor sollte zwischen 1 und 3 mg/l betragen, Brominierung oder Salzwasser-Elektrolyse sind auch möglich. Verpflichtende Wasseranalysen sollten bei ganzjährigem Betrieb alle zwei bis drei Wochen erfolgen.

Outdoorsaunen haben besondere bauliche Anforderungen. Ein Mindestabstand von 3 m zu brennbaren Materialien ist in den meisten Landesbauordnungen vorgeschrieben. Die Baugenehmigungspflicht hängt von der Grundfläche ab: Häufig sind Bauvorhaben mit einer Grundfläche bis zu 10 Quadratmetern in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei, darüber braucht man eine Baugenehmigung. Vor dem Kauf eines Baus ist aber ein Blick in die jeweilige Landesbauordnung zwingend.

Aus einem Schattendasein hat sich die Outdoor-Küche zum ernstzunehmenden Marktsegment des Gartenmarktes entwickelt. Laut dem Verband der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK) ist das Segment der Außenküchen seit 2019 jährlich um etwa 12 Prozent gewachsen. Treiber sind einerseits die wachsende Bereitschaft, in die Wohnqualität draußen zu investieren und zum anderen das mittlerweile deutlich breitere Angebot etablierter Hersteller.

Bei der Materialwahl kommt es an: Edelstahl in der Güte 316L (auch Marin-Grade genannt) hält Salznebel und Feuchtigkeit besser aus als die günstigere Standardgüte 304. Naturstein, wie Granit oder Quarzit, eignet sich bestens für Arbeitsflächen, da er sowohl hitzefest als auch frostbeständig ist; bei glasierte Keramikplatten steht man ebenfalls als hitzefest und frostbeständig, hat aber eine größere Farbvielfalt zur Auswahl. Holz ist im Außenbereich nur dann langfristig geeignet, wenn es regelmäßig behandelt wird und eine natürliche Dauerhaftigkeitsklasse von 1 oder 2 nach EN 350 besitzt (zum Beispiel Teak, Bangkirai, Robinie).

Gasbetriebene Grills und Kochstellen benötigen im Außenbereich eine Mindestbelüftung gemäß DVGW-Arbeitsblatt G 631. Die Gasleitung muss als feste Hausinstallation durch einen konzessionierten Fachbetrieb verlegt werden; flexible Schlauchleitungen sind nur für mobile Geräte und dann nur innerhalb gewisser Längen (maximal 1,5 Meter nach EN 14800) zulässig.

Wenn es um Beschattung geht, stehen der Schutz vor UV-Strahlung, Windbeständigkeit und die Optik im Vordergrund. Sonnensegel aus HDPE-Gewebe (High-Density Polyethylene) mit einer UV-Schutzklasse von 50+ filtern über 97 % der UV-A- und UV-B-Strahlung. Pergolasysteme aus Aluminium bieten durch lamellierte Dächer mit motorischer Steuerung die Möglichkeit, Beschattung und Regennutzung zu kombinieren. Windbelastungsklassen nach EN 13561 geben an, welche Windgeschwindigkeiten ein Sonnenschutz ohne Schäden übersteht. Für exponierte Standorte sollte mindestens Windklasse 3 ausgewählt werden.

Ganzjährig Aktivitäten im Freien: Heizen, Beleuchten und Pflanzenwahl​

Wer in der kalten Jahreszeit seinen Garten nutzen möchte, muss auch hier in die Infrastruktur investieren. Infrarotheizungen für den Außenbereich haben inzwischen den Gasheizer weitgehend verdrängt. Qualitativ hochwertige Geräte arbeiten mit Carbonstrahlern oder Quartzröhren, die Betriebstemperaturen zwischen 800 und 2.000 Grad Celsius am Heizelement erreichen. Ihre Wärme wird als Strahlungswärme abgegeben, die Menschen und Gegenstände direkt erwärmt, ohne dabei Luft zu erhitzen. Der Wirkungsgrad beträgt je nach Gerät 60 bis 95 Prozent. Im Vergleich zum Gasheizer entfällt der Aufwand mit Gasflaschen und es entstehen keine Verbrennungsprodukte in Atemluftnähe.

Gartenbeleuchtung wirkt nicht nur atmosphärisch, sondern auch als Sicherheitsfaktor. Nach der DIN VDE 0100-702 sind Stromkreise im Außenbereich mit Fehlerstromschutzschaltern (RCD) mit nicht mehr als 30 Milliampere Auslösestrom zu schützen. LED-Pathlight-Systeme mit 12-Volt-Niederspannung lassen sich ohne weiteres von handwerklich Begabten selbst verlegen, wenn der eine Trafo belieferte Anschlußstelle unter der Erde nicht weiter als 20 m entfernt ist. Höhere Spannung bis zu 230 Volt müssen durch einen zugelassenen Elektroinstallateur installiert werden.

Aber auch die Pflanzenwahl entscheidet, wie winterfest Ihr Garten aussieht. Immergrüne Gehölze wie Buchsbaum (Buxus sempervirens), Stechpalme (Ilex aquifolium), Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) sorgen Jahr für Jahr für Struktur, sie müssen nicht aufwendig überwintert werden. Für Sichtschutz entlang von Terrassen ist Bambus (Fargesia murielae oder Fargesia robusta) zu empfehlen, der nicht invasive, winterharte Bambus ist. Er ist eine vernünftige, nicht klonale Lösung zu dem als aggressiv und nicht einhaltbar geltenden klonalen Bambus, dessen Rhizome in Nachbarbeete einwachsen. Mit Kletterpflanzen wie Efeu, Wilder Wein oder Clematis-Hybride lassen sich Mauern und Zäune mit wenig Pflegeaufwand verkleiden; gleichzeitig stellen sie für Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle dar.
Wer den Garten langfristig als wohnlichen Teil seines Lebensraumes begreifen will, ist gut beraten, sich frühzeitig mit einem Landschaftsarchitekten oder Gartenplaner zusammenzuschließen. Zahlreiche Städte und Gemeinden fördern im Rahmen von Programmen zur Regenwasserbewirtschaftung oder Dachbegrünung auch naturnahe Gartengestaltung finanziell. Seit 2023 zählen auch Außenanlagen zur „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) des BAFA, wenn sie mit energetischen Sanierungsmaßnahmen am Gebäude zu tun haben.

Der Außenraum ist kein Anhängsel des Hauses, ist ein zu gestaltender Raum, der geplant, gebaut und gepflegt sein will wie jedes Zimmer unter dem Dach, mit den gleichen handwerklichen Erfordernissen und der gleichen gestalterischen Sorgfalt.

Nachhaltigkeit im Garten: Versiegelung, Wasserkreislauf, Materialwahl​

Gestaltet man seinen Garten zum Wohnraum, vergrößert sich zwangsläufig die befestigte Fläche auf dem Grundstück. Mit Bedacht geplant, lassen sich die ökologischen Folgen allerdings erheblich mildern. Das Problemkern: Versiegelte Flächen lassen Regenwasser nicht in den Boden versickern, sondern sorgen dafür, daß es schnell in die Kanalisation abfließt und bei Starkregen die kommunale Infrastruktur belastet. Immer noch werden in Deutschland täglich rund 52 Hektar neue Siedlungs- und Verkehrsfläche in Anspruch genommen, wie das Umweltbundesamt mitteilt, und zwar zu einem großen Teil durch private Bauvorhaben.

Eine technisch ausgereifte Antwort auf das Problem der Versiegelung sind versickerungsfähige Beläge: Rasengittersteine, Schotterrasen, Pflaster mit breiten, begrünten Fugen, etc. lassen Regenwasser gezielt durch sich hindurch in die Erde abfließen. Nach DIN 1986-100 sind in vielen Städten Grundstückseigentümer verpflichtet, Niederschlagswasser möglichst auf dem eigenen Grundstück zu versickern oder zurückzuhalten, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Wer das bei der Planung berücksichtigt, spart nachträgliche Umbaukosten und kann vielerorts von verminderten Niederschlagswassergebühren profitieren.

Zisternen und Regenwassertanks ergänzen das Konzept. Ein unterirdischer Betonbehälter mit 5 000 bis 10 000 l Fassungsvermögen versorgt Gartenbewässerung, Whirlpool-Befüllung und Außenwasserhahn über lange Strecken des Jahres ohne Trinkwasserverbrauch. Je nach Wasserpreis und Niederschlagsmenge in der Region liegt die Amortisationszeit zwischen 8 und 15 Jahren. Für die Trinkwasserleitungen gelten dabei strenge Trennanforderungen gemäß DIN EN 1717, um die Rücksaugung von Brauchwasser in das öffentliche Netz auszuschließen.

Bei der Materialwahl lohnt ein Blick auf Umweltzertifizierungen und Herkunftsnachweise. Holz aus FSC oder PEFC zertifizierten Wäldern stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Beständen mit kontrollierten Einschlagmengen und sozialen Mindeststandards. Bei Hölzern aus tropischen Regionen wie Teak oder Bangkirai ist dies nur dann der Fall, wenn sie ein gültiges FSC-Zertifikat aufweisen. Eine heimische Vergleichsart ist die Robinie (Robinia pseudoacacia), die gemäß EN 350 ebenfalls Dauerhaftigkeitsklasse 1 erreicht und keine langen Transportwege benötigt.
Recycelte Materialien haben auch im Gartenbereich an Qualität gewonnen. WPC-Terrassendielen aus recyceltem Kunststoffgranulat und Sägemehl erreichen heute vergleichbare Belastungswerte wie Neuware, benötigen keine Holzschutzbehandlung und sind am Lebensende werkstofflich verwertbar. Betonplatten aus Recyclingzuschlagstoffen nach DIN EN 13369 zeigen zwar leicht verminderte Druckfestigkeiten, sind aber für Wege und Randbereiche ausreichend.

Energiebedarf von Whirlpools und Außenheizungen lässt sich ebenfalls senken. Hochwertige Thermoabdeckungen mit einem U-Wert < 0,5 W/(m²K) können den Wärmeverlust eines Whirlpools im Außenbetrieb um bis zu 75 % reduzieren gegenüber ungedeckten Becken. Wärmepumpenheizungen erreichen Jahresarbeitszahlen von 3,0 bis 5,0, so daß aus 1 kWh zugeführtem Strom 3 bis 5 kWh nutzbare Wärme entsteht. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach läßt sich der Eigenstromanteil für den Gartenbetrieb erhöhen.
Wer Nachhaltigkeit konsequent in seine Gartenplanung einbindet, schafft keinen ökologischen Kompromiß, sondern einen Außenraum, der robust, pflegeleicht und wetterextremresistent ist.
 

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